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Talk in der Rosenau: Monique Würtz im Gespräch mit Achim Mende

Der "Bodensee-Fotograf" über sein Leben und seine Bilder.

Konstanz, 18. März 2015. – „Ach, was muss man oft von bösen --  Kindern hören oder lesen…“. Löst das nicht sofort Erinnerungen an zwei „kleine Übeltäter" aus, die es mit sieben Streichen geschafft haben, als Max und Moritz unsterblich zu werden und in die deutsche „Comic-Literatur" einzugehen?

Vor mehr als dreißig Jahren gab es – in einer bayrischen Kleinstadt – wieder so ein „Lausbuben-Duo", das später richtig Karriere machte, obwohl auch hier alles mit einem Streich begann!

Sie heißen Michael Martin und Achim Mende. Sie trafen sich als Schuljungen – zufällig – in der städtischen Bibliothek, kamen ins Gespräch, entdeckten, dass sie von der gleichen Leidenschaft „besessen" waren, und legten den Grundstein für eine dauerhafte Freundschaft, die bis heute hält!

Achim Mende und sein Freund Michael Martin interessierten sich als Jungen sehr für Astronomie

Was hatten die beiden ausgeheckt? „Weil alles, was mit Astronomie zu tun hatte, uns brennend interessierte, kamen wir auf die Idee, unsere Zimmer daheim mit Bildern und Fotos von allem, was auch nur im Entferntesten mit Astronomie zu tun hatte, zu bepflastern. Doch wo kriegte man damals solche Bilder her? Kein Wunder, dass unsere städtische Bibliothek dran glauben musste! Mit Rasierklingen haben wir, was wir erwischen konnten, aus Büchern und Zeitschriften herausgeschnitten und daheim an die Wände geklebt." Erwischt wurden sie nie – aber so viel sei schon mal verraten: Sie haben sich später bei ihrer verständnisvollen Bibliothekarin anständig entschuldigt. Und da endet die Parallele mit Max und Moritz!

Der, der dieses „Geständnis" als 27. Talk-Gast vergnügt und freimütig vor Monique ablegt, ist Achim Mende, „der Bodensee-Fotograf“, die meisten Gäste im Saal kennen zumindest seine spektakulären Fotos im Konstanzer Südkurier.

„Herr Mende", eröffnet Monique das Gespräch, „Sie sind  eine Ausnahmeerscheinung unter unseren Talk-Gästen! Heute machen wir es uns in einer leicht abgedunkelten Ecke auf der Bühne gemütlich, weil wir gespannt sind, was Sie uns aus Ihrem Leben zu erzählen haben, und, weil wir diesmal alle auf ungewöhnliche Fotos von Ihnen hoffen; deshalb wollen wir heute gerne die Mitte unserer Bühne Ihrem großen Bildschirm überlassen. Sie sind Fotograf aus Leidenschaft und weit über Deutschland hinaus bekannt. Sie fotografieren aus Perspektiven, die bis heute kein anderer Fotograf auf der Welt je erreicht hat. Erzählen Sie uns mehr davon!“

Auf dem großen Schirm erscheint – aus großer Höhe fotografiert – das Bild der Konstanzer Imperia, jener riesigen, schlanken, sehr ästhetischen Figur einer Kurtisane, die der Legende nach in der Zeit des Konzils in Konstanz Hof gehalten haben soll und heute auf ihrem sich drehenden Sockel über der Hafen-Mauer sogar dem Münster den Rang als erstes Wahrzeichen der Stadt abgenommen hat. „Wie entstehen Fotos wie das der Imperia? Aus großer Höhe fotografiert und nur wenige Meter vom Motiv entfernt, was mit einem Hubschrauber oder Kleinflugzeug überhaupt nicht möglich wäre", möchte Monique von ihrem Gast wissen.

Die Motive des Fotografen: der Bodensee, die Südsee, Dubai, Venedig, Birnau, Regenbögen, Schlittenhunde und mehr

Die Gäste im Saal haben sich inzwischen fasziniert dem Bildschirm zugewandt, wo in schneller Folge Bilder aus der ganzen Welt an ihnen vorüberziehen, Bilder aus Wüstenregionen, aus der Südsee, dazwischen ein Schnappschuss der attraktiven Ehefrau mit locker umgehängter Flechttasche, an einem Strand der Seychellen, Impressionen aus dem nächtlichen Dubai, Fotos vom belebten Markusplatz in Venedig, dramatische Sonnenuntergänge am Bodensee, ein doppelter Regenbogen über der Wallfahrtskirche Birnau, ein hechelndes Schlittenhunde-Gespann im aufwirbelnden Schnee, Bilder dramatischer Landschaften… Bilder, Bilder – unendlich intensiv, einzigartig und spektakulär, mal am Tag, mal nachts fotografiert. Bilder, die die Welt oft aus der Vogelperspektive zeigen, so, wie jene Nahaufnahme vom Stuttgarter Fernsehturm, wo Menschen aus den Fenstern des Turm-Korbes fröhlich zu einer Kamera herüberwinken, die den Turm fast gestreift haben muss. 

