Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue

Schriftgröße

Einge Mitarbeiter von KWA

KWA Luise-Kiesselbach-Haus mit Klinikum der Universität München vernetzt: zur Anpassung der Pflege an den Klimawandel

Das kommunale Projekt unter der Leitung der Medizinpädagogin Dr. phil. Julia Schoierer wird in direkter Zusammenarbeit mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt und dem Sozialreferat der Stadt München umgesetzt. Ziel: Entwicklung eines Maßnahmenplans für vollstationäre Pflegeeinrichtungen.

München, 8. April 2019. – Dass der Klimawandel auch München erreicht hat und neue Herausforderungen mit sich bringt, macht die Leiterin des Regionalen Klimabüros München – eine Einrichtung des Deutschen Wetterdiensts – klar. Dipl.-Meteorologin Gudrun Mühlbacher erläutert im Video „Kein prima Klima in der Stadt“, was mit dem Klimawandel verbunden ist. – In Ballungsräumen könne man Temperaturunterschiede zum Umland von bis zu 10 Grad messen. Städte haben aufgrund ihrer Bebauung und Betonmassen einen starken Wärmespeicher, so Mühlbacher. Tagsüber heizt sich die Stadt stark auf, aber im Gegensatz zum Umland kühlt sich die Stadt nachts nicht ab. Mühlbacher sagt: „Das ist für die Bewohner der Stadt ein Problem, da sie nachts normalerweise erholsamen Schlaf finden sollten, was aber bei so schwülwarmen Temperaturen nicht möglich ist.“

Tina Mohr ist Pflegedienstleiterin im KWA Luise-Kiesselbach-Haus – eine Pflegeeinrichtung im Münchner Stadtteil Riem. Sie schildert ihre Erfahrungen: „Hitzeperioden sind für Bewohner und Mitarbeiter gleichermaßen eine Belastung. Zahlreiche Maßnahmen helfen Bewohnern, diese Phasen erträglicher zu machen. Eine wesentliche ist die Anpassung des Speisen- und Getränkeangebots. Dazu gehört eine leichte, flüssigkeitsreiche Küche, z. B. mit Wassermelonen. Eine gute Beobachtung der Vitalzeichen und enge Zusammenarbeit mit den Ärzten sind Voraussetzung, um gesundheitliche Beeinflussungen durch die Hitze zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, die in manchen Fällen auch eine Anpassung der Medikamentenverordnung inkludiert. Wir Mitarbeiter werden in der täglichen Arbeit durch kostenlose Getränke unterstützt. Besprechungen und Fortbildungen mit anderen Themenschwerpunkten beschränken wir in den Sommermonaten Juli und August auf das Notwendige.“

Notwendig in Hitzeperioden: Viel Schatten, flüssigkeitsreiche Nahrung, hohe Sensibilität der Mitarbeiter, enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Anpassung der Alltagsaktivitäten 

Hausleiter Michael Pfitzer und sein Team haben die Trinkmengen der ihnen anvertrauten Pflegebedürftigen schon lange im Blick. Das Pflegeteam des KWA Luise-Kiesselbach-Hauses ist diesbezüglich sensibilisiert. Der Hausleiter ergänzt die Ausführungen seiner Pflegedienstleiterin: „Bei Bedarf werden die Trinkmengen bei ausgewählten Bewohnern in Trinkprotokollen zur besseren Überprüfbarkeit dokumentiert. Wir können außerdem für eine gute Belüftung in den Morgenstunden sorgen und haben die Möglichkeit, die Bewohnerzimmer sowie Gemeinschaftsbereiche tagsüber zu verschatten. Überdies haben wir in Haus und Garten Plätze zum Verweilen, die vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sind und Schatten bieten. Mit Brunnen schaffen wir ein verbessertes Klima Raumklima.“ 

Das Aktivierungsangebot für die Bewohner wird laut Michael Pfitzer ebenfalls den Temperaturen angepasst. Die Pflegemitarbeiter sind sensibilisiert, auf die Situation durch gute Krankenbeobachtung zu reagieren und eng mit den Ärzten zusammenzuarbeiten. „Wir beziehen auch die Angehörigen mit ein und bitten sie, uns bei der Flüssigkeitszufuhr der Bewohner zu unterstützen, sowie zu anstrengende Aktivitäten zu vermeiden“, so Pfitzer. Im KWA Luise-Kiesselbach-Haus wird in Hitzeperioden also ein ganzes Bündel an Maßnahmen ergriffen.

Vom Know-how der Pflege-Praktiker sollen künftig möglichst viele profitieren

„Als Frau Dr. Schoierer vom Klinikum der Universität München auf mich zukam und hitzeassoziierte Gesundheitsprobleme in der stationären Pflege thematisierte, war mir sofort klar, dass das von ihr initiierte Projekt uns eine Reihe neuer Erkenntnisse bringen könnte. Deshalb sind wir mit dem Luise-Kiesselbach-Haus als eine von sieben Modelleinrichtungen aus der Altenpflege gerne dem Netzwerk beigetreten, das nun für vollstationäre Pflegeeinrichtungen gemeinsam einen Maßnahmenplan zur Anpassung an den Klimawandel erarbeiten wird“, sagt Michael Pfitzer.

Er und sein Team möchten zunächst noch mehr über die assoziierten Gesundheitsprobleme erfahren und im zweiten Schritt aus dem Pflegealltag heraus geeignete Maßnahmen mitentwickeln, die die Pflegebedürftigen noch besser als bisher durch Hitzeperioden bringen. Möglicherweise lässt sich dadurch der eine oder andere Klinikaufenthalt vermeiden. Insbesondere für Menschen mit Demenz sind Klinikaufenthalte eine große Strapaze, die es zu vermeiden gilt. „Ein regelmäßiger Austausch mit dem Klinikum und den anderen Netzwerkpartnern im Rahmen des Projekts kann uns diesbezüglich einen großen Schritt voranbringen“, sagt Michael Pfitzer.

Weiteres zum kommunalen Projekt und zur Vernetzung finden Sie in Informationen des Klinikums der Universität München
Zum Video Kein prima Klima in der Stadt

Sieglinde Hankele


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben