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Elga Thouret: „Miss Vespa“

In memoriam an eine kürzlich verstorbene Bewohnerin des KWA Parkstifts Aeskulap: Beitrag zu einem Gespräch mit Elga Thouret-Hauff von 2015.

Sollte man mit 93 nicht vielleicht doch den Führerschein abgeben? "Ich würde ihn nie abgeben. Und ich hab mir immer geschworen: Solange ich es kann, werde ich ein Auto behalten. Und ich werde eher alles, was ich habe, meinen Schmuck und meine Pelze, verkaufen. Aber mein Auto: nie." - Elga Thouret-Hauff, Bewohnerin des KWA Parkstifts Aeskulap. Diese Erklärung hat sie als 86-Jährige in einem WDR-Beitrag über "100 Jahre Führerschein" abgegeben und nun, sechs Jahre später, nahezu wortgleich wiederholt. Weshalb, versteht man vielleicht besser, wenn man ihre Geschichte kennt. Und die geht – im Zeitraffer – so:

Die Mutter ist eine Rennfahrerin von Weltruf, holt mit dem Motorrad zahllose Medaillen. Das begeistert die zwei Töchter so, dass beide dem Vorbild folgen. Zunächst ebenfalls auf zwei Rädern. Gemeinsam mit Mutter Ilse und Schwester Anneliese bestreitet Elga 1950 verschiedene nationale
Rallyes, 1951 wird das Thouret-Trio offizielles deutsches Vespa-Team und holt Goldmedaillen – unter anderem bei der Deutschlandfahrt und bei der "8-Stunden-Solitude-Fahrt".

Dass Elga im Jahr 1953 zur ersten deutschen "Miss Vespa" gekürt wurde, überraschte sie dennoch – sagt sie zumindest: "Da waren viele junge Mädchen, die sich aufgetakelt hatten. Ich rechnete mir keine Chancen aus." Sie selbst war zu diesem Zeitpunkt 31. Bei der Großveranstaltung auf dem Nürburgring wurde jedoch nicht allein das Aussehen bewertet: Mit der souveränen Beantwortung von Fachfragen und einer bravourös gemeisterten Geschicklichkeitsfahrt holte sich die sportlich gekleidete Elga den Pokal, samt Schärpe und Blumen. Miss Vespa.

Wie sie ihr Leben im Rückblick sieht? "Ich habe immer versucht, meiner Mutter nachzueifern. Ich habe Hockey gespielt, bin Sportlehrerin geworden, bin Rallye gefahren, habe den Segelflugschein gemacht und wurde Reisejournalistin. – Alles, was sie gemacht hat, habe ich auch gemacht. Aber nicht so groß und nicht so erfolgreich." – Ilse Thouret war zu Beginn der 1920er dreimal deutsche Kanumeisterin, wurde später als beste deutsche Hockeyspielerin bezeichnet und holte schließlich als erfolgreichste Motorrad-Rennfahrerin Deutschlands der 1930er mehr als 200 Pokale, Medaillen und Auszeichnungen, darunter die Goldmedaille der „Six Days“ – als Geländefahrerin. Sie hatte sich darauf verlegt, nachdem ihr die Starterlaubnis bei Straßenrennen wegen ihres Geschlechts entzogen worden war. Eine "very shocking outstanding woman", von Rennsportkollegen als "Mordsweib" bezeichnet. – Wie könnte man das auch steigern?

Was die Mutter allerdings nicht geschafft hatte: Elga wurde in der 1950ern eine Werbe-Ikone, und eine Geschäftsfrau. Gemeinsam mit einer Freundin kreierte und vermarktete sie eine eigene Roller-Modekollektion – sehr erfolgreich, solange die Vespa-Begeisterung in Deutschland anhielt. Über Elga und Autos – die gefürchtete Rallye Akropolis beispielsweise – und über ihr Leben als Reisejournalistin wäre Weiteres zu schreiben. Doch sie tut es gerade selbst. Wir werden auf die Buchveröffentlichung hinweisen.

Autorin: Sieglinde Hankele | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 03/2015

 

Zum Bilderalbum von Elga Thouret und ihrer Mutter Ilse. 

Das Buch zum Leben von Mutter Ilse Thouret kann bestellt werden über ISBN-13: 978-3938140000. "Faszination des Erfolges: Deutschlands beste Rennfahrerin. Das Sport-Leben der Ilse Thouret".


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