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„Dialog“ mit dem früheren US-Botschafter John Kornblum

Reinhard von Struve befragte im KWA Stift im Hohenzollernpark den amerikanischen Diplomaten unter anderem über Barack Obama, Donald Trump und Kim Jong-un.

Berlin, im Dezember 2017. – Zum Auftakt widerspricht Kornblum der Vermutung des Moderators Reinhard von Struve, internationale Vernetzung und häufige Regierungskonferenzen machten Botschafter überflüssig: „Das Gegenteil ist richtig: Botschafter werden immer wichtiger.“ Das liege an der beschleunigten Kommunikation, sagt der ehemalige US-Diplomat im „Dialog im Stift im Hohenzollernpark“, denn damit drohten auch immer schneller Missverständnisse und Verärgerung zwischen Regierungen. Manchmal löse ein Wort in einem Brief oder ein Satz in einem Interview große Aufregung aus. Dann müsse der Botschafter interpretieren und für Verständnis sorgen, was nicht nur strategisches Geschick erfordere, sondern auch gute Kontakte zur Regierung des eigenen und des Gastlandes. Das ständig von den Medien verbreitete Bild eines auf Partys tanzenden und Empfänge gebenden Diplomaten ist nach Kornblums Worten zwar nicht falsch, aber es spiegelt nur einen Bruchteil seiner Tätigkeit wider. 

John Kornblum erkannte rasch: "Böblingen ist nicht Gelsenkirchen"

Außerdem müsse ein Botschafter in Deutschland viel reisen, die unterschiedlichen Kulturen der Bundesländer und deren Regierungen kennen und mit Menschen sprechen. John Kornblum wörtlich: „Man muss in jeder Ecke sein. Das habe ich auch gemacht, denn Böblingen ist nicht Gelsenkirchen.“ Das war dem jungen Diplomaten aber bei Antritt des ersten Konsulatspostens Mitte der 60er Jahre in Hamburg noch nicht klar, obwohl sein Großvater Deutscher war: „Ehrlich gesagt hatte ich keine Ahnung, was mich in Deutschland erwartet.“

Als einen Höhepunkt seiner diplomatischen Karriere bezeichnet der Ex-Diplomat den Deutschland-Besuch des US-Präsidenten Ronald Reagan 1987. Damals rief Reagan direkt vor dem Brandenburger Tor den sowjetischen Präsidenten Gorbatschow auf, die Mauer niederzureißen. Den Wortlaut dieses vielzitierten Satzes habe er zwar nicht formuliert, sagt Kornblum, aber der Geist der Rede stamme von ihm. 

„Je schwieriger, desto besser für einen Diplomaten“

Er war damals Vize-Kommandant des amerikanischen Sektors von Berlin und organisierte den Auftritt des Präsidenten an der Mauer. „Das habe ich gegen den Berliner Senat, die Bundesregierung und das US-Außenministerium durchgeboxt“, erinnert er sich. Sie lehnten das mit der Befürchtung, Gorbatschow könnte sich provoziert fühlen und einen neuen Kalten Krieg auslösen, zuerst ab. „Meine Meinung war das Gegenteil: Es war wichtig Flagge zu zeigen. Dafür musste ich hart kämpfen und darauf bin ich stolz.“

Sein Motto ist: „Je schwieriger die Lage ist, desto besser für einen Diplomaten“. Dieser Satz hat sich für Kornblum vor allem beim Aushandeln des Friedensvertrages von Dayton am Ende des Krieges in Bosnien-Herzegowina 1995 bestätigt. Er hat das 150-seitige Abkommen als Sonderbotschafter der USA für Bosnien mit allen Kriegsgegnern konzipiert und maßgeblich ausgehandelt.

In der zweiten Hälfte des „Dialogs“ mit dem Journalisten Reinhard von Struve geht Kornblum auf aktuelle politische Themen ein und beantwortet Fragen des zahlreich erschienenen Publikums.

Publikumsfragen zu: Nordkorea, US-Demokraten, Barack Obama und Donald Trump

Nordkorea. – Der Ex-Botschafter hält die Atomkriegsdrohung des Diktators Kim Jong-un nicht für ernstzunehmend: „Je mehr Kim droht, desto schwächer ist er.“ 

US-Demokraten. – Die Partei hat nach seiner Einschätzung einen ähnlichen Bedeutungsverlust wie die SPD erlebt und in Hillary Clinton eine unglaubwürdige Kandidatin präsentiert: „Die Demokraten haben vergessen, dass sie die Partei der normalen Menschen sind und haben ihre Kernwähler vernachlässigt.“ 

Barack Obama. – John Kornblum ist enttäuscht von der Amtszeit des ersten schwarzen Präsidenten der USA, dessen politischen Aufstieg er noch euphorisch begrüßt hatte: „Er ist zwar eine historische Persönlichkeit, war aber kein großer Präsident - sehr abgehoben, mit wenig Kontakt zu den Menschen. Er hat zu viel gepredigt und wenig Konkretes daraus gemacht.“

Donald Trump. – Ihn hält der Ex-Botschafter für einen Profiteur der Zeitenwende, die sich in vielen westlichen Ländern zeigt. Arbeitsplätze gingen verloren, viele Menschen fühlen sich abgehängt, haben Angst vor der Zukunft. Wie es mit ihm politisch weitergehe, sei offen. „Er hat bisher keines seiner Wahlversprechen eingelöst“, sagt Kornblum, „nur Aufregung und Konfrontation verursacht.“ Nach seinen Worten wählten viele Amerikaner Trump, weil sie ihn für einen von ihnen hielten und nicht erkannten, wie verlogen seine Versprechungen waren. Außerdem frage er sich, ob Trump seine Amtszeit psychisch und physisch überhaupt durchstehe.

„Die deutsche Politik ist zu langweilig“

Dass es in der Bundesrepublik drei Monate nach der Wahl noch keine Aussicht auf eine neue Regierung gibt, begrüßt der „Dialog“-Gast mit einem Augenzwinkern: „Ich finde das sehr, sehr gut. Die deutsche Politik ist zu stabil, zu langweilig, zu vorhersehbar.“ Die jetzige Debatte tue ihr gut, sagt Kornblum. Vor diesem Hintergrund stört ihn auch der Einzug der AFD in den Bundestag kaum, selbst wenn er über die Partei nichts Gutes sagen könne. 

Dem jungen John Kornblum hat Anfang der 1970er Jahre die engagierte Auseinandersetzung über die Ostpolitik imponiert. Damals sei es im Bundestag manchmal wie im Zirkus zugegangen. Man habe gestritten, sich angeschrien, es gab Parteiaustritte, Bestechung und ein Misstrauensvotum. Nach seinem Eindruck haben heute viele Politiker Angst, den Menschen die Wahrheit zu sagen. Das wäre aber in diesen unstabilen Zeiten wichtig, um Veränderungen durchzusetzen, so die Mahnung des amerikanischen Gastes.


John Kornblum (rechts) im KWA Stift im Hohenzollernpark in BerlinDer ehemalige amerikanische Botschafter John Kornblum im Dezember 2017 zum Dialog im KWA Stift im Hohenzollernpark in Berlin

 


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