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Talk in der Rosenau mit dem Historiker und Stadtführer Daniel Groß

Anekdötchen und anderes Interessante über die Arbeit eines Konstanz-Kenners, der seinen Beruf aus Überzeugung und mit Leidenschaft ausübt.

Konstanz, im Dezember 2018. – Moderator Stephan Schmutz eröffnet den Talk in der Rosenau mit dem Historiker und Konstanzer Stadtführer Daniel Groß in gewohnt persönlicher Ansprache: „Ich glaube, des isch net  falsch, wenn ich Dich heut‘ unseren Talk-Gäscht‘ im Saal erst mal als Konschtanzer Stadtführer vorstelle und dann den Historiker mit abgeschlossenem Magister der Geschichte nachschiebe.“

Neben der Betreuung vieler Gäste der Stadt ist Daniel Groß auch engagierter Heimatforscher, der nach eigener Aussage viel Zeit in Archiven und Museen der Region verbringt, zudem über seine wissenschaftliche Arbeit schreibt. "Aber wenn ich ganz ehrlich bin, rede ich viel lieber über das, was ich weiß, als mit den Fingern eine PC-Tastatur zu bearbeiten", gesteht der Talkgast.

Schmutz und Groß kennen sich seit vielen Jahren. Darum duzen sie sich auch, so wie sich das für waschechte Konstanzer schickt. Aus dem Mann aus dem Konstanzer Paradies ist ein "Radio-Mann" und schließlich ein Talk-Moderator geworden, der andere kommt aus Wollmatingen, hat seine Bestimmung unter anderem in der Führung von Besuchergruppen gefunden und ist konsequenter Weise Stadtführer geworden.

Wie es dazu kam, dass aus dem Historiker ein Stadtführer wurde

Wie es dazu gekommen ist, möchte der Moderator wissen. „Weil Eignung und Neigung gepasst haben", so der Gast. Schon in der Schule hat er öfter samstags auf dem Wochenmarkt ausgeholfen und als er sechzehn wurde, gelegentlich Bier gezapft - den Kontakt mit Menschen also immer gesucht. Später hat er sogar sein Studium unterbrochen und ein Jahr lang bei Markus Müller im Konstanzer Stephanskeller gearbeitet und sich hier den „richtigen Schliff geholt“. Dabei hat er gelernt, wie man "Atmosphäre zwischen Gast und Kellner" schafft. Davon profitiert er bis heute.

Auch der Zufall habe seine Hände im Spiel gehabt. 1992 ist das Archäologische Landesmuseum in Konstanz eröffnet worden. Im Rahmen der Einführungsvorlesungen in die Archäologie habe seine Dozentin, Judith Öchsle, in Zusammenarbeit mit dem Museum Kurse für Studenten aus der Taufe gehoben: unter anderem mit dem Ziel, Themen für sog. „Brückenführungen““ aufzubereiten. Man wollte den Besuchern der Stadt Führungen über die Seerheinbrücke anbieten, die den "Anschauungsraum Museum" mit der Realität einer alten Stadt verbinden.

1996 hat Daniel Groß sein Studium an der Universität Konstanz abgeschlossen. Seine Begeisterung für Geschichte sei geblieben. Bei den vielen Führungen, die er im Rahmen des Museumsprojektes organisiert und betreut hatte, sei ihm außerdem klar geworden, dass für ihn - ähnlich wie für Schauspieler die Theaterbühne - ausgewählter Plätze und Gässle in der Konstanzer Altstadt die richtige Bühne für das sind, worüber er am liebsten spricht. Orte, die teils noch den Charme oder Geruch des Spätmittelalters verströmen und eine ganz besondere Atmosphäre vermitteln. „Das funktioniert aber nur, wenn man Menschen wirklich mag", sagt der Stadtführer. "Ich habe meinen Job genau dann gut gemacht, wenn meine Gruppen sich lachend verabschieden, ein Erlebnis mit nach Hause nehmen und dabei noch nicht einmal bemerken, dass sie nebenbei auch etwas gelernt haben!“

Der Kommunikationsprofi Groß berichtet weiter: „Weil jede Gruppe anders ist und nicht nur andere Gesichter, andere Sprachen und unterschiedliche Erwartungen mitbringt, gehe ich individuell darauf ein. Statt Routine-Texte abzuspulen, entstehen so Unikate." Dann plaudert der Talkgast - ermuntert vom Moderator - über  einige seiner Lieblingsausgangspunkte für seine Führungen.

