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50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
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Einge Mitarbeiter von KWA

50 Jahre KWA Wohnstift – 50 Jahre KWA Georg-Brauchle-Haus

Festrede des Gerontologen Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse – Ansprache von KWA Vorstand Dr. Stefan Arend – Grußworte des stellvertretenden KWA Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Ekkehart Meroth sowie der Münchner Stadträtin Anja Burkhardt – Musik vom Ersten Münchner Salonorchester

München, 10. Oktober 2019. – Stiftsdirektorin Petra Werle konnte zur Feier des Jubiläums 50 Jahre KWA Georg-Brauchle-Haus und 50 Jahre KWA Wohnstift zahlreiche Ehrengäste begrüßen: Stadträtin Alexandra Gaßmann in Vertretung des Münchner Oberbürgermeisters, Stadträtin Anja Burkhardt, Ehrenbürger Heinrich Traublinger, die ehemalige Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Dr. Gertraut Burkert, die Tochter des Haus-Namensgebers Hannelore Brauchle, den stv. KWA Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Ekkehart Meroth, sowie die KWA Aktionäre Dr. Ludwig Bergschneider und Dr. Axel Klopprogge, als auch die beiden KWA Vorstände Horst Schmieder und Dr. Stefan Arend. Einen herzlichen Gruß ins Publikum schickte Werle zudem in Richtung der ehemaligen Stiftsdirektorin des Georg-Brauchle-Hauses Gisela Rellecke, ehe sie Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse willkommen hieß. 

Der Gerontologe, Psychologe und Demograph Andreas Kruse leitet an der Universität Heidelberg das Institut für Gerontologie und die Altenberichtskommission der Bundesregierung. Zum Jubiläum im KWA Georg-Brauchle-Haus in München hielt er den Festvortrag. Ihm gelang es, das Publikum mit ausgewählten Gedichten und seinen Gedanken zum Leben im Alter so zu fesseln, dass wir diesem Beitrag eine Sonderseite widmen, siehe 50 Jahre KWA Wohnstift - ein Blick auf das Alter.

Das Jahr der Eröffnung des Georg-Brauchle-Hauses verbinden viele mit einem ganz besonderen Ereignis: 1969 landeten mit der Apollo 11 die ersten Menschen auf dem Mond. Die Bedeutung der Eröffnung des ersten KWA Wohnstifts sei für München jedoch eine größere Sensation gewesen – so Petra Werle, mit einem Augenzwinkern.

KWA Vorstand Dr. Stefan ArendKWA Vorstand Dr. Stefan Arend nahm den Ball auf, den die Stiftsdirektorin zugespielt hatte, gab weitere Stichworte zu 1969: Das legendäre Woodstock-Festival im US-Bundesstaat New York. Die erste Regierungserklärung des Bundeskanzlers Willy Brand, unter dem Motto "Wir wollen mehr Demokratie wagen". Die Emanzipation der Frau, mit eigenem Bankkonto und Arbeitsvertrag ohne die Unterschrift des Ehemanns. Und München auf dem Weg zur Großstadt, in Vorfreude auf Olympia 1972. Während all dieser Ereignisse wurde auf dem Reißbrett für die grüne Wiese in München etwas ganz Neues und Visionäres entwickelt: Neuperlach. „Als Zeichen von Modernität und eines neuen Lebensgefühls – jenseits der engen, unbequemen Altstadt mit ihren Unannehmlichkeiten und Beschwernissen", so der KWA Vorstand.

Die Planung und der Aufbau von Neuperlach war in den 1960er Jahren das größte Wohnungs- und Stadtbauprojekt in ganz Europa, auf einer Fläche von 1050 Hektar, mit 25.000 Wohneinheiten für 80.000 Menschen.

