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Erste-Hilfe-Programm für Vielsitzer von Frank Thömmes

KWA Interview mit dem für "Functional Training" weltweit bekannten Referenten und Buchautor. Frank Thömmes empfiehlt: Mehr Bewegung, mehr Natur, weniger Medien.

Unterhaching, 15. April 2019. – Beim KWA Neujahrsempfang 2018 hatte Frank Thömmes einige Mitarbeiter aufgerüttelt, die im Rahmen ihrer Berufstätigkeit extrem viel sitzen - und etliche Beispiele gegeben, wie man auch ohne Sportgeräte in normaler Bürokleidung etwas tun kann, um Verspannungen und Krankheiten vorzubeugen, die auf Bewegungsmangel beruhen.

In der KWA Zentrale in Unterhaching wurden dann auf Wunsch einer Mitarbeiterinnengruppe im Jahr 2018 zwei Terminserien für eine „Aktive Pause“ angeboten. Jeweils einmal pro Woche zur Mittagszeit zeigte in diesem Rahmen Frank Thömmes bzw. einer seiner Sporttherapeuten allen Interessierten immer wieder neue Übungen und leitete professionell an. Übungen aus seinem Buch "Wer länger sitzt, ist früher tot". Dabei handelt es sich in erster Linie Bewegungsabläufe, die einseitigen Belastungen, Muskelverkürzungen und Verspannungen entgegenwirken; aber auch Entspannungsübungen waren dabei, beispielsweise zur raschen Entlastung überstrapazierter Augen - was bei Bildschirmarbeit keine Seltenheit ist. Alle Übungen lassen sich ohne weiteren Aufwand in den Büroalltag einflechten. – Die "Aktive Pause" wird bei in Kürze fortgesetzt. Zum Einstieg führte KWA-Mitarbeiterin Sieglinde Hankele ein Gespräch mit Frank Thömmes.

Herr Thömmes, als Risiken und Probleme des Sitzens beschreiben Sie in Ihrem Buch „Wer länger sitzt, ist früher tot“ Rücken- und Gelenkbeschwerden, Gewichtsprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten – in diversen Ausprägungen. Doch zum Glück beschreiben Sie auch Lösungsansätze.Das Buch orientiert sich am typischen Büroalltag, die Übungen sind Hilfestellungen für jedermann, können Haltungsschäden und Schmerzen vorbeugen beziehungsweise entgegenwirken. Unser ganzer Lebensstil ist heute mit Sitzen verbunden – unserer Gesundheit jedoch nicht zuträglich.

Ist Ihre These „Sitzen ist das neue Rauchen“ nicht ein wenig überzogen?
Diese Aussage stammt ursprünglich von einem amerikanischen Autorenkollegen, dem Physiotherapeuten Dr. Kelly Starrett. Mein Buchtitel „Wer länger sitzt, ist früher tot“ sagt im Prinzip das Gleiche: Bewegungsmangel schadet unserer Gesundheit. Der Mensch hat von Natur aus einen Bewegungsdrang. Das sieht man am besten bei Kindern. Wird der Bewegungsdrang unterdrückt, leidet darunter ihre Kreativität, zum Teil schon auch ihre Gesundheit. Bei uns Erwachsenen ist das nicht anders. Dass wir im Büroalltag zum Sitzen gezwungen werden, ist wider unsere Natur, bewirkt etwas. Forschungen zeigen, dass nicht nur unsere Kreativität von Bewegungsmangel beeinträchtigt wird, sondern auch unsere Motivation. Der Zusammenhang ist nachweisbar. – Wie schon beim Rauchen so auch jetzt in Bezug auf den Bewegungsmangel hat man in den USA schneller Konsequenzen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen gezogen als wir hier in Europa. Im Silicon Valley – bei Google und Apple – macht man uns vor, wie Arbeitsbedingungen aussehen, die dem natürlichen Bewegungsdrang von Menschen entgegenkommen und Gesundheit fördern. Da gibt es Steharbeitsplätze und auch Sportgeräte, Arbeitszeiten und –bedingungen finden neue Formen. In manchen Unternehmen hat keiner mehr einen festen Büroplatz. Durch Rotation und wechselnde Arbeitsorte werden Bewegung und Austausch gefördert, dadurch auch Kreativität und Motivation.

39 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland pendeln zur Arbeit in einen anderen Kreis. 68 Prozent der Pendler nutzen das Auto. Haben Sie für Pendler einen besonderen Tipp?
Weites Pendeln sollte keine Dauerlösung sein. Egal ob man mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto fährt: Es schränkt nicht nur in der Bewegung ein und ist meist mit langem Sitzen verbunden. Es kostet auch wertvolle Lebenszeit und erzeugt zusätzlichen Stress. Wer aufgrund der räumlichen Distanz auch noch soziale Kontakte vernachlässigt, wird seiner Gesundheit auf Dauer schaden. 

Gibt es auch bei Ihnen Tage, an denen Sie abends denken: Heute hab‘ ich mich viel zu wenig bewegt?
Ja, das gibt es auch bei mir. Und nicht immer kann ich mich dann dazu überwinden, noch etwas zu tun, wenn ich zu müde bin, weil der Arbeitstag zu lange und zu anstrengend war. Doch es kommt durchaus vor, dass ich um neun oder zehn Uhr abends noch die Laufschuhe anziehe und noch mal rausgehe, um mich zu bewegen und den Kopf freizubekommen. Aber von Haus aus habe ich natürlich einen Beruf, bei dem ich viel in Bewegung bin, an verschiedenen Orten, bei Training mache ich oft selbst mit – oder Übungen vor. Und in meinem Büro gibt es keinen Stuhl mehr, sondern einen Steharbeitsplatz. 

Sie plädieren unter anderem für einen medien- und handyfreien Tag pro Woche. Warum?
Damit Sie zur Ruhe kommen können und nachts den notwendigen Erholungsschlaf finden. Und da geht es nicht nur um Handystrahlen im Schlafzimmer. Wenn Sie bis in den späten Abend hinein Informationen aufnehmen, Bilder auf sich wirken lassen und ständig auf neue Handy-Nachrichten warten, erzeugt das nicht nur Stress, sondern Sie kommen nicht zur Ruhe, weil das Gehirn das alles erst noch verarbeiten muss. Forschungen zeigen, dass es immer mehr Menschen gibt, die im Schlaf keine Erholung finden, weil die vielen medialen Reize so nachwirken, dass sie nur eine kurze oder gar keine Tiefschlafphase mehr haben. 

Auch einen Tag pro Woche in der Natur zu verbringen, gehört zu Ihren Empfehlungen. Was lässt sich damit erreichen?
Sehr viel. Die Natur macht etwas mit uns – der Wind, das Wetter, die Pflanzen, die Sonne, einfach alles wirkt auf unseren Körper und auf unsere Psyche. In Verbindung mit Bewegung werden Dopamine ausgeschüttet – das sind Neurotransmitter, die anregen und für Glücksgefühle sorgen. Nicht umsonst sind die Berge auch bei jüngeren Menschen ein zunehmend beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel: Weil man hier Stille findet und den Horizont sehen kann. Da kann man auch die eigenen Grenzen wieder viel besser erkennen und spüren.

An welchem neuen Buchprojekt arbeiten Sie gerade?
Tatsächlich arbeite ich gerade parallel an drei Büchern. Zum einen beschäftige ich mich mit Bewegung im Alterslauf und dem zugehörigen Umfeld für alle unsere Generationen, vom Traditionalisten bis zur Generation Z. Dabei wird klarwerden, wie unser Geburtstermin und unsere sich ändernden Umweltbedingungen unsere Lebensbiografie in Bezug auf Bewegung und Gesundheit mitbestimmen. Gleichzeitig werde ich beschreiben und zeigen, welche Bewegungen in welchem Alter wichtig und hilfreich sind. Aber auch Erkenntnisse über gesundheitsfördernde Ernährung und über psychische Einflussfaktoren werden mit einfließen. Beim zweiten Buch nehme ich die wichtigsten Faktoren in den Fokus, die unsere Gesundheit beeinflussen – Bewegung, Schlaf und Ernährung – und erläutere, wie man sehr pragmatisch damit umgehen kann. Das dritte Buchprojekt richtet sich an Leistungssportler. Da werde ich am Beispiel von Fußball aufzeigen, wie der Körper falsches, übermäßiges Training quittiert – und wie man Spätschäden vorbeugen kann. 

Zum Buch: Wer länger sitzt, ist früher tot


Frank Thömmes
*1968. Der Diplomsportlehrer verfügt über eine Vielzahl an Trainer- sowie therapeutischen Zusatzqualifikationen. Im Bereich Functional Training ist er weltweit als Referent und Fortbildungsleiter gefragt. Er arbeitet mit zahlreichen Firmen und Behörden zusammen und setzt dabei neue Trends, wenn es um moderne und innovative Bewegungskonzepte für Unternehmen geht. Er ist Autor mehrerer Fitnessratgeber. Weitere Informationen zu ihm und seinen Projekten finden Sie auf seinen Websites www.fit-projects.de und www.frankthoemmes.de.

 



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