Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Immer auf dem Laufenden

Franziska Bischoff und Sophia Lachmann gewinnen 10. KWA Schülerliteraturwettbewerb München

Die Jury: Dr. Stefan Arend, Dr. Gabriele König und Dr. Harald Parigger – Wettbewerbsleitung: Gisela Hüttis – Musik zur Preisverleihung: Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn unter der Leitung von Matthias Müller

München/Ottobrunn, 9. März 2018. – Nun schon zum 10. Mal hatte das KWA Stift Brunneck für die Region München einen Schülerliteraturwettbewerb ausgelobt. Schüler von 17 verschiedenen Schulen haben sich dieses Mal beteiligt. Freuen können sich Franziska Bischoff aus München, eine 15 Jahre alte Schülerin des Sophie-Scholl-Gymnasiums München, und Sophia Lachmann aus Ottobrunn, eine 18 Jahre alte Schülerin des Gymnasiums Ottobrunn. Das Engagement der beiden Erstplatzierten wurde jeweils mit 250 Euro honoriert. Alle anderen anwesenden Wettbewerbsteilnehmer bekamen Teilnehmer-Urkunden sowie elektronische Speichersticks als kleine Anerkennung. Durch die Preisverleihung im KWA Georg-Brauchle-Haus führte die Wettbewerbsleiterin, Gisela Hüttis. Sie ist Stiftsdirektorin im KWA Stift Brunneck in Ottobrunn.

Landrat Christoph Göbel schickte Grüße und Glückwünsche

Zum Einstieg verlas Gisela Hüttis ein Grußwort von Landrat Christoph Göbel, das sich auf die bisherigen zehn Wettbewerbe und sämtliche Teilnehmer bezieht. „Wortgewaltig oder mit leisen Tönen haben sich Schülerinnen und Schüler verschiedenster Altersstufen aus den Haupt-und Realschulen sowie Gymnasien des Landkreises München und der Landeshauptstadt den Themen gestellt“, so der Landrat. Er sei stolz darauf, dass so viele junge Menschen ihre Gedanken auf diesem Weg mit der älteren Generation teilen. Denn: „Wir alle kennen die große Macht der Worte: Sie können niederschmettern und aufbauen, sie vermitteln Gefühle, erinnern an Berührungen, an Stimmen, das Kitzeln der Frühlingssonne an der Nasenspitze, das Summen von Bienen auf einer Sommerwiese. Sie lassen uns auch nach Jahren noch die regennassen Herbstblätter in Großmutters Garten riechen und plötzlich wissen wir wieder, wie mit der Zunge aufgefangene Schneeflocken schmecken.“

Der Schülerliteraturwettbewerb verbindet Jung und Alt

Einen Rückblick auf die Themenvielfalt der vergangenen zehn Wettbewerbsjahre bot KWA Vorstand Dr. Stefan Arend. Das ging von „Kukident, Doppelherz und Lifta Treppenlift – Alt sein ist anders“ über „60 Jahre Bundesrepublik – Als Deutschland noch in Trümmern lag“ und „Freundschaften“ sowie „Familienbande“ bis hin zum diesjährigen Thema „... und dein Herz schlägt schneller!“. Durch den Schülerliteraturwettbewerb, aber auch durch Schülerkonzerte, Schulkooperationen oder gemeinsame Philosophiestunden gebe es in allen KWA Einrichtungen immer wieder Gelegenheiten, „dass ältere Menschen erfahren, was junge Menschen bewegt und umtreibt oder wofür sie sich interessieren und engagieren.“ Gleiches gelte in umgekehrter Richtung. So entwickelt sich laut Arend oftmals ein tiefes Verständnis für die Probleme und Sorgen der anderen Generation. 

KWA Vorstand Dr. Stefan Arend lobte die sprachliche Schöpfungskraft

Arends Dank galt zum einen allen bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wettbewerbs. Und er zollte den Nachwuchsautoren Anerkennung. „Uns alle erstaunt immer wieder die sprachliche Schöpfungskraft junger Menschen, die trotz veränderter Lebensgewohnheiten und digitaler Verlockungen keineswegs abgenommen hat“, so Arend. Des Weiteren dankte er den Juroren, allen voran Dr. Harald Parigger, der den Wettbewerb vor zehn Jahren mit aus der Taufe gehoben hat und seitdem begleitet. Auch Gisela Hüttis‘ Engagement sei außerordentlich. Sie investiert viel Zeit und Liebe in dieses generationenverbindende Projekt. Damit ist sie ein Vorbild für andere KWA Einrichtungen: Im KWA Albstift Aalen und erstmals auch im KWA Parkstift Hahnhof in Baden-Baden gibt es inzwischen ebenfalls Schreibwettbewerbe. 

Jurorin Dr. Gabriele König über die Geschichte von Franziska Bischoff: unprätentiös und lebensnah erzählt, zu einem ungewöhnlichen Thema, mit Aha-Effekt am Schluss

Der Atem habe ihr gestockt angesichts des vorgegebenen Themas „... und dein Herz schlägt schneller!“, verriet Jurorin Dr. Gabriele König. Sie habe unerfüllte Liebesgeschichten erwartet, sei jedoch positiv überrascht worden. Der Text, für den die Jury sich in der Altersgruppe der Jüngeren entschieden hat, ist das vorläufige Ende einer Geschichte. „Tanz des Möglichen“ beschreibt die Augenblicke vor dem Start der ersten Ballettvorführung eines Mädchens. „Und trotzdem ist am Ende noch nicht alles gesagt“, so König. Was die Jury an diesem Text angesprochen und überzeugt hat? Die Autorin erzählt die Geschichte ihrer Protagonistin unprätentiös, dicht und lebensnah. 

