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Weltkulturerbe aus der Jungsteinzeit: im Bodensee

In unmittelbarer Nähe des KWA Parkstifts Rosenau in Konstanz wurde bereits vor knapp 6000 Jahren ein Dorf errichtet. Die Siedlung ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Pfahlbauten rund um die Alpen“ und wird seit einigen Jahren von Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg untersucht.

Die Menschen in der Jungsteinzeit rammten an flachen Uferbereichen des Bodensees Pfähle in den weichen Seegrund und bauten darauf Häuser, die mit etwa vier mal sieben Metern nach heutigen Maßstäben eher klein waren. Unterwasserarchäologen sind insbesondere damit beschäftigt, die noch im Sediment befindlichen unteren Pfahlreste der Häuser zu kartieren und zu bergen. Im Frühjahr, wenn der Bodensee wegen des kalten Wassers eine besonders klare Sicht hat, ziehen die Taucher ihre Neoprenanzüge an und sind täglich etwa drei Stunden unter Wasser.

Das Parkstift Rosenau hat für die Untersuchungen einen warmen Raum zum Umziehen und zum Trocknen der Anzüge zur Verfügung gestellt, wofür alle Beteiligten sehr dankbar waren. Die Hölzer und die wenigen Funde werden von den Tauchern unter Wasser satellitengestützt eingemessen, mit einer Archivnummer versehen, abgeschnitten und dann für die Untersuchungen an Land geborgen. In den Labors des Landesamtes für Denkmalpflege in Hemmenhofen am Bodensee werden die Hölzer datiert und ihre Baumart wird bestimmt. Mit Hilfe der Jahresringzählung (Dendrochronologie) kann das Alter der Hölzer jahrgenau gefunden werden. So ist das „älteste Haus von Konstanz“ im Jahr 3910 v. Chr. gebaut worden, wofür Eschen als Bauholz bevorzugt wurden.

Die Errichtung des Dorfes steht möglicherweise mit der verkehrsgeografisch wichtigen Lage am sogenannten Konstanzer Trichter in Zusammenhang. Denn bereits im Jungneolithikum war ein Fernhandelsnetz von beachtlichen Dimensionen etabliert: In den Pfahlbausiedlungen des Bodensees wurden bereits Steinbeile aus den Vogesen, Kornelkirschen aus den Südalpen und Feuersteingeräte aus dem Pariser Becken gefunden! Doch die wertvollen Zeugnisse dieser frühen Bauern sind von zunehmender Erosion und durch Baumaßnahmen bedroht. So sind auch in der Siedlung Konstanz-Hinterhausen schon Bereiche des Pfahlfeldes durch Abspülen verloren gegangen, und die andernorts noch vorhandenen Schichten aus Siedlungsabfall sind verschwunden. 

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 2/2016
Autoren: Tilman Baum und Oliver Nelle


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