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50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
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30. Talk-Gast von Monique Würtz in der Rosenau: Dr. Stefan Arend (S. 2)

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Eine große Aufgabe angesichts des demografischen Wandels: eine bessere Mobilität für Menschen mit körperlichen Einschränkungen

„Sie sprechen von Wandel“, greift die Moderatorin den Gedanken auf. „Ein erheblicher Wandel ist ja auch der demografische Wandel. Was bedeutet das eigentlich für Sie und Ihre Häuser?" Arend holt zunächst ein wenig aus: Spätestens seit den 80er Jahren sei das alles bekannt. Der geburtenstärkste Jahrgang der deutschen Geschichte war 1964, somit vor 51 Jahren. Seitdem sei ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten: von damals 1,3 Millionen Geburten in Deutschland – Ost und West – auf heute rund 620.000 im Jahr. Gleichzeitig gab es einen kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung. Der demografische Wandel habe uns fest im Griff. Alle Berechnungen seien eingetroffen. „Ich sehe das aber gar nicht als Drohgespenst oder Damoklesschwert, sondern als ungeheuer interessante Herausforderung."

Darauf die Moderatorin: „Welche neuen Überlegungen braucht es denn, um diesen Wandel positiv zu begleiten?" Arend sieht Handlungsbedarf vor allem in einem Punkt: „Wir müssen überlegen, wie unsere Gesellschaft mobil bleiben kann." Er nennt Flughäfen und Bahnhöfe, wo es noch viel zu tun gebe. Der Aufwand für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, ins Flugzeug oder in einen ICE zu gelangen, sei im Moment noch sehr groß. Der KWA Vorstand sucht Blickkontakt mit einem im Publikum sitzenden Kollegen aus einem anderen Wohnstift und ergänzt: „Da sind wir die Profis. Wir beschäftigen uns schon seit Jahrzehnten mit diesen Fragestellungen und könnten da vielleicht sogar andere Branchen beraten." 

Wir müssen uns lösen vom Bild: alt = pflegebedürftig

Ob es denn in Zukunft einen größeren Bedarf an Pflegeeinrichtungen geben werde, möchte die Moderatorin wissen. An dieser Frage scheiden sich laut Arend die Geister. Es gebe diejenigen, die das ganz negativ sehen und sagen, wir müssen ganz viele Einrichtungen bauen. „Und manchmal entstehen an merkwürdigen Standorten, in der Nähe von Autobahnen oder weit draußen im Grünen, irgendwelche Pflegeeinrichtungen, bei denen man sich fragt, für wen werden die eigentlich gebaut?" Arends Einschätzung nach bedeutet eine Gesellschaft des langen Lebens nicht automatisch, dass dann alle pflegebedürftig sind. Pflege betreffe immer einen kleinen Teil der Gesellschaft. 

„Nicht jeder, der in ein hohes Alter kommt, ist zwangsläufig auf Pflege angewiesen. Das ist ein Trugschluss, den uns auch die Publizistik wie einen Teufel an die Wand malt." Die Zahl der Pflegebedürftigen werde steigen. Darum müsse man sich kümmern. „Aber wir müssen uns unbedingt von dem Bild lösen: alt = pflegebedürftig." Dies zu kommunizieren sieht er als Aufgabe von Journalisten und auch als Aufgabe von Unternehmen wie KWA. 

Auch im Alter sollen Menschen an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken

Monique Würtz sieht ein weiteres Problem in der öffentlichen Wahrnehmung: Die gedankliche Unterscheidung zwischen Jung und Alt. Das gehöre doch zusammen. Sie sei auch erschrocken, als sie realisiert habe, dass heute schon 35- und 40-Jährige Probleme haben, eine berufliche Position zu finden: „Wenn Sie heute 30 überschritten haben, werden Sie als Musiker schon fast nicht mehr zum Vorspielen eingeladen. Das gilt schon als alt. Wo wandern wir eigentlich mit unserem Denken hin? Was ist jung? Was ist mittelalt? Was ist alt?"

Das sieht der Altersexperte ähnlich: „Wenn wir wissen, dass im Jahr 2050 mehr als 10 Millionen Deutsche über 80 Jahre alt sein werden, wissen wir auch, dass wir das Alter vollkommen neu erfinden müssen. Die alten Maßstäbe, die noch aus dem vorletzten Jahrhundert kommen, taugen da nicht mehr." Das Mehr an Jahren müsse man nutzen. Jeder solle nach seinen Möglichkeiten auch im Alter an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirken. Arend gesteht, dass er sich über einige politische Weichenstellungen ärgert, nennt die Rente mit 63. Das Denken von Legislaturperiode zu Legislaturperiode, das darauf ausgerichtet ist, Wahlen zu gewinnen, werde man büßen müssen.    

Die Moderatorin moniert, dass auch die Industrie sich noch nicht auf Senioren eingestellt habe. Apparaturen, Schrift, Bedienfelder und Geräte seien oftmals zu klein, zudem in der Bedienung oft zu kompliziert. – Das sieht der KWA Vorstand differenziert: „Bei manchen Produkten fragen wir uns: Wer soll das bedienen? Gleichzeitig stellen wir fest, dass es Firmen gibt, die sich damit auseinandersetzen." – Arend führt als positives Beispiel die Autoindustrie an, nennt Fahrzeuge mit bequemer Einstiegshöhe und Assistenzsystemen sowie Fahrsicherheitstraining für Senioren. 

 

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