Dass sich junge Mädchen, die gerne zum Ballett möchten, sich ihr Leben als Primaballerina vorstellen, sei zunächst wenig originell. Doch die Hindernisse, die diese junge Frau für die Verwirklichung ihres Lebenstraumes überwinden muss, sind besonderer Art. Dass sie im Rollstuhl sitzt, erfährt der Leser erst im letzten Satz. Trotzdem oder vielmehr gerade durch die wahrnehmbaren, aber uneindeutigen „Zwischentöne“ sei es der Autorin gelungen, Bilder im Kopf zu erzeugen. „Man sieht förmlich die anderen Mädchen tuscheln, als sie zum ersten Mal zum Balletttraining kommt“, so die Jurorin. Man könne gut nachempfinden, wie unangenehm sich das für sie anfühlen muss, ohne konkret das Problem zu kennen. Wenn das Geheimnis am Ende gelüftet wird, komme der Aha-Effekt. Die Jurorin gratulierte Franziska Bischoff „zu diesem Text und ihrer großen Fähigkeit, sich mit dem Thema Körperbehinderung auseinanderzusetzen ohne jeden Anflug, Mitleid zu erheischen“.

Juror Dr. Harald Parigger über den Beitrag von Sophia Lachmann: ein Einstieg mit Knalleffekt, ironischer Umgang mit einem ernsten Thema, eine großartige Geschichte 

„Um grundlegende Dinge vorweg zu nehmen: Ich bin tot.“ – So lautet der erste Satz der Geschichte von Sophia Lachmann. „Es gibt wissenschaftliche Abhandlungen über wirkungsvolle Romananfänge; hätten die Autoren diesen hier schon gekannt, sie hätten ihn garantiert dazugezählt“, so die Einschätzung des Laudatoren Dr. Harald Parigger. Und warum? Zum einen beginnt die Geschichte mit einem Knalleffekt. Ein Toter will etwas erzählen. In der Ich-Form. Wie soll das gehen? „So etwas kennt man doch eigentlich nur aus den Seancen hysterischer Pastorengattinnen im viktorianischen England, oder?“, schwärmte Parigger. Zum anderen signalisiere dieser erste Satz, dass es vielleicht nicht ganz ernst zugehe in der Geschichte. Der Tod, die ernsteste Sache der Welt, werde ironisch gebrochen, dadurch, dass lapidar verkündet wird: „Übrigens, ich bin tot.“ Ein Toter redet – ein Paradoxon.

Das sei ohne Zweifel ein sehr verheißungsvoller Anfang. Und er entwickele sich zu einer fesselnden Erzählung mit überraschendem Schluss. Worum es geht? Ein junger Mann, „ein ziemlicher Tunichtgut“, der sein Leben gedankenlos vertrödelt und mit zweifelhaften Vergnügungen zubringt, fährt betrunken und zugekifft Auto – und verunglückt tödlich. „Alsbald sieht man ihn über Wolken spazieren und sich zu Tode – nein, das geht ja nicht mehr – sich unglaublich zu langweilen.“ Um sich zu zerstreuen, denkt er daran zurück, wie ihm, dem offenbar Hirntoten, das Herz entnommen wurde. An dieser Stelle geschieht so etwas wie eine Wende. Plötzlich weichen die Wolken, geben das Bild auf ein fröhliches kleines Mädchen frei. Er spürt die Verbindung zu dem Mädchen, in dem sein Herz jetzt kräftig schlägt. Die Bewertung von Parigger: „Das alles ist so wunderbar lebendig geschrieben, so voller (Selbst-)Ironie und gleichzeitig voller Wärme, mal distanziert, mal mitfühlend, mit überraschenden Wendungen, sodass man von Anfang bis Ende wirklich gefesselt bleibt. – Vielleicht haben alle Dinge ihren Sinn, schreibt die Autorin. Ja, das haben sie, und davon zeugt auch diese großartige Geschichte.“ – Die Laudatio von Dr. Harald Parigger wurde – in Stellvertretung von Gisela Hüttis vorgelesen.

Das Vokalensemble des Gymnasiums Ottobrunn bot Chormusik

Treue Fans der Preisverleihung kennen den Chor bereits: zwar mit wechselnden Schülern, doch nach wie vor mit schönen Stimmen und unter der bewährten Leitung von Matthias Müller. Die bunte Mischung der vorgetragenen Stücke sprach Jung und Alt an: „Heal the World“ von Michael Jackson, „Over the Rainbow“ von Harold Arlem, „Sing“ von Pentatonix, „Von guten Mächten“ mit dem bekannten Text von Dietrich Bonhoeffer sowie als Zugabe „Can’t Help Falling in Love“, so gefühlvoll dargeboten wie einst von Elvis Presley.

Sieglinde Hankele

Die prämierten Texte zum Thema „... und dein Herz schlägt schneller!“ zum Nachlesen:
Tanz des Möglichen von Franziska Bischoff
Ohne Titel von Sophia Lachmann


Von links: Dr. Stefan Arend (KWA Vorstand), Gisela Hüttis (KWA Stiftsdirektorin), Franziska Bischoff (Preisträgerin), Sophia Lachmann (Preisträgerin), Dr. Gabriele König (Jurorin).


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben