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50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
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Einge Mitarbeiter von KWA

KWA mit 75 Jahren

Ein Ausblick, verfasst von den KWA Vorständen Dr. Stefan Arend und Horst Schmieder.

Im Jahre 2041 wird KWA Kuratorium Wohnen im Alter seinen 75. Geburtstag feiern. Wie wird das wohl sein? Was werden sich bis dahin für Veränderungen ergeben? Natürlich lassen sich – zum Glück – nicht alle Entwicklungen, die in der Zukunft liegen, voraussagen. Wie langweilig und planbar wäre auch ansonsten unser Leben und unsere Welt. Doch einige künftige Gegebenheiten lassen sich zumindest holzschnittartig greifen.

Denn blickt man auf die vergangenen 50 Jahre, so haben sich die Grundbedürfnisse der Menschen nicht wesentlich verändert und werden sich auch in den kommenden 25 Jahren kaum verändern. Neben Nahrung und Wohnraum sind Menschen Sicherheit und soziale Kontakte wichtig, zudem die Befriedigung individueller Bedürfnisse, Zugang zu Bildung und die Freiheit der Meinungsäußerung. Dies alles ist uns hier in Westeuropa selbstverständlich geworden. Setzt man voraus, dass dies auch in den nächsten 25 Jahren so bleibt, werden die zu erwartenden Veränderungen „überschaubar“ bleiben und vornehmlich vom technischen Fortschritt, dessen bedeutendste Veränderung durch die Digitalisierung bereits eingeleitet ist, bestimmt werden.

Soziale Betreuung wird in 25 Jahren eine größere Rolle spielen als heute

Allerdings kann sich, je nach soziologischen und politischen Entwicklungen, die „Rangfolge“ der Bedürfnisse ändern. Die jetzt schon wahrnehmbare, zunehmend ungleiche Verteilung der Vermögen und des Wohlstands könnte in der Zukunft, insbesondere bei älteren Menschen, zu Verunsicherung führen. Darauf wird KWA gegebenenfalls mit adäquaten Konzepten eingehen – beispielsweise, um ein gestiegenes Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen zu können. Und angesichts immer mehr kinderlos bleibender Menschen wird soziale Betreuung eine größere Rolle spielen als heutzutage. Auch das kann in KWA Wohn- und Pflegestiften geleistet werden.

Vorhersagen zu treffen über Ereignisse, welche unerwartet eintreten, wie zum Beispiel eine Finanzkrise, ist – wie die Erfahrung zeigt – kaum möglich. Sich als Unternehmen darauf einzustellen ebenso wenig. Dennoch hat KWA als Eigentümer von Stiften und Einrichtungen die Möglichkeit, auf veränderte Umstände und Wünsche zu reagieren und Dienstleistungen in den Einrichtungen bei Bedarf anzupassen. Trägern von Senioreneinrichtungen, die sich von ihrem Besitz getrennt haben
und nur noch Betreiber sind, wird das nur schwerlich möglich sein.

Wenn das Durchschnittsalter unserer Bewohner beim Einzug – wie in den zurückliegenden 25 Jahren – auch in 25 Jahren bei rund 80 Jahren liegen wird, dann kommen zu unserem 75. Firmengeburtstag die 1960er Jahrgänge in unsere Einrichtungen. Es sind also die Babyboomer-Jahrgänge, die das Leben in den KWA Einrichtungen beherrschen werden, so wie es heute die sogenannten Aufbaujahrgänge sind, die nach 1945 als junge Erwachsene die Wirtschaftswunderzeiten im Westen erleben und gestalten konnten. Als die deutsche Wiedervereinigung 1989 Wirklichkeit wurde, waren sie in ihren „besten Jahren“.

Für 2041 zu erwarten: Entschleunigung im Beruf, Engagement in der Freizeit

Beamen wir uns also einmal gemeinsam ins Jahr 2041: Die neuen Bewohner sind anders geprägt als die von 2016. Nach euphorischen Zeiten in einem grenzenlosen Europa musste diese Generation tiefgreifende Veränderungen, Rückschritte und Einschnitte in vielen Lebensbereichen und -kreisen meistern. Die früher scheinbar festen Meilensteine im Lebenslauf der Menschen in unserem Kulturkreis wurden, ja mussten neu vermessen und gesetzt werden: Die Digitalisierung hat die Arbeitswelt, die Mobilität und die Kommunikation nachhaltig verändert. Viele Berufe werden durch Vernetzung und Echtzeit-Kommunikation getaktet und bestimmt. Internet ist im öffentlichen Raum überall frei verfügbar. Elektroautos sind in Großstädten omnipräsent, können per Smartphone für ein paar Stunden gebucht, mit anderen Nutzern geteilt und dann wieder an einer Elektrotankstelle abgestellt werden.

Eine Entschleunigung im Beruf, mit handy- und internetfreien Stunden, sowie eine Renaissance im Freizeitverhalten halten Einzug: Die Digital Natives schätzen es, Face to Face zu kommunizieren, Arbeit wieder menschlichen Bedürfnissen anzugleichen und auch Natur zu erleben. Sie wandern und klettern und fahren Rad in ihrer Freizeit, respektieren Tiere und Pflanzen – und anders denkende Menschen. Doch bei allen diesen Veränderungen: Das Produkt Wohnstift für ein Leben im Alter trägt über die Jahre und die historischen Entwicklungen hinweg und ist auch im Jahr 2041 stimmig. Die Verbindung von individueller Lebensgestaltung und der Sicherheit durch Sorgestrukturen in Gemeinschaft passt auch zu kommenden Generationen. Vielleicht sogar noch passgenauer als zuvor. Denn eine Gesellschaft des langen Lebens hat Generativität (wieder) lernen müssen, also die Verantwortung einer jeden Generation für die jeweils nachfolgenden. Die Generationen nach den Babyboomern, seien es die „Digital Natives“ oder die Generationen „X“ und „Y“, reichen rein zahlenmäßig nicht im Entferntesten an die geburtenstärksten Jahrgänge der 1960er heran. Damit das Zusammenleben in einer solchen Gesellschaft gelingen kann, mussten rechtzeitig neue Regeln gefunden werden.

In einer sorgenden Gesellschaft von 2041 – auch in einem KWA Wohnstift – engagieren sich ältere und alte Menschen für ihre Nachbarn und Mitbewohner und kümmern sich – je nach Möglichkeit – um ihren Sozialraum und gestalten ihn aktiv mit. Sie wissen sich gleichzeitig in Sicherheit einer Gemeinschaft, durch die dort tätigen Mitarbeiter und durch die freiwillig Engagierten, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sich ihr tätig stellen. Die Zusammensetzung der KWA Mitarbeiterschaft hat sich damit auch verändert, neue Berufsbilder sind zu den traditionellen hinzugetreten, Aufgabenstellungen haben sich stärker ausdifferenziert.

Als Fazit ist festzustellen, dass unter Würdigung verschiedenster Aspekte das Wohnstift – die Verbindung von Wohnen mit Dienstleistungen, Sicherheit und verlässlichen Sorgestrukturen – für ein Leben im Alter weiterhin ein attraktives Angebot für unsere Zielgruppe sein kann und sein wird.

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 3/2016


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