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Talk in der Rosenau mit dem Leiter der Empirischen Sozialforschung an der Universität Konstanz

Bürgerbefragungen in Konstanz: für Professor Dr. Thomas Hinz ein wichtiges Forschungsinstrument.

Konstanz, 7. Dezember 2017. – Während Gast und Moderator noch dabei sind, ihre Plätze auf der Bühne einzunehmen, geht mir durch den Kopf: Sind wir nicht gerade im Martin-Luther-Jahr? Und war dieser große Reformator und Bibelübersetzer nicht auch jemand, dem Kommunikation mit großen Gruppen und das Erklären anspruchsvoller Sachverhalte buchstäblich „auf den Nägeln brannte". Jemand, der dabei Aphorismen „produzierte", die bis heute aus unserer Umgangssprache nicht wegzudenken sind? Jemand, der bestimmt keinen Anstoß daran nehmen würde an einer saloppen Formulierung des Themas beim 53. Talk im KWA Parkstift Rosenau: „Empirische Sozialforschung – den Konstanzern „aufs Maul geschaut". Das war zu Luthers Zeiten gängige Umgangssprache.

Seit 2008 gibt es in unserer Stadt die „Konstanzer Bürgerbefragung": ein Projekt der Universität Konstanz, bei dem – unterstützt von der Stadt – die empirischen Sozialforscher der Universität ihren Mit-Bürgern mit wissenschaftlichen Methoden „aufs Maul schauen“. Die Erkenntnisse der Sozialwissenschaftler waren schon bei so manchem größeren städtischen Projekt eine wertvolle Entscheidungshilfe.

Stephan Schmutz, der Talk-Moderator, wendet sich seinem Gast zu: „Herr Professor Hinz, da wir beide uns schon sehr lange kennet, frag' ich Sie ganz direkt: Könnet Sie wirklich – so  pauschal – sage, wie unsere Konschtanzer ticke?“ – „Ja", so der Professor, „auf der Grundlage von Umfragen der vergangenen zehn Jahre ist inzwischen so viel Datenmaterial vorhanden, dass es möglich ist, Aussagen über die Bevölkerung in Konstanz zu machen. Als Ganzes, wohlgemerkt."

Die Stadt Konstanz hat die Einrichtung eines Lehrstuhls für Empirische Sozialforschung von Anfang an als große Chance begriffen

Der Moderator möchte wissen, wie überhaupt die Idee zu dieser Bürgerbefragung entstanden ist: „War es wirklich der Wunsch der Stadt, zu wissen, wie ihre Bürger denken? War Konstanz hier anderen Städten voraus?“ - Die Antwort des Talkgasts: Es sei nicht selbstverständlich, dass Städte dieser Größe solche Projekte verfolgen. Es seien hier glückliche Umstände gewesen. Vor etwa 12 Jahren ist eine Professur geschaffen worden, die im Sinne von Frau Professor Noelle-Neumann Umfrageforschung in Konstanz ansiedeln sollte. „Und ich bin gewissermaßen das Ergebnis dieser Bemühungen, bin aus eben diesem Anlass vor zwölf Jahren nach Konstanz gekommen." Die Stadt Konstanz habe eine Statistik-Abteilung, die schon damals sehr interessiert und zukunftsorientiert gearbeitet habe und die Chance ergriff, ihn und sein Team in kommunale Belange mit einzubeziehen und sich die im neuen Lehrstuhl gebündelten Kompetenzen nutzbar zu machen.

„Ist eine Stichprobe mit 1.800 Befragten wie in Konstanz eigentlich ausreichend, um zu belastbare Aussagen zu kommen?“ - Achtzehnhundert befragte Personen sind laut Hinz im Vergleich zu anderen Umfragen bereits eine recht große Stichprobe. So gebe es repräsentative Umfragen für Gesamtdeutschland, wo man bereits mit 1.000 oder 1.100 Befragten auskomme. „Belastbare Aussagen auf der Grundlage einer Zufallsstichprobe von 1.800 Personen in einer ganz konkreten Nachbarschaft können wir so leider nicht treffen.“ Anders sehe das aber bei Aussagen über eine ganze Stadt wie Konstanz mit ihren etwa 80.000 Einwohnern aus, unter Berücksichtigung der Irrtumswahrscheinlichkeiten. 

Bei der aktuellen Bürgerbefragung im Fokus: das politische Klima und die Nutzung des städtischen Angebots in sozialen Medien

Der Moderator verweist auf die Einladung zur Winterbefragung 2017 und auf den Plan, den Befragungsrhythmus zu ändern. Es solle künftig ja drei – dafür deutlich kürzere – Befragungen geben. Dazu der Talk-Gast: „Wir hatten 2017 ein Wahljahr. Diesmal geht es um die politische Meinungsbildung in der Stadt und um Themen von lokalem Interesse." Was in der deutschen Politik in den letzten Monaten geschehen sei, lasse alle ratlos zurück. Darum interessiere die Frage, wie sich das politische Wahlverhalten der Menschen in der Stadt und das politische Klima seit dem letzten Sommer verändert hat. Ebenfalls von besonderem Interesse für die Stadt sei, wie sich beim derzeit drastischen Rückgang der Printmedien die Bürger über das Tagesgeschehen in der Stadt informieren und wie das städtische Angebot auf sozialen Medien – wie Twitter oder Facebook – angenommen wird.

Stephan Schmutz spricht den Sozialforscher auf den für 2018 geplanten "Tag der Bürgerbefragung" an. – "Das wird ein Tag sein, an dem wir unsere Befragungsteilnehmer mit kleineren Geschenken überraschen, ihr Mitmachen belohnen; auch der Oberbürgermeister hat sein Kommen zugesagt. Das wichtigste Motiv sei aber das inhaltliche Interesse der Bürger an den Ergebnissen der Befragung. Daher sollen an diesem Tag neben den aktuellen Ergebnissen auch Erfahrungen und Schlussfolgerungen aus zehn Jahren Bürgerbefragungen vorgestellt werden. Dazu nennt der Professor ein Beispiel: "Ein Dauerbrenner über die Jahre hinweg ist die Verkehrssituation geblieben. Die Bereitschaft der Bürger, die Entwicklung in der Stadt weg vom Auto und hin zu mehr Fahrrad zu unterstützen, scheint über die Befragungen langsam auch im Bewusstsein der städtischen Gremien Wirkung zu zeigen."

Dieses nun schon zehn Jahre laufende Kooperationsprojekt zwischen Universität und Stadt bestätigt, dass die meisten Konstanzer Bürger durchaus dialogbereit sind und gern oder sogar sehr gern in ihrer Stadt leben, Stadtverwaltung und Stadtrat dabei auch Einblicke in ihre persönliche Lebenssituation gewähren und angeben, wie sie die Lebensqualität hier am See beurteilen, die Angebotsstrukturen in der Stadt, des örtlichen Handels, der Gastronomie, der städtischen Ämter, der Bildungseinrichtungen, der medizinischen Versorgung und der Kultur. 

Stephan Schmutz dankt dem Gast für die gewährten Einblicke und verweist darauf, dass die Konstanzer Bürgerbefragung ja nur ein Arbeitsgebiet des Konstanzer Forschungsteams von Professor Hinz ist. Weitere Forschungsschwerpunkte böten Stoff für einen weiteren Talk in der Rosenau.

Ihr Giselher Sommer


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