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KWA Parkstift Rosenau
Leben - so wie ich es will im KWA Parkstift Rosenau

Von starken Frauen, gekrönten Häuptern und Silberdisteln

Bewohner des KWA Parkstifts Rosenau zu Besuch auf Schloss Arenenberg

Konstanz / Arenenberg (CH), 10. September 2015. – Eine Einladung in die Schweiz ins Schloss Arenenberg löste bei vielen Bewohnern des KWA Parkstifts Rosenau große Vorfreude aus: Dominik Gügel, der „Schlossherr", ist Historiker. Die Rosenauer erinnern sich gut an ihn – er war im vergangenen Dezember Gesprächspartner von Monique Würtz beim Talk in der Rosenau. Ihm geht der Ruf voraus, einer der profiliertesten Kenner der napoleonischen Zeit zu sein. Er leitet Schloss Arenenberg, zu dem Museum und Park gehören, sowie die angeschlossene Forschungsstelle mit ihrer umfangreichen Bibliothek, zu der auch eine einzigartige Briefsammlung gehört. Gearbeitet wird hier über den Zeitraum von der Französischen Revolution bis zum ersten Weltkrieg.

Wohnten einst im Schloss: Königin Hortense de Beauharnais, Prinz Louis – später als Napoléon III auf dem französischen Thron – und dessen Ehefrau, Kaiserin Eugénie von Frankreich

Dominik Gügel hat versprochen, die Gäste selbst durch „die Villa" zu führen; „Tatortbesichtigung" zu der dramatischen Geschichte der drei prominentesten Bewohner des Thurgauer Schlösschens, da oben auf der Felsennase über dem Untersee, von der er beim Talk in der Rosenau bereits erzählt hatte: die Geschichte zweier großer Frauen; die eine: Königin Hortense de Beauharnais, eine Kämpfernatur, die durch ihre Loyalität zu ihrem Stief- und Adoptivvater, Napoléon I., mit in den Strudel seines Untergangs nach Waterloo gerissen wird, eine gescheiterte Ehe hinter sich hat, und hart darum ringen muss, wenigstens ihren siebenjährigen Louis mit ins Exil nehmen zu dürfen; und die andere: Kaiserin Eugénie von Frankreich, Hortenses Schwiegertochter, die letztendlich auch zu einer tragischen Gestalt der europäischen Geschichte wird und sich - wie Hortense - dennoch nicht zerbrechen lässt.

Golo Mann schrieb über Eugénie: … denn Kummer tötet nicht!

Golo Mann legt Eugénie in einem Essay für den Spiegel die Worte in den Mund: „… denn Kummer tötet nicht!“ Und das nach dem tiefen Fall ihres Mannes, Louis Napoléon III., nach der verlorenen Schlacht bei Sédan gegen Preußen, und dem Verlust ihres einzigen Sohnes, der mit siebzehn Speeren im Körper als Offizier in Südafrika gefallen ist. 

Mit diesen Gedanken im Kopf sitze ich mit einer vergnügten „Truppe" von Bewohneren der Rosenau im Bus. Die Fahrt von Konstanz auf den Arenenberg ist kurz. Der Bus fährt langsam die steile Straße hoch und hält. Links dunkelgrüne Reben, dazwischen bunte Vogelscheuchen, die mit ihren Armen grüßend im warmen Wind wedeln. Auf der anderen Straßenseite das offene Tor zum Park. Ein älterer Herr blickt zur plätschernden Fontaine im Vorgarten hinüber und tut kund: „Schön! Renaissance!“. Dann steht die Gruppe vor dem Schlösschen, neben dem Eingang grüßt eine Fahne mit dem Schweizer Kreuz.

Für Hortense de Beauharnais eine Liebe auf den ersten Blick: Schloss Arenenberg 

Dominik Gügel empfängt die Gruppe im Wintergarten, dem Tee-Salon, in dem „zu Glanzzeiten des Hauses" Gäste mit Tee bewirtet oder kleine Theaterstücke aufgeführt wurden. Bilder und Möbel im Raum sind stumme Zeugen, die sich erinnern müssten, wie hier auch ohne Kronen großer Hof gehalten wurde. 

Hortense, königliche Mutter, und ihr Sohn, Prinz Louis Napoléon, haben eine abenteuerliche Odyssee durch Europa hinter sich, als sie im Schlösschen einziehen. Der Arm der europäischen Großmächte sei lang gewesen, so Gastgeber Gügel. Ein erster Versuch, sich im beschaulichen Konstanz des beginnenden 19. Jahrhunderts niederzulassen, sei am Druck europäischer Großmächte auf das kleine Großherzogtum Baden gescheitert. „Dann entdeckt sie auf dem Berg – Liebe auf den ersten Blick! – die Villa mit dem Park, greift zu, baut Haus und Park nach ihren Vorstellungen um. Den gemütlichen Thurgauern war‘s recht und das Ganze der Beginn einer langen und nützlichen Freundschaft.

Möbel und Bilder seien größtenteils Originale aus dem Besitz der kaiserlichen Familie. „Vielleicht helfen sie Ihnen, das, was sich hier auf diesem Berg und in Europa damals abspielte, einmal aus der Perspektive Betroffener zu sehen." Weiter geht es in den zentralen Salon, mit dem großen Ölbild der 51-jährigen Königin, das sie mit einer Halskette zeigt, an der ein großer gefasster Stein hängt – der Talisman Karls des Großen. Ein Geschenk Napoleons I. und Kriegsbeute napoleonischer Truppen aus dem Aachener Dom. Das Schmuckstück wird heute im französischen Reims aufbewahrt. Neben dem Bild der Königin ein Portrait Napoléons I. in Uniform. 

Fortsetzung auf Seite 2

 


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