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KWA Stift am Parksee
Leben - so wie ich es will im KWA Stift am Parksee

... statt eines Blumenstraußes eine KARIKATUR

Von Peter Ohrenschall alias Poll.

Unterhaching, 4. April 2017. - Als kleines Dankeschön verschenke ich lieber eine Karikatur aus meiner Feder als ein paar Blümchen, die rasch verblühen. Eine persönliche Zeichnung hält nicht nur länger, sondern bringt auch mehr Freude und Erinnerung.

Ein liebenswürdiger Nachbar drängte mich, ich möge doch hier im Wohnstift eine Ausstellung meiner Karikaturen ausrichten. Doch bei der Vielzahl der Zeichnungen löscht die eine die andere. Das Schicksal von Karikaturen in den Printmedien ist der Papierkorb oder das Einwickelpapier auf dem Viktualienmarkt. Na ja, manchmal wird eine Karikatur auch nachgedruckt, zudem gibt es thematische Sammlungen in Büchern oder Ausstellungen. Der interessierte Mitbewohner drängelte immer wieder. Schließlich schlug ich eine Einzelbildausstellung vor, das heißt turnusmäßig jeweils eine Zeichnung zu „veröffentlichen“. Die Hausleitung räumte mir einen Platz im Gang des Erdgeschosses ein, an dem jeder mindestens einmal am Tag vorbeiströmt.

Anfangs nutzte ich mein reichhaltiges Archiv mit neutralen Themen, dann servierte uns die Politik einen bösartigen Gag – wenn man das so sagen darf. Da biss sofort mein Zeichenstift zu. Das gefiel meinen Mitbewohnern erst recht. Vor dem Bild bildeten sich Grüppchen, die darüber diskutierten. Mit dem Ergebnis: Wann kommt die nächste Zeichnung? Und wie kommt man auf solche Ideen?

Schon vor dem Krieg war ich fasziniert von Zeichentrickfilmen von Fischerkösen, die in der Werbung im Vorprogramm des Kinos liefen. Trickfiguren sind ja sehr verwandt mit Karikaturen. – Ab der Sexta begann ich dann, meine Lehrer und Klassenkameraden zu zeichnen, zu karikieren. Den Freunden machte es Spaß, die Lehrer sahen es nicht oder wollten es nicht sehen. Nach dem Abitur schenkte ich meiner Schule, der Nikolaischule in Leipzig, die gesammelten Lehrerzeichnungen als kleinen Band. Es war 1948, man musste sehen, dass man nicht ins Erzgebirge zum Uranabbau verpflichtet wurde. Das gelang mir: Ich bekam einen Studienplatz für Zeichentrick in Westberlin. Bei einem verständnisvollen Trickfilmer, der ein eigenes Trick-Atelier hatte, konnte ich die Praxis kennenlernen und Westgeld verdienen, um das Studium zu finanzieren. Nach dem Abschluss fuhr ich an den Rhein, wo Fischerkösen sein Studio hatte, und arbeitete bei ihm. So schloss sich der Kreis.

Meine Heirat brachte mich wieder nach Berlin. Es war immer noch die große Zeit des Werbefilms. Aufgrund des Chruschtschow-Ultimatums zogen wir dann nach München. Selbstständig gestaltete ich hier Werbung, Grafik und Trickfilme für das ZDF, den BR und Trickaufnahmen in der Bavaria. Immer noch frönte ich meiner Leidenschaft, Karikaturen zu zeichnen. Die Süddeutsche und andere Zeitungen druckten sie ab und zu. Zur Olympiade 1972 bestellten mich dann der Chefredakteur und Ernst Maria Lang, der Münchner „Karikatur-Papst“, ein und boten mir eine regelmäßige Mitarbeit an. Dass ich auch heute noch zeichne, macht große Freude: meinen Nachbarn – und mir selbst.

Karikaturen von Poll: Zum Bilderalbum 
Kontakt: peter.ohrenschall@kwa-mtg.de

 

Karikaturist Peter Ohrenschall alias Poll im KWA Stift am ParkseeKarikaturist Peter Ohrenschall (alias Poll) im KWA Stift am Parksee in Unterhaching vor einer seiner Karikaturen - hier mit zwei Mitbewohnerinnen. Bereits 2013 ahnte der Zeichner, dass der "britische Löwe" mit dem Union Jack in den Augen kräftig in die EU beißen wird.

 

 


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