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KWA Stift am Parksee
Leben - so wie ich es will im KWA Stift am Parksee

Alexander Gerst im Weltall – Stiftsbewohner im Kontrollzentrum

Wollten Sie nicht auch schon mal einen Blick ins Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) in Oberpfaffenhofen werfen? Die Gelegenheit dazu hatten Mitte August 2018 zwanzig Bewohner des KWA Stifts am Parksee.

Unterhaching, im Herbst 2018. - Wenn sich Astronaut Alexander Gerst auf der Internationalen Raumstation (ISS) befindet, vergeht kein Tag, an dem sich "Astro-Alex" nicht aus dem All meldet. Und bei uns "Irdischen" gibt es ein reges Interesse an dem, was er dort oben gerade tut. Deshalb hat das KWA Stift am Parksee das Angebot von ESA Mission Director Berti Brigitte Meisinger gerne angenommen, das Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen zu besuchen, während Gerst im Weltall unterwegs war. 

Berti Meisinger ist Alexander Gersts Ansprechpartnerin am Boden und koordiniert sowohl die Kommunikation mit den beteiligten Stellen (NASA, ESA, Wissenschafter) als auch die Durchführung seiner Experimente. Sie hatte schon einmal einen Vortrag im KWA Stift gehalten und war dabei auf großes Interesse der Bewohner gestoßen.

Die Besichtigung begann an einem Modell der Raumfähre ISS, an dem uns die Raumfahrtingenieurin erklärte, wo sich die einzelnen Module der teilnehmenden Staaten (Amerika, Russland, Europa, Japan) befinden und welche Funktionen Versorgungskapseln und Solarpanels haben. Die Raumfähre umkreist in einer Höhe von circa 400 Kilometern permanent die Erde und hat eine Umlaufzeit von rund 94 Minuten. In klaren Nächten kann man sie mit bloßem Auge erkennen.

Danach ging es zu einem Nachbau des Columbus Moduls, das seit 2008 an der ISS angedockt ist und das Herzstück der europäischen Forschung repräsentiert. Hier ist auch der "Arbeitsplatz" von Alexander Gerst. Das Columbus Modul hat einen Durchmesser von 4,5 Metern und ist 6,9 Meter lang. Dort sind seit seinem Start vor zehn Jahren etwa 150 Experimente durchgeführt worden, zu vielen wissenschaftlichen Fachrichtungen, von Biologie, Physik und Materialwissenschaft bis hin zu Technologie und Bildung.

Am spannendsten aber war der Aufenthalt im Besucherbereich über dem Kontrollraum, wo wir einen direkten Blick auf die Bildschirme werfen und den Astronauten bei der Arbeit im All live zusehen konnten. Der Bereich besteht aus zwei großen Bildschirmflächen. Auf der rechten Seite gibt es die sogenannte Timeline (Zeit- und Übersichtsplan), auf der dargestellt ist, wann es hell und dunkel wird, wann der "Funkverkehr" zur ISS vorhanden ist, welcher Astronaut welche Aufgaben zu erledigen hat und ob diese schon abgeschlossen sind. Und natürlich auch, ob die Astronauten gerade Mittagspause haben, sich im Fitnessraum körperlich fit halten oder sich aufs Schlafen vorbereiten. Denn in der ISS wird es niemals so richtig Nacht.  Durch die permanente Erdumrundung wechseln sich Tag und Nacht alle 45 Minuten ab. Dennoch ähnelt der festgelegte Arbeits- und Schlafrhythmus ungefähr dem auf der Erde, sodass der Körper genug Ruhe findet.

Parallel zur Timeline konnten wir auf der linken Bildschirmhälfte die amerikanischen Astronauten Ricky Arnold und Drew Feustel dabei beobachten, wie sie an einem Experiment mit dem Projektnamen „Spheres“ arbeiteten. Dabei handelt es sich um drei kleine "Bowling"-Kugeln, vollgestopft mit Technik, die in der Schwerelosigkeit Funktionen testen, die für die Entwicklung von neuen Satellitentypen verwendet werden sollen. 

Apropos Experimente. Berti Meisinger erzählte uns von den Experimenten der letzten Tage, warum manches so schwierig sei und manchmal auch nicht gleich funktioniert. Jedes Experiment hat eine genaue Beschreibung und der Astronaut muss Punkt für Punkt abarbeiten. In der Schwerelosigkeit stellen sich natürlich ganz andere Anforderungen als auf der Erde und einfache Vorgänge können viel länger dauern oder sich anders entwickeln als angenommen. So war bei dem dreistündigen Experiment, das Alexander Gerst just an unserem Besuchstag mit dem humanoiden Roboter "Rollin‘ Justin" durchführte – der Roboter stand auf der Erde und er steuerte ihn aus dem All –, eines der Hauptprobleme eine stabile Datenverbindung über die gesamte Dauer des Versuchs. Und während wir noch über die Experimente sprachen, tauchte Alexander Gerst unvermittelt auf einem der Bildschirme "live" bei der Arbeit auf. 

Sehr interessant waren auch die Ausführungen von Meisinger zum Thema "Sicherheit". So werden die Astronauten vor ihrer Mission gezielt darauf vorbereitet, was sie tun müssen, wenn ein Feuer auf der ISS ausbricht, Gifte aus Kühlkreisläufen entweichen oder ein Meteoriteneinschlag eintrifft. Diese Abläufe werden dann auch auf der ISS immer wieder geübt, damit im Falle eines Falles jeder Handgriff sitzt. So berichtete Meisinger, dass sie bei anderen Missionen schon mal Anrufe mitten in der Nacht bekam und entscheiden musste, ob die Astronauten geweckt werden und in die Rettungskapsel gehen sollten, weil man sich nicht sicher war, ob ein Meteoriteneinschlag größere Schäden an der ISS verursachen könnte. Die Sicherheit der Astronauten steht für alle immer an erster Stelle.

Neben den rein fachlichen Informationen überraschte uns Berti Meisinger auch noch mit dem ein oder anderen Blick "hinter die Kulissen". So haben wir erfahren, dass die Astronauten jeden Tag zwei Stunden im Fitnessraum mit Laufen, Radeln und Gewichtheben verbringen, um dem Muskelabbau in der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken. Diese Zeit ist auch nicht verhandelbar und wird von einem Ärzteteam überwacht. Das Essen besteht aus der sogenannten Astronautenkost, die wir auch auf der Erde kennen. Sie ist hochkalorisch aufbereitet. Die tägliche Körperpflege wird mit feuchten Tüchern durchgeführt, die mitgebrachte Kleidung muss für Monate ausreichen, denn auf der ISS gibt es weder eine Dusche noch eine Waschmaschine. Und am Samstag ist Putztag auf der ISS: staubsaugen, wischen – genau wie zu Hause. Wer hätte das gedacht.

Autorin: Edith Hochrein
Erschienen in: Alternovum 3/2018

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