Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
KWA Stift im Hohenzollernpark
Leben - so wie ich es will im KWA Stift im Hohenzollernpark

Dialog im Stift: Gibt es eine Flüchtlingskrise oder schaffen wir das?

Im KWA Stift im Hohenzollernpark diskutierten: Norbert Seitz, Ministerialdirektor für Migration und Integration im Bundesministerium des Innern, Daniela Seyda, Betreuerin mehrere Flüchtlingsheime, und Gabi Engelmann, ehrenamtlich Patin einer syrischen Familie

Berlin, 24. November 2015. – "Ist das Wort Flüchtlingskrise eine falsche Zuspitzung von Journalisten?" - die Eingangsfrage des Moderators Siegfried Knauer-Runge beim "Dialog im Stift" - eine Veranstaltung im KWA Stift im Hohenzollernpark. Norbert Seitz, Ministerialdirektor für Migration und Integration im Bundesministerium des Innern, wies den Begriff Krise zurück, auch wenn manche Menschen in Deutschland das so empfänden. Die wirkliche Krise spiele sich in Syrien ab, wo die Menschen ohne Hoffnung seien und in die Nachbarländer fliehen. Er bevorzuge den Begriff Herausforderung, vor der die deutsche Gesellschaft stehe, und das wohl auch noch in den kommenden beiden Jahren.

Daniela Seyda, die mehrere Flüchtlingsheime in Berlin betreut, lehnte den Begriff Krise ebenfalls ab. Sie berichtete von engagierten Sozialarbeitern und Freiwilligen, einem funktionierenden Willkommensbündnis und einer überwältigenden Hilfsbereitschaft der Berliner. Selbst wenn mancher über das Ziel hinaus schieße, beispielsweise mit der Spende von Skiern mitten im Sommer. Ihre Erkenntnis: „Es ist nicht immer leicht, die ganze Hilfe unter einen Hut zu bringen." Im weiteren Gesprächsverlauf lobte Seyda einzelne Unternehmen, die Praktika oder Minijobs für Flüchtlinge anbieten.

Gabi Engelmann, ehrenamtliche Patin einer syrischen Familie, denkt, dass es eine Krise allenfalls aus Sicht des einzelnen Flüchtlings gibt. Die deutsche Politik und auch Moscheegemeinden seien gefragt, wenn geflohene Menschen in der Kälte stehen müssen und Aufnahmekapazitäten fehlen. Die fehlende Solidarität anderer EU-Staaten sei ein Problem. Als weiteres Problem benannte Engelmann die fehlende Aufklärung der Flüchtlinge über unsere Kultur und die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland. Nur dann könne die Integration der Flüchtlinge klappen. Zu ihrer Patenfamilie berichtete Seitz, dass der Mann sich nach seinem Deutschkurs um ein Darlehen zur Existenzgründung bewerben will. Er möchte einen arabischen Feinkostladen eröffnen.

Ministerialdirektor Seitz warnte vor der Hoffnung, die Flüchtlinge könnten das Problem fehlender Fachkräfte lösen. Viele Gutqualifizierte gehen laut Seitz lieber in die USA oder nach Asien. Viele, die hier ankommen, seien nicht gut ausgebildet, manche könnten weder lesen noch schreiben. Zunächst müsse jedoch das menschliche Schicksal der traumatisierten Menschen im Mittelpunkt stehen, nicht ihr möglicher Einsatz in der Wirtschaft. Seitz wies zudem darauf hin, dass alles nur gelingen kann, wenn sich Deutsche und Flüchtlinge verstehen. Deshalb seien die 600 Stunden Deutschkurs für Ankommende mit Bleibeperspektive so wichtig. Integration gehe nicht mit Furcht voreinander und Sprachlosigkeit. Da könne sich auch die Islamkonferenz stärker engagieren.

In ihren Schlussworten nach einem interessanten "Dialog im Stift" waren sich die Gäste auf dem Podium darin einig, dass es die Lösung für das Einwanderungsproblem nicht gibt. Seydas Einschätzung: erfolgversprechend seien nur einzelne, kleine Schritte. Doch die Spenden, die aus dem KWA Stift im Hohenzollernpark kommen, seien sehr willkommen und etwas Besonderes. Ministerialdirektor Seitz ergänzte mit Blick auf Europa: „Solidarität fällt nicht vom Himmel". Die EU sei zu lange nur als Wirtschaftsbündnis verstanden worden.


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben