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Talk in der Rosenau: Beat Fehlmann über Kosten, Visionen und Justus Franz

Die Journalistin Monique Würtz sprach mit dem neuen Intendanten der Südwestdeutschen Philharmonie im KWA Parkstift Rosenau in Konstanz über erste Erfahrungen mit der neuen Aufgabe – und natürlich über musikalische Ziele, die Fehlmann sich und seinem Orchester steckt.

Konstanz, 22. Januar 2014. „Schön, dass Sie gekommen sind“, begrüßt Talkmasterin Monique Würtz ihr Gegenüber Beat Fehlmann. „Wir beide kennen uns ja schon von einem Gespräch auf der Terrasse des Inselhotels. Inzwischen ist ein halbes Jahr ins Land gegangen. Wie fühlen Sie und Ihre Frau Sandra sich jetzt am neuen Wirkungsort?“ – Beat Fehlmann lehnt sich nachdenklich  in seinen Sessel zurück, nimmt Blickkontakt mit seiner Frau auf und antwortet schließlich: „Konstanz ist eine lebenswerte Stadt“. Sie seien beide gerne in diese Vier-Länder-Region gekommen und genießen die Vielfalt der Landschaften rund um den See: die Farben der Natur, die Wolken, das Wasser, die Kulisse der fernen Berge. Das Paar liebt es, am Bodensee spazieren zu gehen und beim Blick über den See auch mal loszulassen. Da nehme er tolle Bildeindrücke mit nach Hause.

Das Tollste ist für Fehlmann jedoch das Orchester der Konstanzer Philharmonie. In dem stecke eine Menge Potenzial. Da sei er sich absolut sicher. Die Konstanzer Intendanz  zu übernehmen, sei  eine Herausforderung von großem Reiz. Einen ganzen Sack voller Erfahrungen und Ideen habe er mitgebracht. Diese Aussagen Fehlmanns lässt Monique Würtz so stehen.

Bringt der Name Beat dem Orchester wohl Glück?

Die Moderatorin wendet sich einem neuen Thema zu. Der Vorname Beat sei für deutsche Ohren ein wenig ungewohnt. Es sei aber ein häufiger Schweizer Name, der  lateinische Wurzeln hat und „der Glückliche“ bedeute. – Sie habe ein bisschen bei Google „geschlaumeiert“. Dann zaubert die Moderatorin ein schelmisches Lächeln in ihr Gesicht und fragt: „Wie ist das aber mit dem Glücklichsein, wenn man gerade ein neues Orchester übernommen hat und als Mitgift eine Schuldenlast von rund 700.000 Euro übernehmen muss?“ 

Doch Fehlmann lässt sich nicht provozieren, antwortet mit fester Stimme: „Ich halte es nicht für zielführend, ein Orchester nur über Kosten zu definieren. Wenn ich morgens beim Bäcker die Brötchen hole, möchte ich ja auch nicht gleich auf Kosten angesprochen werden. Ich freue mich viel mehr, wenn ich höre, wie die Leute nach einem Konzert am nächsten Morgen über unsere Musik reden.“ Die Kosten seien natürlich eine Hürde, die man auch nicht aus den Augen verlieren werde, da seien sich alle Beteiligten einig. Man habe große Budget-Disziplin vereinbart.

Beat Fehlmann möchte mit der Südwestdeutschen Philharmonie zu einem neuen Europabild beitragen

Der Gast „läuft sich warm“, sagt, dass er begeistert sei von der hohen Zahl der Abonnenten bei der Konstanzer Philharmonie. Da sei er richtig stolz auf sein Team. Dann kommt er auf das bevorstehende Konziljubiläum zu sprechen. Wenn Europa demnächst im Rahmen der vielen – auch internationalen – Feierlichkeiten an das große geschichtliche Erbe der Stadt Konstanz erinnert werde, sei dies auch eine Chance für die Philharmonie, sich als bedeutender Kulturträger dieser Europastadt Konstanz und der Bodenseeregion zu präsentieren und darüber hinaus auch ein Stück weit an einem neuen, modernen Europabild mitzuwirken.  

