Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
KWA Parkstift Hahnhof
Leben - so wie ich es will im KWA Parkstift Hahnhof

Erika Kather: Fränkische Eiskunstlauf-Jugendmeisterin im Jahr 1940

„Eiskunstlauf war meine große Leidenschaft“, sagt Erika Kather. Ihre ersten Runden auf dem Eis drehte sie auf Kufen, die an Stiefel angeschraubt waren. Als sie zehn war, wurde ihr Talent entdeckt. Sie bekam dann zwar richtige Schlittschuhe, doch keinen Trainer. Der Vater wollte das nicht fördern. Trainiert hat das Nürnberger Mädchen im Linde-Stadion.

Mit 14 hat sie sich heimlich zu den Gebietsmeisterschaften angemeldet – und wurde fränkische Eiskunstlauf-Jugendmeisterin. Nach dem Abschluss der Schule im Jahr 1943 ging sie zum Sportstudium nach München, mit Gymnastik und Tanz als Hauptfächern. Als der Krieg dort ankam, wurden die Sportstudenten nach Prag geschickt. Im März 1945 floh Erika. Bei einem Heimaturlaub im Januar hatte sie die Zerstörung des Elternhauses bei einem Luftangriff hautnah miterlebt.

Bereits im Herbst 45 ging sie wieder ins Linde-Stadion und wurde vom Fleck weg für eine Eislaufshow der amerikanischen Besatzer engagiert. „Dafür gab es zwar kein Honorar, jedoch Donuts in großen Mengen, auch zum Mitnehmen. So konnte ich dazu beitragen, dass die Familie satt wurde“, berichtet Erika Kather, die damals noch Fräulein Diener hieß. Mit ihren Sprüngen und Pirouetten, vor allem jedoch durch tänzerische Elemente, die sie als vormalige Ballettschülerin ausdrucksstark darbot, bezauberte sie das Publikum so, dass sie nach Garmisch eingeladen wurde, einen ordentlichen Vertrag und ein gutes Honorar bekam und fortan zusammen mit den Olympiasiegern von 1936, Maxi und Ernst Baier, in einer Show laufen durfte. Acht Stunden wurde täglich trainiert, bei Wind und Wetter – das Stadion hatte kein Dach. Anfangs hatte sie nur kleine Rollen, später auch tragende. Erika war einer der Stars. Sie hat auch in einem Film mitgespielt, unter anderem neben Grete Weiser. Vier Jahre war sie in Garmisch, dann gaben die Amerikaner das Stadion zurück, die Eislauf-Show löste sich auf. Die Filmschauspielerin Lana Turner wollte Erika in die Staaten mitnehmen, doch das war für sie undenkbar.

Stattdessen begann sie nach dem Vorbild der älteren Schwester ein Medizinstudium. Freilich kam es anders als gedacht: Erika verliebte sich, heiratete und ging mit ihrem Mann zunächst nach Köln, dann nach Rio de Janeiro, später nach Göppingen – er wurde Direktor einer namhaften Firma. Sport spielte nur noch eine Nebenrolle: Sie spielten Tennis, gingen Skilaufen. Erika Kather war bereits mit 48 Jahren verwitwet, zog dann nach Baden-Baden. Dort fand sie nach einigen Jahren einen neuen Partner – mit ihm bereiste sie die ganze Welt. Vor sechs Jahren zog das Paar im Hahnhof ein. Inzwischen ist der Mann verstorben.

Die heute 90-Jährige ist immer noch aktiv: malt Aquarelle, besucht Freunde, spielt Bridge. „Turnier-Bridge“, betont sie und zeigt einige Urkunden. „Damit trainiere ich meinen Geist.“ Und den Körper? Seit einem Oberschenkelbruch kann sie keine langen Strecken mehr laufen. Doch sie trainiert, um die Muskeln wieder aufzubauen. Unglaublich beweglich ist sie nach wie vor: Mit gestreckten Armen und Beinen beugt sie sich nach vorne und berührt den Boden mit den Fingern. Mühelos.

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 2/2016
Autorin: Sieglinde Hankele

nach oben

© KWA

nach oben