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„Dialog“ mit der Museumsleiterin und Kunsthistorikerin Dorothea Schöne

Die Direktorin des Kunsthauses Dahlem erzählt über die Vergangenheit ihres Hauses: Hitler hatte es als Staatsatelier für seinen Lieblingsbildhauer Arno Breker errichten lassen. Im Gespräch mit dem Journalisten Reinhard von Struve erläutert Dorothea Schöne, was NS-Kunst ausmacht und wie sie es geschafft hat, Neonazis von diesem jüngsten Museum Berlins fernzuhalten.

Berlin, im September 2017. – Am Rande des Grunewalds hatte der Regimearchitekt Albert Speer in seinem Entwurf für den Ausbau der Reichshauptstadt eine Achse von 20 monumentalen Künstlerateliers vorgesehen. Nur eines wurde bis 1942 verwirklicht: das für den Nazi-Vorzeigebildhauer Arno Breker. Dorothea Schöne zeigt dem „Dialog“-Publikum Wochenschauauschnitte, aus denen hervorgeht, dass Breker dort entgegen späteren Behauptungen schon ein paar Monate gearbeitet hatte, bevor ihn die wiederholten Bombeneinschläge aus Berlin vertrieben.

„Die Rechtsradikalen wollen keine jüdischen Exilanten sehen"

Die Kunsthistorikerin hat verhindern können, dass aus dem einstigen Nazi-Vorzeigebau eine Wallfahrtsstätte für Ewiggestrige wird: „Wir haben von Beginn an Pflöcke eingeschlagen, um deutlich zu machen, wofür das Haus steht und was wir aufarbeiten wollen.“ So verzichtet sie darauf, in ihrem Museum Plastiken Brekers zu zeigen. Stattdessen sind  im Kunsthaus Dahlem und in seinem Skulpturengarten vor allem Werke der deutschen Nachkriegsmoderne zu sehen – ein Schwerpunkt liegt bei Bernhard Heiliger, der von 1949 bis zu seinem Tod 1995 in dem Haus lebte und arbeitete und dessen Plastiken den Berlinern von vielen öffentlichen Plätzen vertraut sind. Und die Rede zur Museumseröffnung vor zwei Jahren hielt ein Sohn jüdisch-polnischer Emigranten. Es zeigte sich, dass Rechtsradikale kein Interesse an der Kunst jüdischer Exilanten haben, freut sich die Kunsthistorikerin. 

Nazi-Kunst diente der Nazi-Ideologie

Die Frage nach dem Typischen nationalsozialistischer Kunst lässt sich nach den Worten Schönes nicht leicht beantworten. Selbst die Kuratoren der berühmten Münchener Ausstellung sogenannter „entarteter Kunst“ 1937 seien sich da nicht immer einig gewesen und hätten fast verzweifelt nach einer Definition gesucht. Zu den Erkennungsmerkmalen gehören nach ihren Worten die Indienstnahme der Kunst für die Ideologie des Regimes, das bedeutete eingängige massentaugliche, realistische und leicht verständliche Themen. Dazu Verherrlichung des Kampfes, überbetonte Körperlichkeit, das Heldenhafte. Männer würden vor allem als muskulöse Siegertypen dargestellt, Frauen als blonde, gebärfreudige Mütter. Allerdings räumt Schöne ein, dass die Nazis das nicht erfunden haben. So bediente sich Arno Breker in seinen Plastiken überlebensgroßer Helden zum Beispiel aus der Antike und der Renaissance. Schöne spricht von einem „Potpourri der Vorbilder“. 

Verwandtschaft zum sozialistischen Realismus

Und dabei ist die Grenze zum sozialistischen Realismus durchaus fließend, sagt die Museumsleiterin. Auch ihm gehe es um eingängige Botschaften, monumentalistische Darstellungen, die Feier siegreicher Helden. Allerdings fehlten Themen wie Rassenreinheit und die Überhöhung des Kriegerischen.

In einer aktuellen Ausstellung sind im Kunsthaus Dahlem Werke unter anderen von Achim Freyer und Horst Bartnig zu sehen, denen es in den 1960er Jahren in der DDR gelang, sich dem Zwang zum sozialistischen Realismus zu entziehen und sich in einer Nische mit abstrakter Kunst zu behaupten. Diese Werke zeigen nach Schönes Worten, „dass Kunst auch ein soziales  und politisches Bekenntnis sein kann". Ein guter abstrakter Künstler beherrsche natürlich die realitätsnahe Abbildung, aber er sei durch Reflexion und die Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte in einem langen Werdens- und Findungsprozess zur Abstraktion gelangt. 

„Abstrakte Kunst ist nicht jedem eingängig“

Dorothea Schöne betont, „dass auch ein Meisterwerk abstrakter Kunst mit expressiver Strahlkraft in Farbe und Form nicht jedem eingängig ist“. Denn Kunst sei immer mit subjektivem Geschmack verbunden.

Wenn sie eine neue Ausstellung konzipiert, baut sie auf ihre Beobachtung: Im Museum laufen die Menschen meistens im Uhrzeigersinn herum. Also versucht Dorothea Schöne, wie sie sagt, in dieser Abfolge sogenannte „Eyecatcher“ zu positionieren, kleine Höhepunkte des Sehens. Im Grunde baue sie eine Theaterbühne auf. Dabei ist es ihr wichtig, viel zu erklären, ihr Wissen weiterzugeben, die Besucher mitzureißen. Eine Schau ohne Schrifttafeln und Erklärungen an der Wand kommt für sie nicht in Frage: „Ich denke sehr kulturhistorisch, will den Kontext zeigen und bin damit vielleicht altmodisch.“ 

Zum Abschluss des „Dialogs“ animiert Dorothea Schöne das Publikum, ins Museum zu gehen. Nichts in der digitalen Welt könne die Schönheit eines Kunstwerks ersetzen, vor dem man leibhaftig steht.    

 


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