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Das Tegernseer Tal und seine Bewohner: Mit See und Bergen verbunden, mit Traditionen verwachsen, und dennoch weltoffen

Sowohl der König als auch Adelige kamen gerne ins Tegernseer Tal - später dann auch Künstler und Literaten - heute Naturliebhaber und Freizeitsportler

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts hat der Gerichtsarzt Dr. Alois Rosner in einem Physikatsbericht den Menschenschlag im Tegernseer Tal als bäuerlich, traditionsverbunden und zugleich weltoffen beschrieben. Diese Besonderheit lässt sich anhand einiger geschichtlicher Fakten gut erklären: Vor circa 200 Jahren wurde das Kloster Tegernsee Sommerschloss des Königs von Bayern und so kamen viele Fremde ins Tal. Zunächst siedelten sich Adelige, hohe Beamte und begütertes Bürgertum an, später bildende Künstler und Schriftsteller wie zum Beispiel Olaf Gulbransson und Ludwig Thoma.

Die Familie Mann aus Lübeck besuchte den Tegernsee regelmäßig während der Sommermonate. In Kreuth gab es eine sogenannte „Bremer Kolonie“, die dort Kuraufenthalte genoss. Die landwirtschaftlich geprägten Unternehmen veränderten ihre Angebote. So wurde die Zimmervermietung ein wichtiges Nebengewerbe, Gastronomiebetriebe entstanden ebenso wie Sanatorien. Handwerksbetriebe erleben seit dieser Zeit einen Aufwärtstrend.

Heute gibt es Aufträge für alle Gewerbetreibenden. Früher profitierten die Lohnkutscher, heute sind es die Taxiunternehmen. Im Tegernseer Tal leben Einheimische, Handwerker und Landwirte mit ganz besonders prominenten „zuagroasten“ Menschen zusammen. Hier erlebt der Einheimische wie der Gast eine besondere Verbindung zwischen Tradition und hervorragender Infrastruktur. Die Region steht, als Kehrseite der Medaille, in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Zuzug, Tourismus, Profit und Bewahrung der eigenen Identität sowie der Natur.

Die Köche im Tegernseer Tal und ihre Gäste schätzen heimischen Fisch und heimisches Wild

Wie der Menschenschlag ist auch die regionale Küche weltoffen und zugleich der Heimat verbunden. Das Tegernseer Bier wird seit dem 16. Jahrhundert regional gebraut und kann dennoch mit internationalem Ruf aufwarten. Der See bietet eine große Auswahl an Fischarten. Besonders beliebt sind die Renke und der Saibling. Die Fischerei Tegernsee mit ihren Berufsfischern und die Fischzucht in Kreuth sind im gesamten südbayerischen Raum bekannt.

Die Naturkäserei, als Vorzeigebetrieb und moderne Genossenschaft, zieht jedes Jahr Tausende Besucher von nah und fern an. International hat die Gastronomie des Tegernseer Tals eine hohe Bedeutung. Hier kocht der höchstdekorierte Koch der Bundesrepublik, Christian Jürgens. Wer die Sterne sucht, wird auch in anderen Lokalen fündig. Wer es lieber bayerisch gemütlich mag, der trinkt in Siebenhütten ein Glas „Milli“ oder freut sich auf der Aibl-Alm über die urbayerische unverschnörkselte Wildküche. Das Wild stammt natürlich aus den Rottacher und Kreuther Bergen.

Waldfeste, Almen und Berghütten inmitten der Natur locken Einheimische und Fremde

Gemütlich Zusammensitzen und Tradition werden im Tegernseer Tal großgeschrieben. Im Bräustüberl treffen sich Jung und Alt, ganz unterschiedliche Menschen, freuen sich über ein süffiges Bier, eine gute Brotzeit und anregende Gespräche. Bei den traditionellen Waldfesten, auf den Berghütten und Almen vermischen sich die einheimische Bevölkerung mit weit angereisten Gästen. Bereits im 19. Jahrhundert werden die ersten Bergführer erwähnt, die mit Mulis die Damen auf die Almen bringen. In seinem Reiseführer „Tegernsee und seine Umgebung“, herausgegeben 1838, beschreibt Josef von Hefner die Szenerie. 

Die einstige Bedeutung von Pferden in der Region wird bei Leonhardifahrt und Roßtag sichtbar

Auch die Leonhardifahrt in Kreuth – eine Prozession zu Pferde – ist wohl mehrere Jahrhunderte alt. Die Seefeste gehen zurück auf große Feste, die der König in den 1820er Jahren veranstaltet hat. Damals schon freuten sich die Menschen über Bergfeuer und beleuchtete Gondeln. In den 1950er Jahren wurde in Rottach-Egern der Roßtag ins Leben gerufen, um den Pferden, die nicht mehr in der Landwirtschaft benötigt wurden, ein Denkmal zu setzen. Der Ehrentag wird noch heute jährlich im August mit einem großen Umzug begangen. Übers ganze Jahr können in Rottach-Egern alte Pferdewagen und Kutschen in einem eigenen Museum bewundert werden. Zu einem Ferienaufenthalt im Tegernseer Tal gehört für viele eine Kutschfahrt, zum Beispiel zur Weißachalm.

Volksmusik und Klassikkonzerte sowie alte Trachten und moderne Kunst ergänzen einander

Auch Musik und Kunst werden im Tegernseer Tal seit langem großgeschrieben. So erfreut seit vielen Jahren das Musikfest Wildbad Kreuth mit international anerkannten Künstlern Liebhaber der klassischen Musik. Im Olaf Gulbransson Museum in Tegernsee sind seit 1966 Karikaturen und aktuelle Kunst zu bewundern. Nicht zu vergessen die regional typische Kleidung und die Volksmusik. Beides prägt das Tal seit langem und ist heute mehr denn je alltagstauglich. Bereits im 19. Jahrhundert gab es in Berlin Kaufhäuser, in denen sich der Sommerfrischler vor der Reise mit Tracht einkleiden konnte. Der Fremdenverkehr trägt so seit jeher zur Pflege der Tradition bei. 

Das Theaterstück „Der Brandner Kaspar“ spielt übrigens im Tegernseer Tal. Und weil‘s im bayerischen Himmel genauso ausschaut wie im Tal beschließt der Brandner Kaspar am Ende des Stücks im Himmel zu bleiben.

Lisa Brandl-Thür

Der Heimatforscher Dr. Roland Götz, 1963 in Tegernsee geboren und dort aufgewachsen, engagiert sich seit vielen Jahren unter anderem im Heimatmuseum Tegernseer Tal. Er gab wertvolle Hinweise und Erklärungen zur Historie der Region. Herzlichen Dank!

www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail/geschichte


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