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KWA Vorstand beklagt „wiehernden Amtsschimmel“

Beim KWA Neujahrsempfang wies Dr. Stefan Arend auf die Absurdität der sprachlichen Anforderungen an ausländische Mitarbeiter hin

Unterhaching, 31.01.2013.  „Die größte Herausforderung unserer Branche für die Zukunft wird es sein, Menschen zu finden, die pflegen, betreuen und begleiten wollen und können“, sagte Dr. Stefan Arend, Vorstand von KWA Kuratorium Wohnen im Alter, beim traditionellen KWA Neujahrsempfang in der Unterhachinger Hauptverwaltung. Hochrechnungen gingen davon aus, dass in einigen Jahren gut und gerne 250.000 bis 500.000 oder vielleicht sogar über 783.000 neue Stellen benötigt würden, um die Aufgaben in Pflege und Betreuung leisten zu können, so Arend. Im Hinblick auf den akuten Personalmangel beklagte er den „im Alltag oft wiehernden Amtsschimmel“. Als Beispiel nannte er vor allem die Anerkennung als Fachkraft von ausländischen Mitarbeitern, ohne die man – neben der eigenen Ausbildung von Pflegekräften – nicht mehr auskomme. So gehörten zu den Voraussetzungen für diese Anerkennung „die für die Ausübung der Berufstätigkeit erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache“ (§2 KrPfG). „Doch die Behörden, die in den Bundesländern für die Anerkennung verantwortlich sind (in Bayern beispielsweise die Bezirksregierungen), schießen in diesem Zusammenhang weit über das Ziel hinaus“, empörte sich der KWA Vorstand.

Um als Fachkraft Anerkennung zu finden, müssten ausländische Bewerber die deutsche Sprachbefähigung des Referenzniveaus B2 nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeR) nachweisen. Dafür müssen sie sich u.a. „zu einem breiten Themenspektrum klar und detailliert ausdrücken, einen Standpunkt zu einer aktuellen Frage erläutern und die Vor- und Nachteile verschiedener Möglichkeiten angeben können“, wie es in den Ausführungen zum Referenzrahmen wörtlich heißt. Es könne doch nicht sein, dass die Grundvoraussetzung, um in Deutschland aus dem Ausland kommend als Krankenschwester oder Altenpfleger arbeiten zu dürfen, dieselbe Sprachprüfung sei, die auch vor Aufnahme eines wissenschaftlichen Studiums an einer deutschen Universität verlangt werde. Zur Erlangung der deutschen Staatsbürgerschaft sei dagegen nur der Standard B1 erforderlich. „Das ist ein Treppenwitz à la Karl Valentin!“, echauffierte sich Arend und verwies auf das Beispiel eines Pflegeheimbetreibers mit einigen Einrichtungen in Niedersachsen, der ein gut angelaufenes Projekt mit spanischen Mitarbeitern abbrechen musste, weil diese ein entsprechendes Zeugnis nach B2 nicht nachweisen konnten. Die öffentliche Verwaltung verschlimmere damit die ohnehin schon prekäre Lage der Anbieter von Senioreneinrichtungen. Hier müsste die Politik sofort eingreifen, aber leider habe sich auch die „an sich recht schlüssige Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege auf Bundesebene, die im Spätherbst 2012 gestartet ist, dieser Problematik nicht angenommen bzw. damit aufgeräumt“, so der KWA Vorstand. Er hätte sich dort eine Empfehlung zur sprachlichen Kompetenz ausländischer Mitarbeiter gewünscht, die die überzogenen Forderungen nach B2 geradegerückt hätten, das B1-Niveau sei völlig angemessen.

„Wir brauchen zudem tatkräftige junge Menschen in der Pflege und freuen uns über jeden, der sich für uns entscheidet“, sagte Arend. KWA werde allein in 2013 rund 100 Stellen für verschiedene Ausbildungsberufe anbieten. 


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