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KWA Stift am Parksee
Leben - so wie ich es will im KWA Stift am Parksee

POLL alias Peter Ohrenschall

Im KWA Stift am Parksee spielen Kunst und Kultur traditionell eine bedeutende Rolle. In einer außergewöhnlichen Vernissage wurden Werke des Karikaturisten Peter Ohrenschall präsentiert.

Unterhaching, 30. Oktober 2018. - Jeden Montag ist Ohrenschall-Tag. Zumindest im KWA Stift am Parksee. An jedem ersten Wochentag hängt das aktuelle Werk des Zeichners und Karikaturisten Peter Ohrenschall, der seit 2012 Stiftsbewohner ist, an seinem Stammplatz im Erdgeschoss. Zur großen Freude nicht nur der anderen Bewohner, sondern auch der KWA Mitarbeiter. 

Aus dem Fundus seiner Zeichnungen hatte der Künstler für seine Vernissage "POLL Karikaturen" wichtige Arbeiten ausgewählt und zur Präsentation vorbereitet. Stiftsdirektorin Alexandra Kurka-Wöbking begrüßte im Festsaal zahlreiche Gäste. In Abstimmung mit dem Künstler eröffnete und begleitete der russische Pianist Konstantin Lukinov die Vernissage mit einem Gershwin-Programm, unter anderem mit den Three Preludes. Deren intrikate melodische Linien, angereichert durch harmonische Kühnheiten, spiegelten auf musikalischer Ebene die zeichnerische Grundidee Peter Ohrenschalls wider - die Kraft der Linienführung.

Der Laudator griff diese Grundidee dann in poetischen Sprachbildern auf. Peter Ohrenschalls Sohn Andreas, selbst freier Künstler in München, erinnerte zu Beginn seiner Laudatio an den großen sozialkritischen englischen Maler und Grafiker William Hogarth, der die Linie als Basiskraft seiner Zeichnungen beschrieben, und in seinen Werken schonungslose Satire geübt hatte. Andreas Ohrenschall fasste seine eigenen Eindrücke vom Zeichnen seines Vaters in einen lyrischen Beitrag:

"Aus Deiner Hand schien zu fließen jedes Ding, als wenn's da ewig schon gestanden hätte, für uns erst nicht sichtbar, gewachsen aus einer Welt, die diese hier zu tragen kaum bereit.
Schließlich spross es aus der
täuschenden Bewegung
und Frohsinnsdurstig,
schlängelnd um die Furcht
fassungsloser Nächte
beschwörend ewig Kindheit
und das Ununterbrochene
einer Linie, dringender als jedes Geschoss, die Figur gebar und sie zugleich umschloss mit eiserner Geschmeidigkeit Gefühle, unentrinnbar, unverzichtbar im Gewühle nicht versorgter versunkner Wunden besänftigt durch in tausend Stunden geschichtete selbst kleinste Posen und gefügt zum großen Tanz."

Im Anschluss gab Andreas Ohrenschall einen Einblick in das bewegte Leben seines Vaters, der 1929 "in Leipzig, der Stadt des freien Handels und des freien Geistes" geboren wurde; wie Ohrenschall betonte "in einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten, die 1929 das Licht der Welt erblickten, darunter Martin Luther King, Nikolaus Harnoncourt und Heiner Müller". Bereits zu Schulzeiten wurde Peter Ohrenschall stark durch Comic und Zeichentrick inspiriert, insbesondere die Schule des bedeutenden Werbefilmers Hans Fischerkoesen lockte ihn künstlerisch. An der Leipziger Nikolaischule zeichnete und karikierte Ohrenschall fleißig seine Mitschüler und Lehrer. "Bei den spaßbefreiten Pädagogen jener Zeit war das kein Zuckerschlecken", sagte Andreas Ohrenschall und klärte auch gleich augenzwinkernd über die Konsequenzen für seinen Vater auf - "Auswendiglernen eines Kapitels aus Gaius Julius Cäsars De bello gallico".

Peter Ohrenschall heiratete 1956 nach Westberlin, wo er Trickszenen für Werbung und TV gestaltete. 1951 arbeitete Ohrenschall dann in Remagen in Fischerkoesens Studio. 1960 zog die Produktionsfirma aufgrund der damaligen politischen Entwicklungen nach München. Ab 1972 zeichnete Ohrenschall dann auch auf Empfehlung von Erst Maria Lang für die Süddeutsche Zeitung, wo er auf der Seite 4 karikaturistische Meinungsbildung betrieb.

Im Laufe seines Karikaturistenlebens entstanden mehrere Tausend Werke, die im Institut für Zeitgeschichte digitalisiert und archiviert wurden. Und dass Peter Ohrenschalls Schaffenskraft bis heute ungebrochen ist, belegt eine  Zahl: In den letzten sechs Jahren sind mehr als 300 Zeichnungen im KWA Stift am Parksee entstanden. Ruhestand sieht anders aus.

Zum Ende seiner sehr persönlichen, wortreich-dichten Ansprache beschwor Andreas Ohrenschall die Polarität zwischen Pointierung und Vereinfachung komplexer Persönlichkeit in den Karikaturen seines Vaters:

"Das Wenige, dessen es bedarf, den ganzen Menschen zu erfassen in seinem Sein und dem besondren Wesen, das jedes Gesicht umspielt, von ihm bestimmt kann es gedehnt zum Unverwechselbaren einen Kosmos zeichnen, den wir ergänzen, beklommen von der Enge des so schnell Getroffnen - ein Lachen bricht uns zurück zur Weite, mit deren Umriss wir begannen, um uns ohne diesen schließlich ganz gerecht zu werden."

Stiftsdirektorin Kurka-Wöbking dankte Peter Ohrenschall für sein außerordentliches Engagement: "Ihre Arbeiten und Ihre Persönlichkeit bereichern unser Stift." Sie selbst sei schon als Kind über seine Zeichnungen gestolpert - war ihr Vater doch begeisterter Leser der Süddeutschen Zeitung, mit einer Vorliebe für die Seite 4.

Nach dem offiziellen Teil bildeten sich vor den ausgestellten Karikaturen Grüppchen, die angeregt über die Darstellungen diskutierten und sich köstlich amüsierten - vom drohenden Brexit über die Politeskapaden eines Donald Trump bis zu alltäglichen Themen im Leben von Senioren reicht die enorme Bandbreite von Ohrenschalls Zeichnungen, die noch bis zum 11. November 2018 im KWA Stift am Parksee zwischen 9:00 und 18:00 Uhr zu sehen sind. Der Eintritt ist frei.

Eine Fotostrecke zur Vernissage finden Sie hier.

Eine Auswahl von Karikaturen Peter Ohrenschalls sehen Sie in unserer Bildergalerie.

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