Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Immer auf dem Laufenden

Auch Hundertjährige finden ihr Leben lebenswert

Ansprache von KWA Vorstand Dr. Stefan Arend beim Festakt zu 30 Jahre KWA Stift am Parksee

Unterhaching, 16. Mai 2014. 

„Was für ein schöner Tag“, mit diesen Worten überbrachte KWA Vorstand Dr. Stefan Arend die Glückwünsche „der ganzen KWA-Familie“ zum 30. Geburtstag und bedankte sich für die Umsetzung der Visionen vor 30 Jahren in Unterhaching bei den „Pionieren von KWA“, allen voran beim anwesenden „Herrn Direktor Beckmann“.

Auch wenn sich in 30 Jahren in der Branche einiges getan habe, möchte KWA bis heute den unterschiedlichen Bedarfen und Bedürfnissen einer älter werdenden Gesellschaft mit einem differenzierten Angebot gerecht werden, betonte Arend. „Leben so wie ich es will“, sei das KWA Motto und das spiegle sich im KWA Stift am Parksee in exzellenter Weise wider. Die ganze Bandbreite von selbstständigem, barrierefreiem Wohnen, über hauswirtschaftliche Dienste, über Hilfestellungen durch den ambulanten Dienst bis hin zur Pflege bei Schwerstpflegebedürftigkeit werde sichergestellt, „hier im Haus mit einem einzigartigen gerontopsychiatrischen Schwerpunkt“, abgerundet von gastronomischen Angeboten, Restaurant, Café und vielen kulturellen Angeboten, und auch Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen – verbunden mit nachhaltig konstruierten Sorgestrukturen. Das Konzept sei modern wie nie zuvor. In Zeiten, in denen eher über Standardisierungen und Rationierungen von Gesundheits- und Pflegeleistungen nachgedacht werde, denn über Differenzierung, sei das Haus eine hochmoderne Einrichtung.

Zur Pflege gehört neben Professionalität auch ein großes Herz

Arend bedankte sich bei den Bewohnern des Wohn- und Pflegestifts für die Identifikation mit dem Haus, beim Stiftsbeirat für das außergewöhnliche Engagement. Franke-Lechner, ihren Mitarbeitern, „allen guten Geistern“ dankte er für ihr Engagement zum Wohl der Bewohner, zu dem „neben aller Professionalität auch ein großes Herz“ gehöre. Auch dem Betriebsrat, der im Parkstift ja mit der Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats Peggy Schade vertreten ist, dankte der Vorstand ausdrücklich. Arends Dank richtete sich zudem an die Gemeinde Unterhaching, an Nachbarn und Bürger des Ortes, an den Landkreis München, und an alle Vertreter des öffentlichen Lebens, die das Haus unterstützen.

Was uns auch nach 30 Jahren KWA Stift am Parksee noch immer ein großes Anliegen ist: Alter und Altern darf nicht ausschließlich – wie es sehr häufig geschieht, wenn über den demografischen Wandel berichtet wird – als eine Belastung für die Gesellschaft gesehen werden. Einen einseitig defizitorientierten Blick auf das Alter darf es nicht geben. Ebenso wenig darf Alter allein auf Pflegebedürftigkeit reduziert werden, was leider immer wieder geschieht.

Alternde Gesellschaft – eine Bedrohung? 

Andreas Kruse, der große Gerontologe aus Heidelberg, hat unter diesem Titel 2013 eine bemerkenswerte Schrift vorgelegt: Einen Gegenentwurf – so hat er seine Gedanken recht treffend genannt, die Aufgaben und Aufgabenstellungen für jede Generation beinhalten.

Erstaunlicherweise hat es auf diese Gedanken keinen großen Widerhall in der Öffentlichkeit oder in der Fachwelt gegeben – völlig zu Unrecht, wie ich finde, denn es werden wichtige Impulse für den öffentlichen Diskurs und auch für unsere Arbeit bei KWA geliefert. Manches mag banal klingen, manches neu, manches hat man schon einmal gehört, wichtig erscheint es aber, dass man bestimmte Argumente und Erkenntnisse immer wieder wiederholt.

Was sollten wir also bedenken?

Das Lebensalter allein sagt nichts, aber auch gar nichts über Leistungsfähigkeit aus, weder über Quantität oder Qualität. Gestaltungsfähigkeit und Gestaltungswille des  Individuums enden nicht mit einem bestimmten Lebensalter.

Und: Verletzlichkeit ist nicht gleichzusetzen mit Multimorbidität und Pflegebedürftigkeit!Wir wissen, dass Menschen im Falle deutlich erhöhter Verletzlichkeit trotzdem bemerkenswerte Potenziale aufweisen, sich eine akzeptierende und sogar positive Lebensperspektive zu bewahren.

Pflege ist nur ein Aspekt des Alters und des Alterns

Der Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen auf nunmehr 2,5 Millionen Menschen ist einzig und allein demografisch begründet. Die Wahrscheinlichkeit dafür, in einem bestimmten Alter pflegebedürftig zu werden, ist in den letzten 12 Jahren nicht gestiegen. 

Professionelle Pflege kann auf dem Weg in eine alternde Gesellschaft nur eine Komponente sein, Menschen ein würdiges Alter und Altern zu ermöglichen.  – Thomas Klie beschreibt den Wunsch nach einer sorgenden Gesellschaft, einer Caring Community.

Alter trägt (Mit)Verantwortung – Mitverantwortliches Leben!

Der Zugang zum öffentlichen Raum und das Mitgestalten des öffentlichen Raums für alle Menschen – auch für den alten Menschen – ist unerlässlich und von allen sicherzustellen. Altersgrenzen in der üblichen Form passen nicht mehr in eine alternde Gesellschaft, vor allem wenn sie diskriminierend wirken oder sind.

Die zunehmende Anzahl älterer, auch sehr alter Menschen ist nicht nur mit wachsenden Anforderungen an die sozialen Sicherungssysteme verbunden, sondern, nach Kruse, auch mit einem wachsenden Humanvermögen unserer Gesellschaft. Dabei darf keine Generation sich als die nur lehrende oder lernende begreifen. Generativität meint in diesem Zusammenhang, sich als ein Teil einer Generationsfolge zu verstehen und sensibel für die Rechte und Bedürfnisse nachfolgender Generationen zu sein.

Sind das alles nur fromme Wünsche? Nein! – Die „Heidelberger Hundertjährigen-Studie“ hat sich intensiv mit den Hochbetagtesten unserer Gesellschaft beschäftigt und zum Teil bemerkenswerte Erkenntnisse zutage gefördert. Von den Hundertjährigen können wir vieles lernen.

Auch Hundertjährige haben Ziele und eine positive Zukunftsperspektive

Alle Hundertjährigen haben Gesundheitsprobleme. Kein Hundertjähriger war ohne gesundheitliche Beschwerden. Aber:

Eine erstaunlich große Anzahl der Hundertjährigen ist mit dem Leben zufrieden 
und findet ihr Leben lebenswert. Die Lebenszufriedenheit verschlechtert sich nicht im sehr hohen Alter. Trotz umfassender Verluste in zentralen Lebens- und Funktionsbereichen gelingt es den Hundertjährigen, ein hohes Niveau an positiver Lebensqualität zu empfinden.

Auch Hundertjährige haben Ziele und eine positive Zukunftsperspektive. Sie berichten überwiegend von Zielen, die auf die Annäherung und nicht auf die Vermeidung eines Zustandes abzielen, und weisen damit eine ähnliche Zielmotivation wie junge Menschen auf.


 

 

 


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben