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Im Gespräch mit Maximilian Seer, Leitung Begleitung und Pflege bei KWA

60 Jahre KWA: Gute Pflege braucht Nähe und Mut zur Veränderung

Was macht gute Pflege aus – heute und in Zukunft? Im Gespräch erklärt Maximilian Seer, Leiter der Fachfamilie Begleitung und Pflege, warum bei KWA Beziehung und Individualität genauso wichtig sind wie Fachlichkeit, welche Rolle Verantwortung und Weiterbildung spielen und weshalb die Pflege den Mut braucht, sich weiterzuentwickeln.

Maximilian Seer leitet bei KWA die Fachfamilie Begleitung und Pflege.

Unterhaching, 01. September 2026

Wie sind Sie selbst zur Pflege gekommen – und was hat Sie schließlich zu KWA geführt?

Maximilian Seer: In der Pflege bin ich ganz klassisch über ein Freiwilliges Soziales Jahr gelandet. Danach ging es Schritt für Schritt weiter: von der Ausbildung zur Pflegefachperson über den Bachelor bis zum Master. Nach meinem Studium habe ich mich in der Pflegelandschaft umgesehen – von Wissenschaft und Unternehmensberatung bis hin zu Referentenstellen. KWA bot für mich das schlüssigste Gesamtpaket. Gleichzeitig konnte ich hier eine Wissenslücke schließen, denn in der Altenhilfe hatte ich zuvor nur wenig Erfahrung gesammelt.

Was hat Sie überzeugt, bei KWA Verantwortung für die Fachfamilie Begleitung und Pflege zu übernehmen? Und was motiviert Sie persönlich?

Nach mehr als zwei Jahren als Referent kannte ich das operative Geschäft sehr gut. Der interne Wechsel war für mich der nächste logische Schritt. Besonders gereizt hat mich die Möglichkeit, die Fachfamilie gemeinsam mit meinem Team sowie den Kolleginnen und Kollegen vor Ort weiterzuentwickeln.

Mit dem Weg, den KWA in Begleitung und Pflege eingeschlagen hat, konnte ich mich immer identifizieren. Diesen Weg fortzuführen, meine Vorstellungen von guter Pflege einzubringen und die Pflegedienstleitungen und Stiftsdirektionen zu unterstützen, motiviert mich sehr.

Hinzu kommt der ständige Wandel in der Pflege. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen müssen wir unsere Profession weiterentwickeln. Diesen Prozess gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort zu gestalten, macht mir besonders viel Freude.

Der Anspruch von KWA lautet „fachlich stark, menschlich nah“. Was bedeutet das für Sie konkret im Pflegealltag?

Pflegeeinrichtungen laufen Gefahr, den Menschen ihre Organisationsstrukturen überzustülpen. Dabei versorgen wir unsere Bewohnerinnen und Bewohner im Wohnstift in ihrer eigenen Wohnung. Natürlich braucht es verlässliche Abläufe. Aber diese dürfen nicht dazu führen, dass Individualität verloren geht.

Ähnliches gilt für die Fachlichkeit: Professionell Pflegende verfügen über viel Wissen. Dieses Wissen kann aber mit persönlichen Gewohnheiten und Bedürfnissen kollidieren. Genau an diesen Punkten zeigt sich für mich der Unterschied. Unser Leitsatz „Leben. Wie ich es will.“ ist handlungsleitend.

Deshalb ist der beziehungszentrierte Ansatz fest in unserer Fachfamilie verankert. Gleichzeitig ermöglichen unsere Wohnstifte mit Ambulantem Dienst, Persönlicher Assistenz, Tagesbetreuung, Tagespflege und stationärer Pflege eine ganzheitliche Versorgung über nahezu alle Unterstützungsbedarfe hinweg. Das ist etwas Besonderes, das wir bewahren müssen.

Welche Rolle spielen Beziehung, Biografie und Individualität der Bewohnerinnen und Bewohner?

Sie bestimmen unser pflegerisches Handeln. Gemeinsam mit den Pflegedienstleitungen haben wir deshalb einen Beziehungskompass mit zwölf Orientierungsfeldern entwickelt. Er hilft unseren Einrichtungen dabei, die eigene beziehungszentrierte Begleitung und Pflege zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Entscheidend ist, den Menschen wirklich kennenzulernen: seine Werte, Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen vom eigenen Leben. Dafür nutzen wir unseren Persönlichkeitsbogen – und zwar fachfamilienübergreifend. Kolleginnen und Kollegen aus Hauswirtschaft oder Persönlicher Assistenz erleben Bewohnerinnen und Bewohner beispielsweise in anderen Situationen als die Pflege. So entsteht nach und nach ein umfassenderes Bild des Menschen.

Wir verzichten bewusst auf einen reinen Biografiebogen. Uns interessiert nicht nur, was jemand früher gemacht hat, sondern was einen Menschen heute ausmacht, was ihm Freude bereitet oder worüber er lachen kann. Dieser Prozess braucht Zeit und ist nie abgeschlossen. Und selbstverständlich respektieren wir auch, wenn jemand Persönliches für sich behalten möchte.

Welche Bedeutung haben Standards, Fort- und Weiterbildungen sowie fachliche Spezialisierungen?

Pflegewissenschaft liefert regelmäßig neue Erkenntnisse. Mir ist wichtig, diese so aufzubereiten, dass sie tatsächlich in der Praxis ankommen. Dabei braucht es Augenmaß: Zu viele Standards können den Handlungsspielraum einengen, gleichzeitig geben gute Standards Sicherheit.

Die nationalen Expertenstandards sind dafür ein gutes Beispiel. Sie liefern evidenzbasierte Handlungsempfehlungen etwa zu Sturz oder Inkontinenz. Unsere Aufgabe ist es, dieses Wissen praxistauglich zu übersetzen – beispielsweise über Schulungsunterlagen, Poster oder direkt in der Pflegedokumentation.

Fort- und Weiterbildungen sind angesichts immer komplexerer Versorgungssituationen unverzichtbar. Unsere Bildungszentren sind dabei eine wichtige Ressource. Gleichzeitig gewinnen Spezialisierungen etwa in Wundversorgung, Palliative Care und Gerontologie weiter an Bedeutung. Hier wollen wir Mitarbeitende gezielt fördern.

KWA bietet sehr unterschiedliche Pflege- und Begleitungsformen an. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Dass diese Vielfalt erhalten bleibt und dort ausgebaut wird, wo es sinnvoll ist. Sie ist nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern Teil unseres Sicherheitsversprechens: Wer in eine KWA-Einrichtung einzieht, soll auch bei steigendem Unterstützungsbedarf dort wohnen bleiben können.

Zugleich können sich die unterschiedlichen Versorgungsformen gegenseitig stärken. Gesamtversorgungsverträge und Kooperationen ermöglichen beispielsweise einen flexibleren Personaleinsatz. Entscheidend ist für mich, dass sich die Mitarbeitenden als Team eines KWA-Standortes verstehen – und nicht ausschließlich als Team eines einzelnen Pflegesettings.

Welche Haltung erwarten Sie von Pflegekräften – und wie unterstützt KWA sie dabei?

Ich erwarte, dass Bewohnerinnen und Bewohner sowie ihre Angehörigen fachlich kompetent, wertschätzend und verlässlich begleitet werden. Im Mittelpunkt steht immer „Leben. Wie ich es will.“ Für uns ist KWA ein Arbeitsplatz. Für die Menschen, die hier leben, ist es ihr Zuhause. Entsprechend individuell muss unsere Unterstützung sein.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Verantwortung. Die Rollen in der Pflege verändern sich. Pflegefachpersonen steuern Pflegeprozesse, Assistenz- und Hilfskräfte übernehmen zunehmend anspruchsvollere Aufgaben. Deshalb halte ich eine ausschließlich an formalen Qualifikationen orientierte Betrachtung für nicht mehr zeitgemäß. Wer Verantwortung übernehmen möchte und über die entsprechenden Kompetenzen verfügt, soll dazu befähigt werden. Das schafft Wertschätzung, gibt Sicherheit und kann auch die Freude an der Arbeit fördern.

Eine zentrale Rolle spielen dabei unsere Pflegedienstleitungen. Schon in Bewerbungsgesprächen und später während der Einarbeitung beschäftigen wir uns intensiv mit der Haltung zur Pflege. Sie zieht sich durch Konzepte, Pflegevisiten, Dokumentation, Tagungen und Arbeitsgruppen. Entscheidend ist aber: Haltung kann man nicht einfach verordnen. Sie muss vorgelebt werden und von innen heraus entstehen.