Besondere Orte in Konstanz: der Hafen, die Konradigasse und die Zollernstraße

Da ist der - dem historischen Konzilgebäude - vorgelagerte Hafen mit seinem einzigartigen Seepanorama bis zu den Schweizer und österreichischen Alpengipfeln, der Blick auf Boote und  Schiffe und die alles überragende, sehr ästhetische Statue der Imperia, jener Kurtisane, die auf einem sich drehenden Sockel vor der  Hafeneinfahrt  sehr leise, sehr sexy und unübersehbar an die Freudenmädchen der Konzilzeit erinnert und mit der sich ihr prominenter Schöpfer, der Bildhauer und verschmitzte Spötter Peter Lenk über die Doppelmoral von Staat und Kirche lustig macht und dem altehrwürdigen Konstanzer Münster den Rang als beliebtestes Fotomotiv streitig macht.

Dann im Gewirr der Altstadtgässchen die Konradigasse, weil  hier "ein original erhaltener Zug spätmittelalterlicher Häuser die Jahrhunderte überdauert hat!“

Auch die Zollernstraße wählt der Stadtführer gern als Ausgangspunkt für eine Führung. „Weil man hier viel erzählen kann vom Leben in der Stadt. Vom "Hohen Haus" hinab bis zum See fällt die Straße leicht ab. Aufschüttungsgelände, das dem See im 12. Jahrhundert abgerungen wurde und wo unter den noch erhaltenen Arkaden Handwerker und Kleingewerbetreibende ihren Geschäften nachgingen. Die Arkaden verleihen der Straße einen ganz besonderen Charme. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich hier so etwas wie eine Flaniermeile entwickelt, für Menschen, die hochwertigen Schmuck oder Mode erwerben möchten. Kleine Straßencafés haben sich dazwischen gemogelt.

Für den Stadtführer gehören insbesondere auch "die kleinen fleißigen Leute" ins Bild der mittelalterlichen Stadt. Deshalb empfiehlt er: "Also nix wie ab in das Gewirr der Altstadtgassen mit den kleinen Häuschen, die den Zweiten Weltkrieg glücklicherweise überlebt haben."

Geschichten vom Feuergässchen und vom Lenk-Brunnen

Zur menschlichen Natur - seiner genetischen Programmierung - gehört die Neugier, auch diese bedient er in seinen Führungen. Beispielsweise mit ganz besonderen Informationen. - Da gibt es nämlich zwischen den "Häusle" die dunklen, manchmal etwas muffig riechenden "Feuergässle". Für die Konstanzer sind’s ihre "Schissgässle". "Die unten“ verschwanden einfach schnell im Gässle, "die oben“ in ihren an die Hauswände geklebten Abtritten,die kleinen Erkern ähneln und an manchen Häusern zum Vergnügen von Besuchergruppen bis heute überlebt haben. Und wie hat man diese „duftenden Feuergässle“ sauber gehalten?  Die Leute in Konstanz waren schon immer pfiffig, haben auch dieses Problem gelöst: So haben sie Regen, kleine Wassergräben zum See hinunter und gelegentliche Hochwasser im Seerhein in den Dienst ihres "Abwasser-Managements" gestellt. „Und unser See, heute unser größter Schatz als Touristenmagnet, Ferienparadies, Trinkwasserspeicher und Herzstück unserer Vier-Länder-Region war so zu einer richtigen Fäkaliengrube verkommen.“ - Doch diese Zeiten sind zum Glück längst vergangen.

Stephan Schmutz: "Bevor ich aber meiner guten Fee die Bühne freigebe, um Dir drei Wünsche zu erfüllen, wie wäre es mit noch einem unvergesslichen Highlight, das Du Deinen Besuchern gelegentlich mit auf den Weg gibst?“ -   Da kommt ihm nochmal „der auf Krawall gebürstete Schalk“ Peter Lenk zu Hilfe. Von der Katzgasse stößt man auf die Laube, eine wichtige Verkehrsader durch die Innenstadt. Nach links abbiegend geht’s zu Peter Lenks erstem Kunstwerk in der Stadt, dem Lenk-Brunnen, einer skurrilen Skulpturen-Gruppe, die das Thema „Verkehr“ karikiert. Verkehr kann allerdings viele Bedeutungen haben. Die Aufregung in der Stadt war also groß. Gegenüber dem Brunnen steht an einer alten Mauer ein Holzkreuz mit dem Gekreuzigten. Eines Tages war das Kreuz verhängt. Ernst oder Scherz? In der Stadt wurde erzählt, jemand habe dem armen Christus den Anblick der Brunnen-Szene ersparen wollen. Inzwischen stehen sich Kreuz und Brunnenfiguren wieder Aug‘ in Auge gegenüber. Nur der Straßenverkehr rauscht noch ‚aufgeregt‘  vorüber.

Drei Wünsche an die gute Fee? – Nein, der Gast hat keine Wünsche - aber Träume. Tina Turner. Sie sei sein Wunschtraum. Aber wenn ihm im Traum ein amerikanischer Präsidenten erscheint, dann sei das sein Alptraum!

Giselher Sommer

 

 


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