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Multiprofessionalität und gute Personalarbeit als Schlüsselfaktoren für die Zukunft der Langzeitpflege

KWA Symposium in München, zum Thema: CareKarriere – Personalentwicklung in der Langzeitpflege, mit: Ministerialdirektorin Ruth Nowak, Prof. Dr. Thomas Klie, Prof. Dr. Ulrike Höhmann, Helmut Wallrafen, Rudolf Kast und Prof. Dr. Michael Isfort.

München, 17. Februar 2017. – Jede sechste Stelle, die neu geschaffen wird, entsteht im Bereich Pflege und Soziales. Dabei ist die Langzeitpflege ein Jobmotor.  KWA Vorstand Dr. Stefan Arend nannte dazu Zahlen: Während im Jahr 1999 rund 441.000 Mitarbeiter in Heimen in der Pflege arbeiteten, waren es im Jahr 2015 bereits 730.000. In der ambulanten Pflege verdoppelte sich die Zahl der Mitarbeiter in diesem Zeitraum sogar: von rund 184.000 auf etwa 356.000. 

KWA Vorstand Dr. Stefan Arend„Um so viele Menschen für die Pflege zu gewinnen und zu begeistern, und diese Zunahme an Mitarbeitern zu bewältigen, waren enorme Anstrengungen nötig“, so Arend. Wie es gelingen kann, den weiterhin steigenden Mitarbeiterbedarf in der Langzeitpflege zu decken, wurde beim KWA Symposium erörtert. Denn: 86 Prozent aller Pflegeeinrichtungen geben an, dass der Fachkräftemangel deutlich zu spüren ist und es immer schwerer fällt, geeignete Pflegefachkräfte zu finden. Gleichzeitig legt die Umfrage „Altenpflege im Fokus“ offen, wie herausfordernd die Situation in der Pflege ist: 78 Prozent der befragten Pflegefachkräfte geben an, regelmäßig das Gefühl zu haben, dem eigenen pflegefachlichen Anspruch nicht gerecht werden zu können.

Ministerialdirektorin Ruth Nowak vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege nannte als Stellschrauben: die Ausbildung, die Berufsausübung und die Imagepflege. In punkto Ausbildung plädierte sie für die umstrittene generalisitische Pflegeausbildung. Die Spezialisierung in der Alten- oder Krankenpflege müsse im Nachhinein erfolgen. Zudem sieht sie die Notwendigkeit, dass die Tarifpartner einen Ausbildungstarifvertrag verhandeln. Im Berufsleben sei dann Berufszufriedenheit eine wichtige Komponente. Dabei seien wichtige Faktoren: das betriebliche Gesundheitsmanagement, die Weiterbildung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Teamgeist und eine gute Arbeitsatmosphäre. 

Ministerialdirektorin Ruth Nowak„Wir als Freistaat können nur in kleinem Umfang flankierend tätig sein“, so die Ministerialdirektorin. Auch in punkto Entlohnung sieht sie die Unternehmen in der Verantwortung: „Wer gute Mitarbeiter will, muss auch bereit sein, gute Löhne zu zahlen.“ Wobei ihr klar sei, dass höhere Gehälter zu höheren Pflegesätzen führen können. Diesbezüglich stehe das Ministerium „als Mitstreiter zur Seite“. Als großes Projekt des Ministeriums in diesem Jahr nannte Nowak die Installation einer Pflegevereinigung in Bayern – eine Interessensvertretung für Pflegekräfte, in Form einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Anwesende Pflegekräfte forderte sie auf, sich daran zu beteiligen.

Der Sozialwissenschaftler Thomas Klie sieht Personalarbeit als Schlüsselfaktor für die Zukunft der Langzeitpflege. Der Arbeitskreis Sozialforschung befasse sich gerade damit. Dieser wurde auf Initiative von AGP Sozialforschung im September 2016 im Demographie Netzwerk (ddn) gegründet. Im ddn vernetzt sind derzeit 350 Unternehmen, die über zwei Millionen Beschäftigte in Deutschland repräsentieren. Klie leitet an der Evangelischen Hochschule Freiburg das Institut AGP Sozialforschung. 

Prof. Dr. Thomas KlieDer Sozialexperte monierte, dass es keine Abgeordneten gebe, die sich überzeugt für Langzeitpflege engagieren. Er erachtet es als wichtig, auch öffentlich gut über Pflege zu reden, denn "Pflegeberufe sind besser als ihr Ruf", so Klie. Menschen, die einen Pflegeberuf gewählt haben, würden ihn größtenteils wieder wählen. Als Schlüsselfaktoren für die Arbeitszufriedenheit nannte Klie: Verlässlichkeit , beispielsweise in Bezug auf Dienstpläne; attraktive, lebensphasengerechte Arbeitszeitmodelle; die Balance zwischen Lebensbereichen; Qualifizierungsoptionen, für Menschen, die wachsen wollen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen; die Übereinstimmung von Wissen, Berufsethik und Praxis; einen kooperativen Führungsstil; die Reduzierung von Bürokratie; Gesundheitsförderung; attraktive Vergütungsbedingungen. 

Allerdings geht es laut Klie nicht nur um gute Bezahlung, sondern auch um den Personalschlüssel. Und um das Hinterfragen von Kontrollen. In Nordrhein-Westfalen gibt es keine Regelkontrollen mehr. Darüber sei nachzudenken. Denn: „Wenn aus Zeitnot aufgrund von Standards oder unnötigen Kontrollen Mitarbeiter ihre Werte im Berufsalltag nicht leben können, steigen sie irgendwann aus.“ Pflege ist nach Ansicht von Klie nicht nach Standard zu leisten, „sondern braucht Menschen, die Pflege gestalten“. Daher sei auch ein neues Berufsgruppenkonzept erforderlich. Klies Überzeugung: „Wir brauchen nicht einen, der meint, er kann alles, sondern Multiprofessionalität“ – also ein Zusammenwirken unterschiedlicher Berufsgruppen.

Insgesamt gesehen seien auch ältere Arbeitnehmer für die Langzeitpflege sehr wichtig, erfahrene Mitarbeiter sowie Quereinsteiger. Was Zuwanderer betrifft, hält der Klie es für denkbar, dass diese über eine ehrenamtliche Tätigkeit einen Zugang zu Pflege finden und danach in eine Pflegeausbildung einsteigen. 

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