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„Klangzeit“ mit Rasseln und Trommeln

Klang- und Rhythmustrainer Peter Springer über ein musikalisches Angebot mit therapeutischem Ansatz im KWA Georg-Brauchle-Haus.

„Gemeinsames Musizieren ist leicht, tut gut, entspannt und macht Freude“, so die einhellige Meinung der Bewohnerinnen und Bewohner in der ambulanten und stationären Tagesbetreuung des KWA Georg-Brauchle-Hauses. Viele kommen regelmäßig zur „Klangzeit“ – einem Angebot unter meiner Leitung. Ich arbeite seit Jahren als Klang- und Rhythmustrainer. Bei der Klangzeit kann jeder – ohne
musikalische Vorkenntnisse und vorheriges Üben – gleich aktiv in der Gruppe mitspielen, auch wenn
körperliche oder kognitive Einschränkungen bestehen. Die Instrumente, mit denen dies möglich ist, sind Klangschalen und Xylophone sowie Klangröhren, Schellenringe, Triangeln, Rasseln und Trommeln. Die bunten Klangröhren in verschiedenen Rhythmen aneinanderzuschlagen, macht richtig Spaß. Gelegentlich haben neue Teilnehmer anfangs eine gewisse Scheu, die jedoch schnell abgelegt ist. Wenn sie ein Instrument in die Hand nehmen und erleben, wie einfach es ist, wohltuende Klänge und Rhythmen zu erzeugen, ist die Begeisterung groß. Einfach nur dabei sein und zuhören geht natürlich auch.

Die genannten Instrumente sind hervorragende Medien, um Menschen mit demenziellen Veränderungen in der Gruppe mit gezielter Unterstützung zu aktivieren, denn sie stellen nur wenige Anforderungen an kognitive und motorische Fähigkeiten. So sind Menschen trotz kognitiver Einschränkungen durchaus in der Lage, sich rhythmisch lustvoll auszudrücken, da das Taktgefühl durch die Krankheit nicht beeinträchtigt ist. Dabei zeigen sich oftmals ein erstaunliches Improvisationsvermögen und längst verloren geglaubte Potenziale. Gerade für Menschen mit Beeinträchtigungen im alltäglichen Leben ist es von besonderer Bedeutung, sich beim Musizieren als wichtiger Teil in einer Gruppe zu erleben.

Neben den Klangzeiten findet mindestens einmal im Monat für die Bewohnerinnen und Bewohner des
Wohnstifts ein beschwingter Klangabend mit einer Vielzahl exotischer Instrumente statt. Darüber hinaus werden mit der „Klangzeit für Einzelpersonen“ – beispielsweise für Schlaganfallpatienten – seit über zwei Jahren gute Erfahrungen gemacht. Bei diesem Angebot gehe ich gezielt auf die individuellen mentalen und motorischen Bedürfnisse ein, um Entspannung, Kreativität und Lebensfreude zu generieren beziehungsweise möglichst lange zu erhalten. Wegzudenken ist die Klangzeit aus dem Georg-Brauchle-Haus inzwischen nicht mehr. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fragen vielmehr nach jeder Therapiestunde: „Wann machen wir wieder Musik?“

Sogar in der Palliativversorgung findet das meditative Spiel mit Klangschalen und Windspielen inzwischen einen geeigneten Platz in der Begleitung Sterbender. Es ist hilfreich auf dem Weg des Loslassens und für ein sanftes Abschiednehmen von Angehörigen und pflegenden Personen.

Autor: Peter Springer | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 01/2016

 

 


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