Häuser mit Aufzügen, Zentralheizung und Balkonen wurden gebaut. Zudem der neue, riesengroße Ostpark. „Und mitten drin, im ersten Bauabschnitt – Wohngebiet Nord – das Georg-Brauchle-Haus", führte Arend aus. "Ein Haus nur für Senioren – mitten im neuen Stadtviertel." Alte Menschen rückten damit in den Fokus öffentlicher Wahrnehmung. Denn rings herum waren es vor allem junge Familien mit vielen Kindern, die hier ihre Heimat fanden. Das Wohnstift wurde nach Georg Brauchle, dem jungen innovativen, modernen Bürgermeister, benannt, der zusammen mit seinem jungen, innovativen, modernen Oberbürgermeister, Hans-Jochen Vogel, München neue Züge gab – auf der Basis bajuwarisch-münchner Traditionen. Von daher sei der frühe Unfalltod von Georg Brauchle ein großer Verlust für München gewesen.

Die Altenheime der 1950er und 1960er Jahre haben laut Arend keine Wertschätzung gegenüber der Lebensleistung alter Menschen ausgedrückt. „Mit Wohnstiften und hier mit unserem Georg-Brauche-Haus wurden vor 50 Jahren neue Maßstäbe gesetzt: architektonisch, aber vor allem auch konzeptionell. Wir können unseren Gründern, allen voran Herrn Hermann Beckmann, der hier, in seinem ersten Haus zusammen mit seiner Ehefrau bis zum Tod gelebt hat, sehr dankbar sein. Das waren wichtige, innovative Schritte für die Lebensgestaltung im Alter", so der KWA Vorstand.

Die Wohnraumgestaltung in den Wohnstiften, die Privatheit, persönliche Freiheit und Autonomie mit Gemeinschaft verknüpfte, sowie die Ausstattung der Räume in Verbindung mit gastronomischen wie kulturellen Angeboten sei bahnbrechend gewesen. Und zu einer Zeit, in der weite Teile Deutschlands noch auf einen Telefonanschluss warteten, sei das eigene Telefon in der Stiftswohnung fast schon revolutionär gewesen. Zudem garantierten die vorhandenen Sorgestrukturen Pflege und Betreuung rund um die Uhr. „Das sind die konzeptionellen Eckpfeiler unserer KWA Wohnstifte und unseres Georg-Brauchle-Hauses: Wohnen und Service, Kultur, Pflege und Begleitung – eingebettet in die Nachbarschaft und das soziale Umfeld: 1969 und auch heute 2019", betonte der KWA Vorstand. 

Arend warf schließlich noch ein Schlaglicht auf die Weiterentwicklung der Sorgestrukturen in KWA Wohnstiften. „Mit einem 24 Stunden präsenten ambulanten Pflegedienst, mit Tagesbetreuung, Tagespflege, persönlicher Assistenz und den umfassenden Angeboten des Konzeptes Wohnen plus können wir viel individueller Hilfe und Unterstützung anbieten als in den heute viel zu starren Regeln vollstationärer Pflege", so der Vorstand. Das Georg-Brauchle-Haus blieb durch Erweiterungen, Sanierungen und Modernisierungen auf der Höhe der Zeit. Mit dem Neubau von „Haus Ramersdorf“ im Jahr 2010 wurden große, moderne Wohnungen geschaffen, zudem eine Physiotherapie und ein Schwimmbad. Auch der Eingangsbereich wurde neu gestaltet.

Die Münchner Stadträtin Anja Burkhardt bei ihrem Grußwort zum Jubiläum im KWA Georg-Brauchle-HausDie Münchner Stadträtin Anja Burkhardt stieg in ihr Grußwort mit dem Pythagoras-Zitat ein, das mit der Einladungskarte an alle Festgäste gegangen war: "Das Gestern ist fort, das Morgen nicht da, leb also heute." Das sehe sie ähnlich. Das Georg-Brauchle-Haus sei ihr seit vielen Jahren ein Begriff, unter anderem durch ihre Zugehörigkeit zum Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach. Ein persönlicher Kontakt entstand, als eine ihrer Töchter im Jahr 2016 beim KWA Schülerliteraturwettbewerb den zweiten Preis zugesprochen bekam. Die Preisverleihung fand im Georg-Brauchle-Haus statt, im Festsaal. "Eine großartige Veranstaltung, verbunden mit der Möglichkeit, den Menschen einen Einblick in dieses Haus zu geben", so Burkhardt.

