Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Einge Mitarbeiter von KWA

Das moderne klassische Wohnstift

Ein Beitrag von Prof. Dr. Roland Schmidt

Das Wohnstift ist eine eingeführte Wohn- und Versorgungsoption für das fortgeschrittene Alter. Es hat sich keineswegs überlebt. Vielmehr zeigt die Entwicklung der KWA Wohnstifte in den vergangenen 20 Jahren, dass es gelungen ist, diese Wohnform an sich wandelnde Rahmenbedingungen anzupassen. Wobei sich das veränderte Anforderungsprofil zum einen aus dem Altersstrukturwandel allgemeiner Art und zum anderen aus den besonderen Kundenpräferenzen speist.

Bekanntlich leben wir in einer Gesellschaft des langen Lebens. Eine Entwicklung, die längst dazu geführt hat, dass man von einem „dritten“ und „vierten Alter“ spricht. Wohnstifte sind attraktiv für Menschen, die bereits ein hohes Lebensalter erreicht haben. Sie akzentuieren Selbstständigkeit in einer anregenden Umwelt und gepflegten Gemeinschaft. Daneben ist der Wunsch virulent, angesichts der Beeinträchtigungen, die das hohe Alter oftmals begleiten, dergestalt vorzusorgen, dass – bei Beachtung von Selbstbestimmung – Unterstützung und Sorgeverantwortung geleistet werden.

Gesellschaftliche Trends fördern eine solche Motivationslage. Der Geburtenrückgang in Deutschland kommt in erster Linie dadurch zustande, dass der Anteil von (Ehe-)Paaren allmählich steigt, die zeitlebens kinderlos geblieben sind. In der Gruppe der 1965 geborenen Frauen sind das rund 30 Prozent. Ein Durchschnittswert, der bei höherem Bildungsniveau noch steigt. Vorsorge für das hohe Alter kann hier nicht auf praktizierte Solidarität der Generationen in der Familie setzen. Zudem stehen selbst bei Vorhandensein einer Kindergeneration in Folge globalen Wirtschaftens Angehörige nicht zwingend im Nahraum zur Verfügung, um praktische Hilfe leisten zu können. Auch hier gilt: Die „multilokale Familie“ ist in Berufen mit höheren Bildungsvoraussetzungen häufiger verbreitet als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Das hohe Alter zu leben bedeutet daher auch, sich eigenverantwortlich um Rahmenbedingungen zu kümmern, die das Leben im hohen Alter mit seinen Risiken flankieren: weil eine Kindergeneration nie existierte oder weil sie in der Ferne beruflich verpflichtet ist. Wohnstifte stellen eine Option dar, wie Eigenverantwortung praktiziert und Prävention realisiert werden kann.

Es ist vor diesem Hintergrund naheliegend, dass Wohnstifte sich entsprechend ausrichten. Die klassische Orientierung auf „Wohnen und Service“ ist angesichts steigender Kundenerwartungen mit Blick auf Wohnqualität und Lebensstil zunächst fortlaufend auf dynamisch sich entwickelnde Niveaus anzugleichen. Eine Herausforderung, deren Größe nicht zuletzt vom Baujahr eines Wohnstifts abhängt. Neben der traditionellen Angebotssäule haben Wohnstifte in den vergangenen 20 Jahren mit „Begleitung und Pflege“ eine zweite Angebotssäule ausgebildet. Damit entsprechen sie der Sorgeverantwortung, die Bewohner im Bedarfsfall erwarten und die rund ein Drittel der Bewohner eines KWA Wohnstifts aktuell beansprucht.

Das moderne Wohnstift schlägt somit einen weit gezogenen Bogen von praktizierter Lebensautonomie in ansprechendem Ambiente an dem einen Pol bis hin zu einer fachlich den State of the Art repräsentierendenpalliativen Versorgung am anderen Pol. Die parallele Erfüllung solch heterogener Anforderungen und ihr Ausbalancieren charakterisieren das neue Wohnstift von heute.

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 3/2016


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben