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Albstift-Gespräch mit Marc Friedrich und Matthias Weik über bedingungsloses Grundeinkommen

Die Autoren des Spiegel-Bestsellers "Sonst knallt´s" stellten ihre Ideen vor und sorgten für eine angeregte Diskussion unter der Leitung von Dr. Rainer Wiese.

Aalen, 15. November 2017. - Hausleiter Manfred Zwick konnte auch zur zweiten Auflage der Albstift-Gespräche zahlreiche Gäste begrüßen. Moderator Dr. Rainer Wies führte in das Thema ein, ehe er das Mikrofon an die Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik übergab. Friedrich ist Betriebswirt, Weik Master of Business Administration. 2009 gründeten die beiden gemeinsam ein Finanzstrategieberatungsunternehmen.

"Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ - Mit diesem Zitat von Albert Einstein starteten die beiden Autoren eine Präsentation. Kurzweilig führten sie in unsere Wirtschaftsordnung, aber auch in unsere aktuelle politische Situation ein, die laut den Referenten völlig aus dem Lot geraten ist.

Immer mehr Menschen haben das Gefühl, nur noch für den Staat zu arbeiten und fühlen sich benachteiligt. Eine winzige globale Finanz-Elite produziert derweil gigantische Blasen illusionären Reichtums. Und die Politik schaut tatenlos zu. Die Bestsellerautoren erklärten, warum die EU und der Euro aus ihrer Sicht scheitern werden. Warum wir künftig nicht Leistung, sondern den Konsum besteuern müssen. Die Geldpolitik bezeichneten sie „ohne Zins und Verstand“.

Die Bestsellerautoren haben klare Vorstellungen von erforderlichen Maßnahmen

Marc Friedrich und Matthias Weik fordern:

  • ein strenges Regelwerk für die Finanzmärkte,
  • die Abschaffung des Euros,
  • die EU als Wirtschaftsunion,
  • eine radikale Steuerreform sowie
  • ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE).

Dabei haben wir bereits ein Grundeinkommen, das sich aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt:

  • einem Steuerfreibetrag (in Höhe von 8.820.- Euro),
  • Kindergeld,
  • Hartz 4 und 
  • einer steuerfinanzierten Mindestrente.

Die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens sollte daher ihrer Meinung nach in Wellen erfolgen: zuerst für Kinder, dann für Rentner. Zur Umsetzung und Finanzierung des bedingungslosen Grundeinkommens fordern Weik und Friedrich eine radikale Steuerreform. Diese sei möglich. Zu Anfang helfe hier das Bömmel-Prinzip, bekannt aus der Filmkomödie "Die Feuerzangenbowle", wo ein Professor Bömmel seinen Schülern empfahl: „Wat is´n n Dampfmaschin? Da stell mer uns ers ma janz dumm."

Mit der Besteuerung von Eigentum, Vermögen, Einkommen, Erträgen und Konsum könnten Gemeinschaftsaufgaben finanziert werden 

Also: Was kann ein Staat, was kann eine soziale Gemeinschaft denn überhaupt besteuern? Die Antwort der Autoren in Kurzform: erstens Eigentum beziehungsweise Vermögen, zweitens Einkommen beziehungsweise Erträge und drittens Ausgaben, das heißt Konsum. Gegenwärtig finanzieren wir unsere Gemeinschaftsaufgaben mittels "einer undurchsichtigen Mischung von Steuerarten, die an verschiedenen Stellen in den Wirtschaftsprozess eingreifen".

Die Frage, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen finanzierbar wäre, wischen viele mit Milchmädchenrechnungen vom Tisch. 1000 Euro für jeden? Bei rund 82 Millionen Einwohnern käme man auf 820 Milliarden Euro pro Jahr. Damit wäre die 2016 erwirtschaftete Summe aller Arbeitnehmerentgelte nahezu vollständig, das Volkseinkommen zu fast zwei Drittel und das Bruttoinlandsprodukt zu rund 47 Prozent "verfrühstückt". 

Nur langsam setze sich die Erkenntnis durch, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen keine zusätzliche Wohltat wäre. Es würde die vorhandenen Einkommen nicht ergänzen, sondern zum Teil ersetzen.

Die Industrie 4.0 wird alles auf den Kopf stellen: die Bauwirtschaft, die Automobilproduktion, die Maschinenproduktion, die High-Tech-Produktion, das Bank- und Versicherungswesen, die Verwaltung, den Öffentlichen Dienst, den Transport, den Einzelhandel und auch den Lebensmittelhandel. Einfach alles. Die Vereinten Nationen und die Weltbank gehen davon aus, dass im Zuge der Veränderungen bis zu 75 Prozent aller Arbeitsplätze wegfallen werden.

Bedingungsloses Grundeinkommen erfordert aus der Sicht der Autoren den Verzicht auf andere Transferleistungen

Wie also kann das bedingungslose Grundeinkommen überhaupt finanziert werden? Dazu machen Friedrich und Weik folgende Vorschläge:

  • das Wegfallen von "überbürokratisierten Transferleistungen" wie ALG, Hartz 4 und Wohngeld,
  • Einsparungen durch den Abbau von Bürokratie und
  • die Einführung einer Konsumsteuer.

Mit einem Zitat von Erich Kästner appellierten die Gäste an die Verantwortung aller: „An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern."

Unter der Moderation von Dr. Wiese wurde im Anschluss intensiv über dasbedingungslose Grundeinkommen diskutiert. Einigkeit herrschte in der Erkenntnis, dass die Veränderungen in unserer Gesellschaft nicht mit den bisherigen Instrumenten zu bewerkstelligen sind, sondern ein Paradigmenwechsel nötig wird. Eine mögliches Instrument wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen.

 

 


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