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Dialog im Stift feiert Jubiläum

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 21. April 2015, ging der erste Dialog über die Bühne. Eingeladen hatten Stiftsdirektorin Monika Belowski und Journalist Siegfried Knauer-Runge.

Berlin, 26. April 2016. – Thema damals war die Eurokrise und der drohende Austritt Griechenlands aus dem gemeinsamen Währungsraum. Im Laufe des Jahres traten die unterschiedlichsten Gäste in der monatlichen Veranstaltung auf, so Berlins Ex-Regierender Walter Momper, die Bundes-Drogenbeauftragte Marlene Mortler, ein Vertreter der Ärzte ohne Grenzen und ein Team von Frauenfußballerinnen. Auch Tierschutz, Ernährung und die Flüchtlingsfrage waren Themen.

Zum Jahreswechsel veränderte sich Moderator Knauer-Runge beruflich und übergab die Leitung des „Dialogs im Stift“ an den Journalisten Reinhard von Struve. An der Zielsetzung, interessante Berliner Persönlichkeiten vorzustellen und aktuelle Fragen aufzugreifen, hat sich nichts geändert. Direktorin Belowski ist stolz darauf, dass sich ihre Idee bewährt hat und auf reges Interesse nicht nur bei Bewohnern, sondern auch außerhalb des Stiftes stößt: „Der Dialog ist zu einer festen Tradition in unserem Hause geworden und bereichert das Veranstaltungsangebot im KWA Stift im Hohenzollernpark." Und aus manchem Dialog wird eine gemeinsame Initiative: So sammelten Bewohner für Flüchtlinge, planen einen Besuch des Präventionstheaters der Polizei, denken über eine eigene Theatergruppe nach.

So ein Theater! Das Projekt „aufBruch" schlägt eine Brücke von außen ins Gefängnis

Nach einem Rückblick der Stiftsdirektorin auf das erfolgreiche erste Jahr und einem Sektempfang begrüßte Moderator Reinhard von Struve den aktuellen Gast, die Produktionsleiterin des freien Gefängnistheaters „aufBruch“, Sibylle Arndt. Sie stimmte das Publikum mit einem Bericht des ZDF-Kulturmagazins Aspekte auf ihre Arbeit ein: Seit 18 Jahren geht das „aufBruch"-Team in Berliner Haftanstalten, veranstaltet dort Workshops, inszeniert mit Insassen Theaterstücke und führt sie öffentlich auf.

Der Anspruch könnte höher kaum sein: Die Männer, meist aus Einwandererfamilien, werden acht Wochen lang im Sprechen, Singen, Tanzen und in Bewegung auf der Bühne ausgebildet. „AufBruch“ stellt die Profis zur Verfügung: Regisseur, Dramaturg, Kostüm- und Bühnenbildner sowie Choreographen. Die Gefangenen beschäftigen sich nach ihrer normalen Arbeit in der Haft täglich stundenlang mit Texten von Heiner Müller, Heinrich von Kleist, Homer oder Jean-Paul Sartre und reichern sie mit eigenen Lebenserfahrungen an. Durch diese biographischen Hinzufügungen beginnt manches Jahrhunderte alte Theaterstück plötzlich zu leben, wie Sibylle Arndt erzählt. Als Beispiele nennt sie den Vater-Sohn-Konflikt in der Odyssee oder das Rachemotiv in Michael Kohlhaas.

Nicht jeder der interessierten Häftlinge hält durch

Was die Insassen, unter denen auch Schwerverbrecher sind, getan haben, erfahren die Theatermacher nicht. Sie finden das auch gut so, betont Sibylle Arndt: „So können wir sie als Menschen mit ihrem Potential sehen und verurteilen sie nicht noch einmal." Angst haben die Theatermacher zwar nicht vor den Häftlingen, aber es gehört zu ihrer professionellen Einstellung, dass sie immer zu zweit sind, Disziplin und Spannung hoch halten. Schon nach ein paar Tagen hat sich unter den zunächst 50 bis 70 Interessierten die Spreu vom Weizen getrennt. Wie Sibylle Arndt berichtet, flüchten einige zu leichteren Freizeitangeboten in der Haft, können sich nicht länger konzentrieren oder in das Team einordnen.

Gefängnistheater als Lebensaufgabe

Aber denen, die weitermachen, winkt am Ende eine nach Arndts Worten einzigartige Erfahrung: „Statt wie sonst in ihrem Leben zu scheitern, bringen sie eine große Aufgabe zu Ende. Sie bekommen zum ersten Mal Respekt für etwas Nicht-Kriminelles. Sie fühlen sich endlich einmal nicht abgestempelt, sondern tragen Verantwortung, drücken sich aus. Sie leben!" Damit gelingt es dem Gefängnistheater, eine Brücke zu schlagen von draußen nach drinnen. Für diese Idee zu werben, darin sieht die begeisterte Managerin des Projektes Sibylle Arndt ihre „Lebensaufgabe“. Wie eine Besucherin berichtet, gab es Theater mit Häftlingen zwar auch schon in den 50er Jahren, etwa im Frauenzuchthaus Hoheneck in Sachsen, jedoch nie mit einer Öffnung für Publikum von „draußen“ als wesentlichem Teil der Resozialisierung.


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