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Dialog im Stift mit Berlinale-Direktor Dieter Kosslick

Er gehört schon 35 Jahre lang zu den einflussreichsten Managern der deutschen Filmbranche. Seit 2001 steht Dieter Kosslick an der Spitze der Berlinale, des – gemessen am Publikumszuspruch – größten Filmfestivals der Welt. Wie er im Gespräch mit dem Journalisten Reinhard von Struve beim Dialog im Stift im Hohenzollernpark bilanziert, kamen in diesem Jahr mehr als 330.000 Besucher in die Berlinale-Kinos.

Berlin, im November 2016. – Wenn der Festivaltermin nicht im Februar läge, könnten es noch mehr Besucher sein. In den 50er Jahren wurden die Berlinale-Filme noch an lauen Sommerabenden auch vor Tausenden von Zuschauern in der Waldbühne gezeigt, bestätigt Kosslick. In den 70er Jahren verlegte man das Festival jedoch in den Winter, um den Konkurrenten Cannes und Venedig zeitlich aus dem Weg zu gehen; sonst hätte Berlin keine Weltpremieren mehr bekommen. 

Kunst, Glamour und Geschäft gehören zusammen

Auf von Struves Frage, was für ihn im Vordergrund steht, Kunst, Glamour oder Geschäft, macht Kosslick klar, dass alle drei Bereiche aufeinander angewiesen sind: Die Filmkunst liefert der Berlinale die Daseinsberechtigung und erlaubt dem Staat als Veranstalter seinen 7-Millionen-Euro-Zuschuss. Die Stars locken mit ihrer Show die meisten der fast 4.000 Journalisten in die Stadt und sichern der Berlinale die erwünschte mediale Aufmerksamkeit. Das hilft den Sponsoren, die zusammen mit den Eintrittsgeldern den anderen Teil der Kosten decken. Dazu kommen Filmproduzenten und Prominente, die den Kontakt zu Künstlern suchen und den Festivalort Berlin „mit seiner speziellen Atmosphäre“ schätzen. Kosslick sagt, dass durch die Ausgaben der Besucher und die Steuern ein Vielfaches der Berlinale-Kosten hereinkommen. 

Dann zeigt der Festival-Chef den Zuhörern des Dialogs im Stift zwei kurze Filme vom Roten Teppich vor dem Festivalpalast. Er sagt, dass die Fernsehbilder mit der Begrüßung der Stars nur den kleinsten Teil seiner Arbeit belegen. Während des Festivals muss er täglich 50 Termine absolvieren - Gespräche mit Filmschaffenden, Journalisten, Geschäftsleuten und Politikern. Da helfe ihm gegen den Megastress, wie er sagt, seine gute Laune: „Ich habe als Gastgeber auch die Aufgabe zu zeigen, dass die Deutschen zum Lachen nicht in den Keller gehen.“ 

1.700 Menschen arbeiten während der Berlinale für das Festival

Zu Kosslicks Pflichten gehört natürlich die Organisation des Riesenevents: Er sieht sich da als Dirigent eines großen Orchesters. Alles muss reibungslos funktionieren vom Empfang der Gäste am Flughafen, über den Transport zwischen den verschiedenen Spielstätten bis hin zu den Pressekonferenzen und der Preisverleihung. 1.700 Menschen arbeiten an diesen Tagen für die Berlinale. 

Erste künstlerische Entscheidungen fallen jedoch lange vorher, einige jetzt schon für 2018. Kosslick ist 165 Tage im Jahr auf Reisen, um Filme zu sehen und Kontakte zu knüpfen. Das könne ihm niemand abnehmen, sagt er. „Ich trage die letzte Verantwortung für die künstlerische Gestaltung und fürs Geld.“ 

Als der Moderator wissen will, ob er mit seiner Filmauswahl gelegentlich unter Druck gerate und Beeinflussungsversuchen ausgesetzt sei, bejaht Kosslick das.  Die Berlinale zeige viele Filme, die „denen da oben nicht passen. Aber es ist ganz einfach: Wenn Sie ein einziges Mal diesem Druck nachgeben, sind Sie erledigt, denn das spricht sich natürlich herum. Außerdem wäre das Betrug.“ 

„Wenn es keinen guten deutschen Film gibt, zeigen wir keinen“

Kosslick legt Wert darauf, dass es politischen Druck bisher noch nie aus Deutschland gab, nur aus dem Ausland. Da beschwere sich schon mal ein Regierungschef bei der Bundesregierung, auch seien ihm schon Einreiseverbote und Schlimmeres angedroht worden. Aber die Berlinale habe sich noch nie von ihrem Kurs abbringen lassen, der natürlich auch ein politischer sei. Schon immer gehörten Filme zum Programm, die in ihrem Entstehungsland verboten waren.

Die Frage aus dem Publikum, ob es für die Auswahl der Filme Vorgaben gibt, beantwortet der Festivaldirektor mit einem Nein. Allerdings hat er sich mit seinem Team selbst zur Aufgabe gemacht, ein vielseitiges Programm zu bieten: viele Länder der Welt zu berücksichtigen, Männer und Frauen unter den Filmemachern, Etablierte und Unbekannte. Und welchen Maßstab legt er an deutsche Filme an? Es geht ihm um Qualität: „Natürlich wollen wir immer gern einen deutschen Film im Wettbewerb haben. Aber wenn es keinen guten gibt, dann zeigen wir keinen. Dann gibt es zwar Ärger, aber den halte ich aus.“ 

Die kleine Häsin in „Zoomania“ rührte Kosslick zu Tränen

Zum Schluss nennt Kosslick auf Bitten des Moderators Filme, die ihn zuletzt zu Tränen gerührt haben: einen, den er sich gemeinsam mit seinem 12jährigen Sohn angeschaut hat, nämlich den amerikanischen Animationsfilm „Zoomania“, in dem sich eine kleine Häsin als Polizistin gegen Gangster durchsetzt, und die deutsch-finnische Komödie „Zugvögel … Einmal nach Inari“, die mit der Botschaft endet, dass es im Leben nicht auf den kürzesten Weg zum Ziel ankommt, sondern auf den schönsten. 

 


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