Der „Musik-Manager“ muss musikalischen Anspruch und betriebswirtschaftliche Aspekte vereinen 

Ganz wichtig sei für ihn, dass er mit dem Repertoire des Orchesters, das sich ja permanent weiterentwickle, sowohl den Anspruch als auch den Geschmack des Publikums fest im Auge behalte. Zur Entwicklung eines Klangkörpers gehöre auch der Mut, sich mit anderen Orchestern außerhalb der Region zu messen, den Wettbewerb zu wollen, das eigene Können fremdem Publikum in der Atmosphäre fremder Konzerthallen zu präsentieren und den Anspruch zu haben, für das eigene Publikum „daheim“ immer besser und attraktiver zu werden.

Dazu müsse er langfristig planen, Budgets aushandeln, Verträge schließen. Zurzeit habe die Suche nach einem neuen Chef-Dirigenten zwar Priorität; doch auch da müsse er die Erträge und Kosten im Blick haben. Das sei die Domäne der Musik-Manager. Auch das macht seine Aufgabe spannend.

Der Intendant begeistert sich nicht nur für klassische Musik, sondern auch für moderne

„Wie kommt man zur Musik, wenn man sich als junger Mensch für einen Bildungs- und Berufsweg entscheiden muss?“, möchte die Moderatorin schließlich von ihrem Gesprächspartner wissen. „Das muss der Johann  Sebastian Bach auf seine Kappe nehmen“, sagt Fehlmann, lacht dabei, wird jedoch rasch wieder ernst: Bachs Musik hat ihn so tief berührt, dass er sich für ein Musikstudium mit der Fächerkombination Klarinette, Dirigieren und Komponieren entschieden hat. 

Schon mit 18 Jahren hat er erste Erfahrungen als Orchesterleiter gemacht. Ein Faible für moderne Musik habe er sich dennoch bewahrt. Und er komponiert auch. Ein Orchester wie die Konstanzer Philharmonie könne nur gewinnen, wenn das Repertoire neben der Klassik auch moderner  Musik dosiert Raum gebe – aber nur, soweit es gelinge, das Publikum mitzunehmen. 

Die Kammerphilharmonie Graubünden und die Philharmonie der Nationen waren für den Musiker wichtige Stationen in seinem beruflichen Werdegang

Temperamentvoll wird der Talk-Gast, als Moderatorin Würtz ihn auf seine Karrierestation als Geschäftsführer der Philharmonie der Nationen anspricht, bei der er als Geschäftsführer das „funkensprühenden Genie“ Justus Franz begleitete und hautnah erleben konnte, was es bedeutet, ein sich selbst finanzierendes, multinationales Orchester zu einem „weltweit geachteten und beachteten Klangkörper“ zu formen. Bei Justus Franz, dem er auch heute noch sehr nahe stehe, habe er gelernt, wie man Publikum, Orchester und Medien „gleichermaßen begeistern, ja mitreißen“ kann. 

Genauso lehrreich, aber doch auch wieder ganz anders war für Fehlmann die Zeit als Chef der Kammerphilharmonie Graubünden, einem kleinen, „schnittigen“ Orchester, dem Flexibilität, Improvisation und kurze Dienstwege seinen ganz eigenen Charme verliehen hätten. Da habe er als „Allrounder“ im Hintergrund „so richtig powern“ können. All das hat ihn geprägt, all das möchte er hier in seine Arbeit im Konstanzer Team einbringen, und in seine Kontakte mit der Stadt und der Öffentlichkeit.

Die Moderatorin ist sichtlich beeindruckt: „Herr Fehlmann, Sie haben sich viel für Konstanz vorgenommen; wir sind alle sehr gespannt; und wir alle warten jetzt und fragen uns: Wer besteigt demnächst das Dirigenten-Pult bei der Philharmonie in Konstanz? Wird´s diesmal wieder ein Anzug oder vielleicht doch ein Rock?“ Die Antwort darauf bleibt Fehlmann zwar schuldig. Angesichts der kurzweiligen Talk-Runde bedankt sich das Publikum bei Fehlmann und Würtz dennoch mit großem Applaus.  

Gastbeitrag von Giselher Sommer


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