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Dialog im Stift mit Dr. Andreas Pauly: "Raubtiere sind von Natur aus oftmals zu faul zu jagen."

Der Tierarzt und Kurator des Berliner Tierparks Dr. Andreas Pauly diskutierte im „Dialog im Stift“ über wilde Tiere im Zoo.

Berlin, 22. Oktober 2015. – Eisbär Knut ist zu einer Weltberühmtheit geworden, obwohl der Tierschutzverein Berlin monierte, dass selbst die größten Gehege in Tierparks im Vergleich zum natürlichen Lebensraum der Tiere nur "winzige Gefängnisse" seien. Ein Berliner Bärenbündnis forderte im April die Freilassung von Schnute und Maxi, zwei Braunbären im Berliner Bärenzwinger. Als im Februar im Kopenhagener Zoo eine verstorbene Giraffe öffentlich an Löwen verfüttert wurde, ging ein Aufschrei des Entsetzens durch die Tierfreunde-Welt. Andererseits gibt es heute im Fernsehen und im Internet zahlreiche wunderbare Filme, die das Leben der Tiere in freier Wildbahn zeigen.

„Wenn man Zoos zumachen würde, würden die Menschen eine starke Verbindung zur Natur verlieren“, meint hingegen Dr. Andreas Pauly, „und das wäre doch schlimm!“ Der Tierarzt und Kurator des Berliner Tierparks war Gesprächsgast der Oktober-Veranstaltung „Dialog im Stift“ im KWA-Stift im Hohenzollernpark in Berlin. Das Thema: „Wildtiere in Menschenobhut - Sind Zoologische Gärten und Tierparks noch zeitgemäß?“

Erlebnisinszenierung und artgerechte Tierhaltung

„Nicht jeder kann sich eine Afrika-Safari leisten und selbst die besten Tierfilme können nicht das direkte Erlebnis ersetzen, einen Löwen oder ein Elefantenjunges beim Fressen zu sehen, zu riechen, beim Spielen zu beobachten“, begründete Dr. Pauly seine Befürwortung der Zootierhaltung. Natürlich müssten die Tiere „art- und verhaltensgerecht“ gehalten werden. Dies geschehe heute in allen Anlagen, zumindest in Deutschland, wo schon die strengen Tierschutzgesetze dafür Sorge trügen.

Unschuldig hinter Gittern oder glücklich Auserwählte

Die Kritik einiger Tierschützer und Tierschutzverbände, wonach die Zootiere ihrer natürlichen Bedürfnisse, wie dem Jagdverhalten sowie der freien Wildbahn, ihrer Reviergrenzen und Wanderrouten beraubt seien, ließ der Kurator nicht gelten. „Ganz im Gegenteil, die Tiere betrachten ihre Freianlage als ihr Revier, wo sie vor ihren Feinden sicher sind.“ So könnten beispielsweise Zebras oder Gazellen mit Leichtigkeit über die Zäune oder Gräben springen, täten es aber nicht. „Warum ziehen jedes Jahr Tausende von Gnus und Zebras durch die Serengeti?“, fragte Dr. Pauly und antwortete sogleich: „Weil sie nach Nahrung suchen.“ Im Zoo aber werden die Tiere gefüttert und die Nahrungssuche entfällt. „Nahrung zu finden ist für alle Tiere ein enorme Kraftanstrengung, die sie aber lieber vermeiden würden.“

Fleisch vom Fließband für faule Geparden

So habe man beispielsweise versucht, für Geparden eine Jagdstrecke zu schaffen. Quer über ein großes Freigelände wurde ein Draht gespannt, über den ein Stück Fleisch an einer Rolle gezogen wurde. Die schnellen Wildkatzen – sie können über kurze Strecken auf bis zu 110 kmh beschleunigen – jagten ein-,  zweimal dem Fleisch hinterher und schnappten es am Ende auch. Doch schon bald hatten die cleveren Tiere das System begriffen und jagten nicht mehr der Rolle hinterher, sondern setzten sich ans Ende der Laufbahn ins Gras und warteten, bis die Beute angerollt kam.

Der Zoo als Schutzraum für bedrohte Arten

In der Regel gehe es allen Tieren im Zoo gut, sagte Dr. Pauly. Das sehe man schon daran, dass die meisten im Tierpark älter würden als in der sogenannten freien Wildbahn. Außerdem schwinde die „freie Natur“ für viele Tiere immer stärker dahin. „Man muss mal über Malaysia fliegen, da sieht man keinen Urwald mehr, nur noch Ölpalmen-Plantagen“, kritisierte der Tierarzt. So dienten Zoos und Tierparks heute auch verstärkt der Erhaltung von vom Aussterben bedrohter Tierarten.


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