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"Dialog" mit dem Oberförster vom Grunewald

Seit fast zwei Jahrzehnten führt Elmar Kilz das Forstamt des größten städtischen Ausflugsgebietes in Berlin. Er kennt dort jeden Baum und Strauch und leidet mit seinem Wald unter den Folgen des massenhaften Ansturms der Berliner auf dieses 3000 Hektar große Naherholungsgebiet. Der Journalist Reinhard von Struve sprach mit Kilz über seinen Alltag als Oberförster und die wechselvolle Geschichte des Grunewalds.

Berlin, im April 2018. – Elmar Kilz führt die "Dialog"-Besucher mit zwei kurzen Filmen mitten ins Geschehen. Die Bedeutung der Berliner Wälder beschreibt Kilz dann mit einem drastischen Bild: Wenn es die "grüne Lunge" nicht gäbe, wäre es in Kreuzberg fünf Grad wärmer und das Leben im Sommer dort nur schwer auszuhalten. 

Wiederaufforstung nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Stadt Berlin kaufte den Grunewald vor gut hundert Jahren vom preußischen Staat. Bis dahin überwiegend eingezäuntes Jagdgebiet des Königs, eroberten sich dann die Bürger ihren größten Wald als Erholungsgebiet. Nach dem Krieg wurden zwei Drittel des Grunewalds als Reparationsleistung für die Alliierten und als Brennholz gerodet und mussten wiederaufgeforstet werden – leider überwiegend mit schnell wachsenden Kiefern, die vergleichsweise viel Wasser verbrauchen und anfällig für Schädlinge sind. Allmählich soll das Gebiet in einen Laubwald zurückverwandelt werden.

Gegen Vermenschlichung der Bäume

Vom Moderator von Struve auf seinen nordrhein-westfälischen Kollegen Peter Wohlleben angesprochen, der lange die Bestsellerlisten mit Büchern wie "Das geheime Leben der Bäume" anführte, schüttelt Kilz den Kopf. Wohllebens "Vermenschlichung und Verniedlichung" lehnt er ab: "Die Natur ist wenig bambihaft. Die Bäume betrauern und helfen sich nicht, denn das setzt Denken und Gehirn voraus. Da ist aber nur pure Chemie. Kein Bewusstsein, sondern Evolution." 

Dass das Thema Natur seit einiger Zeit im Trend liegt, ruft bei Kilz zwiespältige Gefühle hervor: "Es ist eine unserer Hauptaufgaben, die Waldbegeisterung aufrecht zu erhalten, aber die Waldnutzung zu kanalisieren.“ Dann zeigt er auf, wie sich Radfahrer, Reiter, Hundebesitzer und Jogger oft gegenseitig gefährden. Dazu kommen Schulausflüge und Sportevents. Sein Fazit: "Es ist zu viel." Der Grunewald müsse im Jahr 30 Millionen Waldbesuche verkraften.

Hauptarbeitsplatz des Oberförsters ist - der Schreibtisch

Er selbst als Forstamtsleiter kommt nur selten vor die Tür, bedauert Elmar Kilz. Er sitzt überwiegend am Schreibtisch, diskutiert mit anderen Behörden und schließt oder verhindert Verträge. Als Beispiel nennt er den Wunsch der Telekom, ein Übertragungskabel quer durch den Grunewald zu verlegen. Das lässt er unter Verweis auf das Waldgesetz nicht zu.

Was Besucher des Grunewalds selten bemerken und oft auch gar nicht wissen: dass etwa 40 Jäger ganzjährig auf Wildschweinjagd sind. Die Tiere sind wegen der grassierenden Schweinepest, wegen ihrer überfallartigen Fresszüge in waldnahe Wohngebiete und gelegentlicher Angriffe auf Menschen eine Gefahr. Ärgerlich findet es Kilz, wenn die Wildschweine, die Abfalltonnen plündern und ganze Anlagen umpflügen, von manchen Berlinern trotz des Verbotes noch gefüttert und damit zum Wiederkommen ermuntert werden. 

Im Wald gilt die "Handstraußregel"

Von Struve will von seinem Gast wissen, was ein Spaziergänger aus dem Wald mitnehmen darf. Die Antwort. "Es gilt die Handstraußregel." Jeder kann so viele Zweige abschneiden, Pilze sammeln oder Beeren pflücken, wie in seinen Korb passen. Alles darüber hinaus gilt als gewerbliche Menge. Dazu muss im Forstamt ein "Leseschein" für zehn Euro erworben werden. Dann darf sich der Berliner sogar mit der Motorsäge Kaminholz besorgen. 

Den Herbststurm Xavier hat der Grunewald nach Kilz‘ Worten vergleichsweise glimpflich überstanden. Dennoch dauerten die Aufräumarbeiten rund fünf Monate. Dabei blieb auch mancher Baum liegen, denn das Waldgesetz schreibt etwa zehn Prozent sogenanntes Totholz vor. In den verrottenden Stämmen finden viele Lebewesen ideale Lebensbedingungen.

Der beliebte "Coffee to go" belastet den Wald

Die Strategie der Forstbetriebe, die Berliner dazu zu erziehen, ihren Müll aus dem Wald wieder mitzunehmen, sei gescheitert. "Wir haben kapituliert. Unsere Philosophie hat angesichts der Coffee-to-go-Mode und der Schnellimbisse am Waldrand nicht funktioniert." Ab Juli stellt die Berliner Stadtreinigung östlich der Avus deshalb wieder überall Abfallkörbe auf. 

Am Schluss wirbt Elmar Kilz für die Ausstellung "Wald.Berlin.Klima": einen vier Kilometer langen Rundweg vom Grunewaldturm aus, der mit Schaubildern, Infotafeln und Aussichtspunkten für den Naturschutz wirbt (leider nicht barrierefrei).

Nach dem „Dialog“ nahm sich der Grunewald-Oberförster noch ausführlich Zeit, um mit interessierten Bewohnern und der Stiftsdirektorin Monika Belowski die Gartenanlage des KWA Stiftes im Hohenzollernpark zu inspizieren sowie Tipps zur Baumpflege und zur Abwehr von Kaninchen zu geben.  


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