Am Rande der Preisverleihung habe sie unter anderem erfahren, dass KWA Vorstand Dr. Stefan Arend lange Jahre in ihrer Heimatstadt Fulda tätig gewesen war und er ihren damaligen Chef ganz gut kenne. Auch zu einer Jurorin des Wettbewerbs fand sich eine Verbindung. Über den Kontakt zu KWA seitdem freue sie sich sehr. Damit sei die Gegenwart und die Vergangenheit ein klein wenig beschrieben. Für die Zukunft wünschte die Stadträtin, auch im Namen des Oberbürgermeisters, alles Gute, zudem wünsche sie sich die Fortführung von Projekten mit jungen Menschen und viele neue Ideen zur Einbindung der Bewohnerinnen und Bewohner, sodass Generationen zusammengeführt werden und die Gegenwart im Haus gehalten wird.

Der stv. KWA Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Ekkehart Meroth bei seinem Grußwort zur 50-Jahr-Feier im KWA Georg-Brauchle-Haus in MünchenDer stv. KWA Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Dr. Ekkehart Meroth sprach ein Grußwort im Namen des KWA Aufsichtsrats, überbrachte Glückwünsche, auch im Namen des Aufsichtsratsvorsitzenden Prof. Dr. Manfred Matusza und der KWA Aktionäre. "Es ist für uns, die wir im Ehrenamt tätig sind, eine Ehre, unser Wissen einzubringen. Und es ist eine Freude zu sehen, wie das Georg-Brauchle-Haus gedeiht und seine Jugend immer wieder neu erfindet." Den Stadträtinnen bescheinigte er, dass die Stadt München das Unternehmen in den vergangenen 50 Jahren stets gut begleitet habe. "Dafür ein herzliches Dankeschön." Meroth dankte auch den Bewohnern, die KWA tragen, zudem den Mitarbeitern: "Sie sind diejenigen, die mit ungeheurer Mühe, Liebe und Engagement versuchen, den Anspruch, den KWA hat, zu realisieren: sodass den Bewohnern ein selbstbestimmtes Altern möglich ist." Das sei durchaus schwierig in einer Welt, die sich laufend ändert. 

Auf die Mondlandung im Jahr 1969 sei mehrfach verwiesen worden. Dazu wolle er sagen: "Es sind bis jetzt nur um die zwanzig Menschen zum Mond gekommen. Und die waren nur ein paar Stunden dort. Da war das Georg-Brauchle-Haus doch deutlich erfolgreicher." Für diese humorvolle Anmerkung erntete Meroth Applaus. Doch dann fuhr er in ernstem Ton fort: Es sei eine Kunst, das Gespräch zwischen Jung und Alt aufrechtzuerhalten. Die Jungen verstünden bisweilen die Sprache der Alten nicht, und die Alten die der Jungen nicht. Wenn man jedoch das tue, was im Georg-Brauchle-Haus passiert – nämlich Kinder und Jugendliche mit alten Menschen zusammenbringt – könne das miteinander Reden gelingen. Ein Lob galt auch dem Ersten Münchner Salonorchester. Von seinem Wohnort Bad Krozingen und dem dortigen Kurorchester wisse er, "dass Sie eine Musik spielen, die die Menschen verstehen". 

