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KWA Stift im Hohenzollernpark
Leben - so wie ich es will im KWA Stift im Hohenzollernpark

„Dialog“ mit der Radiolegende Rik De Lisle

Der frühere AFN- und RIAS-Discjockey, der heute noch in mehreren Privatsendern moderiert und seine Lieblings-Popmusik spielt, stand im KWA Stift im Hohenzollernpark dem Journalisten Reinhard von Struve Rede und Antwort.

Berlin, im Januar 2018. – Was zu Beginn des Abends passierte, würde jede Radiosendung platzen lassen: Die von Reinhard von Struve mitgebrachten Videos über Rik De Lisle ließen sich auf der Leinwand des KWA-Saales zwar ansehen, aber nicht anhören. Die bei der Generalprobe einwandfrei funktionierende Technik streikte bei der Premiere. Zur Freude des Publikums improvisierten Gastgeber und Gast gekonnt.

Das erste Video zeigt De Lisle an der Erinnerungstafel vor dem Gebäude in der Dahlemer Podbielskiallee, von dem aus das US-Soldatenradio AFN ab 1945 jahrzehntelang sendete. Im zweiten Video folgt die Kamera dem amerikanischen Moderator bei der Arbeit durch die Studios des Berliner Senders rs2 und lässt ihn seinen – wie er sagt – Berliner Heimatkiez Lichterfelde schildern.

Vom Vietnamkrieg nach Westberlin

Im „Dialog“ bringt Rik De Lisle dann die Anfänge seiner Radiokarriere auf das Motto „Wie immer hatte ich es eilig“: Er trat als Siebzehnjähriger in die Armee ein, meldete sich zur Ausbildung für den Soldatensender AFN, wurde aber schon bald vorzeitig an den Rand des Vietnamkrieges nach Thailand versetzt.

Nach dem Ende des Vietnamkrieges brauchte der Soldatensender Personal in Deutschland, wo De Lisle über die Stationen Ramstein und Frankfurt am Main in Berlin landete. Von der deutschen Teilung hatte der Amerikaner keine genaue Vorstellung: „Wenn ich gewusst hätte, dass Westberlin 120 Kilometer tief in der DDR liegt, wäre ich niemals dorthin gegangen.“ Aber der Umzug mit seiner Familie erwies sich als Glückstreffer, denn er fühlte sich in Berlin als amerikanischer Soldat freier und willkommener als in der Bundesrepublik.

Der RIAS entdeckte das freche Radiotalent

Und er hatte sich als AFN-Moderator inzwischen einen Namen gemacht, der auch RIAS 2 nicht verborgen blieb. Der Sender wurde 1984 in eine junge Welle mit 24-stündigem Pop- und Rockprogramm umgewandelt. Dazu brauchte man frische und freche Discjockeys nach amerikanischem Vorbild. De Lisle wurde Musikchef und moderierte die tägliche Morgenshow: „Wir wollten etwas vom American Way of Life widerspiegeln. Es war ganz bewusst wie ein Walt-Disney-Film, was wir morgens abspielten.“ 

Und da gab es schon mal Ärger mit dem Chefredakteur, etwa wenn Rik De Lisle, der vom Studio aus das Fenster des damaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen im Rathaus Schöneberg sehen konnte, das Stadtoberhaupt über den Äther mit den Worten begrüßte „Hey Ebi, wie geht’s dir?“

Für schlechte Laune hat der US-Discjockey keine Zeit

Ob ihm die gute Laune am Mikrofon auch gelegentlich schwer gefallen sei, will Dialog-Moderator Reinhard von Struve wissen. „Nein, für schlechte Laune habe ich keine Zeit, und ich gehe allen Leuten, die mich ärgern, aus dem Weg“, antwortet der Amerikaner. 

Wem Rik De Lisle bis dahin noch kein Begriff war, der lernte ihn jetzt über das neue erfolgreiche RIAS-Programm kennen und für sein deutsch-amerikanisches Kauderwelsch und seine Witze lieben. Die freche junge Welle wurde natürlich nicht nur in Westberlin, sondern auch im Osten der Stadt und in Teilen der DDR gehört, als Sender des freien Westens. De Lisles Frau erzählte einem Reporter einmal, dass sie schon lange ein Fan von ihm gewesen sei. Seiner Stimme nach hielt sie den RIAS-2-Moderator für „klein, dick und schwarz“. Dazu De Lisle lachend: „Inzwischen weiß sie, dass ich keins davon bin“.

Das Markenzeichen „Der alte Ami“ erfand eine Kollegin

Aus dieser Zeit stammt auch der Spitzname des Moderators, mit dem er seine Moderationen beginnt: „Der alte Ami“. Erfunden hat ihn eine Kollegin, die zu spät zu einer Redaktionssitzung kam und sich von De Lisle eine Ermahnung einfing. „Halt doch die Klappe, du alter Ami“, hatte sie geantwortet. 

Nach der Wende wurde RIAS 2 privatisiert und hieß jetzt rs2. Rik De Lisle bekam die Kündigung, aber mit dem Sender ging es bergab, bis man ihn als Programmchef zurückholte: „Wir haben damals keinen neuen Sender aufgebaut, sondern eine junge, hungrige Mannschaft zusammengestellt, die Bock hatte, Radio zu machen.“

De Lisle entdeckte Talente wie Jürgen Fliege und Gerlinde Jänicke

Zu seinen Entdeckungen in dieser Zeit gehören Gerlinde Jänicke, voriges Jahr als beste deutschen Radiomoderatorin ausgezeichnet, die ZDF-Moderatorin Andrea Ballschuh und der spätere „Fernsehpfarrer“ Jürgen Fliege. 

Freimütig räumt Rik De Lisle ein, dass seine Karriere auch Schattenseiten hatte. So war er aus dem Vietnamkrieg alkohol- und drogensüchtig nach Deutschland gekommen: „Ich war am Ende.“ Die US-Armee steckte ihn drei Monate lang in Berlin in den Entzug. Heute ist er mit seinen 71 Jahren stolz darauf, dass er fit ist, nicht mehr raucht und auf Alkohol verzichtet: „Aber ich bereue nichts. Ich habe zwar viel falsch gemacht, aber ich habe gelebt.“ 

Der aktuellen Entwicklung vieler Radiosender kann er wenig abgewinnen. Er moderiert noch einzelne Sendungen und spielt darin seine Lieblingsmusik. Die Frage nach einer Welle nur für ältere Menschen hält der US-Stardiscjockey für falsch gestellt: „Ich kenne viele Neunzigjährige, die jünger sind als manche Vierzigjährige.“

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