Was er heute professionell mache, so der Fotograf, habe damals mit seinem Freund Michael begonnen, mit dem Blick der beiden Amateur-Astronomen zum nächtlichen Himmel. Dazu haben sie sich ein kleines Teleskop für ihre „nächtliche Himmelsschau" selbst gebastelt. Irgendwann, so der Gast, folgten Reisen in die Berge, um noch näher am Himmelsgeschehen zu sein und fotografieren zu können. Dann als 16-Jährige haben sie erste Fahrten nach Marokko unternommen, später mit einem klapprigen Auto und einer viel besseren Kamera quer durch die Sahara und andere Wüstenregionen Afrikas, was ihren „Fotografen-Blick" für die Weite und Dramatik afrikanischer Landschaften sehr geschärft habe. „Immer zusammen und auf der Suche nach spektakulären Bildern." Irgendwann trennten sich die Wege der Freunde, der Fotoleidenschaft seien sie jedoch beide treu geblieben. Er, Achim, der Tüftler des Duos, habe sich für eine Fotografen-Ausbildung entschieden. Freund Michael, der pfiffige Organisator im Team, habe den Umweg über ein Geographie-Studium gewählt; ihn habe es später in die Regionen des ewigen Eises und der Sande gezogen. So sei er heute ein bekannter Wüstenfotograf und Autor zahlreicher Publikationen und Bildbände, der auch viele Vorträge halte.

Durch die frühe Beschäftigung mit dem Himmelsgeschehen und gelegentliche Kontakte zur Fliegerei über das Elternhaus sei bei ihm der Wunsch entstanden, irgendwann Bilder zu machen aus der „Perspektive der Tauben, wenn sie um den Kirchturm fliegen", und Bilder aus Räumen mitzubringen, die auch mit Kleinflugzeugen nicht zu erreichen sind. Und er berichtet, wie er als junger Mann – nur mit seiner Kamera bewaffnet – mit einem von ihm selbst modifizierten Motorgleitschirm als erster Mensch den Kanal nach England überflogen, einige toller Fotos mitgebracht und sich einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde „verdient" habe.

Mit einem Helium-Ballon nähert sich Mende seinen Motiven aus der Vogelperspektive

Bilder aus großer Höhe – manchmal fast hautnah am Zielobjekt fotografiert – dafür steht dem Fotografen und Technik-Freak Achim Mende heute ein von ihm selbst entwickelter Helium-Ballon zur Verfügung, der sich leise und langsam bis in Höhen von 400 Metern ferngesteuert vom Boden „fahren" lässt, gehalten nur von einem dünnen, aber festen Seil. Die Kamerasteuerung unter dem Ballon erfolgt über Funk und mittels einer speziellen Digitalbrille.

Das Gespür für spektakuläre Bilder, seine Technik für die Vogelperspektive und die Fähigkeit, möglichst immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, das seien heute seine Markenzeichen.

Monique: „Noch eine allerletzte Frage: Zusammen mit Stefan Lutz, dem Chefredakteur des Südkuriers, haben Sie mit Ihrem gemeinsamen Bildband „Bodensee – das blaue Juwel" unserem See fast eine Liebeserklärung gemacht! Und Sie leben ja auch mit Ihrer Familie hier am See. Wo lebt Ihr Wüsten-Freund Michael, wenn er nicht – wie Sie – gerade mal wieder auf der Jagd nach spektakulären Wüsten-Bildern ist?“ – „Wir sind Freunde geblieben und wohnen inzwischen beide mit unseren Familien an unserem See."

Gastbeitrag von Giselher Sommer

von links: Gast Giselher Sommer, KWA Stiftsdirektor Herbert Schlecht, Moderatorin Monique Würtz, KWA Aufsichtsrat Wolf-Dieter Krause, Gast Sandra Gräfin Bernadotte, Fotograf Achim Mende, Talk-Organisatorin Marina Gernard


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