Dem Festvortrag folgte ein Podiumsgespräch, das KWA Vorstand Dr. Stefan Arend moderierte. Dabei sprachen Stiftsbewohner über ihre Beweggründe, in ein Wohnstift zu ziehen. Eveline Kroh berichtete, dass ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes einsam geworden war. Sie wollte das ändern, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch alles selbst regeln konnte. Sie habe mit dem Einzug im Wohnstift die Gemeinschaft gefunden, die sie gesucht habe. Man respektiere einander – auch dann, wenn jemand mal die Wohnungstür zumachen und für sich allein sein möchte. Sie wolle ein positiver Mensch sein, betonte: „Mich kann man ansprechen. Ich tue gerne etwas für andere. Ich freue mich auch, wenn ich jemanden aufmuntern kann.“ Kurt Lange, ein Mitglied des Stiftsbeirats, war zunächst aus pragmatischen Gründen ins Wohnstift gezogen: Die Frau war verstorben und das Treppensteigen fiel ihm zunehmend schwer. Im Georg-Brauchle-Haus gibt es einen Aufzug – und Menschen, die sich um ihn und die Stiftswohnung kümmern. Das ehrenamtliche Engagement als Mitglied des Stiftsbeirats bereite ihm Freude. Und er denkt: „Wir haben noch viele Kapazitäten im Haus. Bewohner mit großen beruflichen Erfahrungen und viel Wissen. Das könnten sie weitergeben – so ähnlich wie bei einem Volkshochschulkurs.“ Pflegedienstleiterin Dorothea Aggelakos arbeitet seit beinah 40 Jahren im Georg-Brauchle-Haus. Sie berichtete, wie anders doch alles in ihren beruflichen Anfangsjahren war: „Es gab auf der Pflegestation eiserne Bettgestelle, jedoch viel Zeit, uns mit den Menschen zu befassen.“ Im Wohnbereich des Stifts habe es für Pflegekräfte gar keine Arbeit gegeben. Heute seien die Ansprüche und Anforderungen in der Pflege deutlich höher und die Erkrankungen komplexer. Trotzdem würde sie den Beruf jederzeit wieder wählen und sich dann vielleicht nach einem Studium auf Casemanagement spezialisieren. Das hält sie für besonders interessant. 

Das Erste Münchner Salonorchester umrahmte den Abend mit beschwingter Musik. Der Leiter des Instrumental-Ensembles, Thomas Hellhake, verriet, dass es auch für das Orchester ein Jubiläum zu feiern gab: Zum Jahresbeginn hat das Erste Münchner Salonorchester nun schon zum 25. Mal im Festsaal des Georg-Brauchle-Hauses ein Neujahrskonzert aufgeführt. – Dafür gab es Extra-Applaus.

Stiftsdirektorin Petra Werle überraschte die KWA Vorstände, Horst Schmieder und Dr. Stefan Arend, zum Abschluss des offiziellen Festakts mit einer Aufgabe: Sie sollten im Foyer des Wohnstifts – an einem markanten Punkt, vor einer großen Steinkugel – symbolisch einen neuen Grundstein legen. Etliche Festgäste drängten sich um den Ort des Geschehens, um zu sehen, wie es um die handwerklichen Talente des Vorstands bestellt ist. Die Erkenntnis: gut. Tatsächlich konnten Arend und Schmieder den Erinnerungsstein mit ein wenig Mörtel mühelos einsetzen. In den „Stein“ sind die Jahreszahlen 1969 und 2019 eingeprägt. 

Das Foyer bot am Jubiläumstag einen weiteren Blickfang: eine auf Hochglanz polierte BMW Isetta, die an das Jahr der Hauseröffnung erinnern sollte. So gut wie alle Bewohner und Gäste ließen sich am schmucken kleinen Fahrzeug fotografieren, das mit einer Fronttür Geschichte schrieb. Das Rollermobil wurde zwar nur von 1955 bis 1962 gebaut, war bis Anfang der 1970er-Jahre jedoch recht häufig auf der Straße zu sehen. Bei BMW wurde es als „Motocoupé“ geführt. Mit einem Benzinverbrauch von etwa 3,45 Litern/100 km bei 57 km/st“ (Werksangabe) kann die Isetta als erstes in Großserie gebautes 3-Liter-Auto der Welt angesehen werden. Ihr kleiner Einzylindermotor und ihr geringes Gewicht machten die Isetta so sparsam. 

Die Stiftsküche hatte ein "Flying Buffet" vorbereitet - so konnte die Feier mit Gaumengenüssen und Gesprächen ausklingen.

Sieglinde Hankele


Beitrag zur Festrede von Prof. Dr. Andreas Kruse
Bildergalerie zur Feier



Gruppenbild zum Jubiläum 50 Jahre KWA Wohnstift und 50 Jahre KWA Georg-Brauchle-Haus, von links: Anja Burkhardt (Stadträtin), Dr. Stefan Arend (KWA Vorstand), Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas Kruse (Festredner), Horst Schmieder (KWA Vorstand), Ilse Flach (Stiftsbeiratsvorsitzende), Petra Werle (Stiftsdirektorin) - Foto: KWA / Jörg Peter Urbach


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