Gibt es eine Situation, die für Sie besonders gut beschreibt, was menschliche Nähe bei KWA bedeutet?

Mir sind in unseren Einrichtungen unzählige solcher Situationen begegnet. Deshalb möchte ich gar keine einzelne herausgreifen. Mich beeindruckt vielmehr, dass menschliche Nähe bei KWA nicht als zusätzliche Aufgabe verstanden wird, sondern als selbstverständlicher Teil unseres Handelns.

Sie zeigt sich oft in kleinen Momenten: wenn jemand Zeit für ein persönliches Gespräch findet, Sorgen wahrnimmt oder einfach aufmerksam bemerkt, wie es einer Bewohnerin oder einem Bewohner gerade geht. Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand in Pflege, Hauswirtschaft, Begleitung, Verwaltung oder Haustechnik arbeitet.

Für mich macht genau das den Unterschied aus: Beziehungen aufzubauen, Vertrauen zu schaffen und Menschen mit echter Aufmerksamkeit zu begegnen. So wird aus guter Versorgung eine wirklich beziehungszentrierte Begleitung und Pflege.

Viele Angehörige sind unsicher, welche Form der Unterstützung die richtige ist. Wie begleitet KWA solche Entscheidungsprozesse?

Die Pflegelandschaft ist tatsächlich sehr komplex: unterschiedliche Angebote, Budgets und Zugangsvoraussetzungen machen es schwer, den Überblick zu behalten. Unsere Kundenbetreuungen und Pflegedienstleitungen kennen sowohl die Möglichkeiten der Häuser als auch Unterstützungsbedarfe und Leistungsrecht sehr genau. Sie beraten Bewohnerinnen und Bewohner sowie Angehörige persönlich.

Ein großer Vorteil bei KWA ist, dass viele Angebote unter einem Dach zusammenarbeiten. Und häufig beginnt Unterstützung nicht unmittelbar bei der Pflege. Gerade die Hauswirtschaft hat hier eine wichtige Rolle. Durch den regelmäßigen Kontakt fallen Veränderungen im Alltag manchmal dort zuerst auf.

Weil die beteiligten Bereiche eng zusammenarbeiten und die Wege kurz sind, können solche Beobachtungen früh weitergegeben und passende Unterstützung gemeinsam besprochen werden.

Der Pflegebereich steht vor großen Herausforderungen. Was braucht gute Pflege heute und morgen – und wie bereitet sich KWA darauf vor?

Ein zentraler Punkt ist die Ausbildung. Praxisanleitende gehören für mich neben unseren Führungskräften zu den wichtigsten Personen in Begleitung und Pflege. KWA schafft dafür gute Rahmenbedingungen und stellt Praxisanleitende über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus frei. In den Nachwuchs zu investieren, ist eine Investition in die Zukunft der Pflege.

Gleichzeitig brauchen wir ein moderneres Rollenverständnis. Entscheidend sollte stärker sein, über welche Kompetenzen ein Mensch verfügt – nicht ausschließlich, welchen formalen Abschluss er besitzt. Mitarbeitende müssen entsprechend ihrer Fähigkeiten eingesetzt, gefördert und zur Übernahme von Verantwortung befähigt werden. Auch die Akademisierung kann dabei wichtige Impulse aus Wissenschaft und Forschung in die Praxis bringen.

Ein weiterer Baustein ist die Digitalisierung. Richtig eingesetzt kann sie Pflegende von administrativer und pflegefremder Arbeit entlasten und damit Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner schaffen. Aktuell beschäftigen wir uns beispielsweise intensiv mit KI-gestützter Sprachdokumentation. Entscheidend ist dabei immer, dass digitale Lösungen Prozesse tatsächlich verbessern und die Mitarbeitenden bei Veränderungen gut begleitet werden.

Auch eine gute Steuerung anhand relevanter Kennzahlen gehört für mich dazu. Pflegequalität, Personalressourcen und Wirtschaftlichkeit lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten.

Das eine Patentrezept für gute Pflege gibt es nicht. Aber wir sollten auch nicht auf die eine große Reform warten, die alle Probleme löst. Wir können selbst gestalten – und KWA bringt vieles mit, was wir dafür brauchen.

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