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Aspekte der palliativen Pflege

Von Dr. Stefan Arend.

Unterhaching, im Juli 2015. – KWA hat ein Rahmenkonzept „Palliative Care“ erarbeitet, um so die Grundlagen für die Entwicklung einer adäquaten Begleitung am Lebensende in allen Einrichtungen zu schaffen. Im Zentrum palliativer Versorgung stehen die umfassende Begleitung, Pflege und Behandlung von Menschen mit unheilbaren, lebensbedrohlichen oder chronisch fortschreitenden Erkrankungen, zu einem Zeitpunkt, an dem eine Heilung der Erkrankung als nicht mehr möglich erachtet wird. 

Umfassende Betreuung und Behandlung am Lebensende im palliativen Sinn erkennt zunächst das Selbstbestimmungsrecht des sterbenden Menschen als besonderes Gut an, bezieht das familiäre und soziale Umfeld ein: mit dem Ziel, wichtige persönliche Bezugspersonen in ihrer Sorgeverantwortung und ihrem Engagement zu stärken. Schließlich fußt palliative Begleitung auf Kommunikation und Kooperation interner und externer Akteure, die im Zusammenwirken eine individuelle, dem Bedarf und den Bedürfnissen entsprechende sowie abgestimmte Vorgehensweise ermöglichen. 

In diesem Sinne ist es unabdingbar, dass alle Mitarbeiter, die personenbezogene Dienstleistungen erbringen, die Inhalte des KWA Rahmenkonzepts anwenden: also Fachkräfte und Nicht-Fachkräfte, die in ihrer Tätigkeit mit dem Prozess des Sterbens von Bewohnern oder ambulant versorgter Menschen konfrontiert sind. Zudem ist es für die Entwicklung einer Kultur palliativer Begleitung und Pflege hilfreich, wenn auch Mitarbeitergruppen, die gelegentliche Bewohnerkontakte unterhalten, über die Grundphilosophie von Palliative Care informiert sind. Die Implementierung einer Kultur palliativer Begleitung und Pflege umfasst mehrere Dimensionen, die im Sinne der Organisationsentwicklung bei KWA zu leisten sind:

Die Versorgung sterbender Menschen hat sich – im Rahmen der rechtlich-normativen Vorgaben – konsequent an deren Bedürfnissen auszurichten. Dabei fällt der Linderung belastender Symptome eine zentrale Rolle zu.

Es müssen Bildungsprogramme geschaffen werden,  damit eine kundige und die Bedürfnisse sterbender Menschen reflektierende Begleitung und Pflege ermöglicht wird und zu einer entsprechenden Haltung der Mitarbeiter führt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass unterschiedliche pflegefachliche Zielsysteme gleichrangig zu entwickeln sind: neben aktivierender und rehabilitationsorientierter Pflege auch eine palliative Orientierung.

Eine umfassende palliative Versorgung hat die Bildung und Pflege von Netzwerken zur Voraussetzung, denn Palliative Care bemisst sich auch an der Qualität der Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen und Akteure, die Fachlichkeit und Beruf einerseits sowie bürgerschaftliches Engagement andererseits systematisch verbindet.

Palliative Care schließt ein, dass eine Abschiedskultur entwickelt ist. Eine solche Kultur ist unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass gewünschte Rituale mit dem sterbenden Menschen und seinen Bezugspersonen abgestimmt werden können und auch kulturelle und religiös-spirituelle Besonderheiten sowie – bei Bedarf – Erfordernisse kultursensibler Pflege beachtet werden.

Eine professionelle Vorgehensweise zur Förderung von Lebensqualität mittels palliativer Begleitung und Pflege und das Selbstverständnis, dass sterbende Menschen selbstverantwortlich handeln und nicht passive Adressaten von Unterstützung Dritter sind, verdeutlichen die Bedeutung einer wertschätzenden Haltung, die das Lebensende selbstverständlich einschließt. In der Gerontologie wird die Selbstverantwortung im Prozess des Sterbens herausgestellt. Fachliche Begleitung sterbender Menschen sollte daher darauf abzielen, die Selbstverantwortlichkeit des Betroffenen zu fördern und zu stärken. Der Bewohner ist demnach weiterhin Regisseur des eigenen Lebens – auch im Prozess des Sterbens.

Palliative Versorgung muss zwingend auch Angehörige und Vertrauenspersonen in den Blick nehmen. Denn halten Bezugspersonen den Kontakt aufrecht und üben sie Sorgeverantwortung aus, ist dies für Bewohner im Regelfall von höchster Bedeutung. Die wahrgenommene Sorge wichtiger Personen ist für die Bewältigung der Situation substanziell. Ihr kommt neben Schmerzfreiheit zentrale Bedeutung für Lebensqualität auch in der finalen Phase des Lebens zu. 

Wir wissen, wie wichtig systematisch entwickelte Kooperationen und Netzwerke für die palliative Arbeit sind. Die Zusammenführung von Medizin mit psychosozialen Aspekten ist sicherzustellen. Diese interdisziplinäre Abstimmung soll im Zuge der Begleitung ärztlicher Visiten erfolgen und bei Bedarf in Fallbesprechungen. Leider sind palliativmedizinische Kompetenzen in Deutschland nicht flächendeckend präsent. Dies erschwert eine Netzwerkbildung. Dennoch wird sie bei KWA konsequent verfolgt. Neben der Kooperation mit Ärzten kommt der Zusammenarbeit mit ambulanten Hospizgruppen ein besonderer Stellenwert zu. 

Zur Unterstützung der Mitarbeiter bei der Aufgabe, sterbende Menschen im Sinne des vorliegenden Rahmenkonzepts zu begleiten und zu pflegen, wird KWA in den kommenden Jahren Schritt für Schritt ein abgestuftes Bildungsprogramm schaffen. Dabei werden alle Mitarbeiter über das Rahmenkonzept Palliative Care informiert und geschult. Mitarbeitergruppen, die personenbezogene Dienstleistungen erbringen, erhalten in breitem Ausmaß eine Schulung in den Grundlagen der Begleitung sterbender Bewohner, zudemnimmt eine angemessene Zahl von Pflegefachkräften an einer anerkannten Weiterbildung „Palliative Care" teil.

Auf der Grundlage des KWA Rahmenkonzepts „Palliative Care" wurden Qualitätsdimension definiert, die künftig im Rahmen der KWA internen Qualitätsaudits hinsichtlich ihrer Realisierung überprüft werden.

 

Zum KWA Rahmenkonzept "Palliative Care"

Zum KWA Exklusivinterview mit Margot Käßmann

 


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