Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
Einge Mitarbeiter von KWA

Wer pflegt uns heute - wer pflegt uns morgen?

Strategien, Konzepte und Lösungen für den Fachkräftemangel in der Pflege - Erstes umfassendes Fachbuch zum Thema in München vorgestellt

München, 11.02.2012. „Wie finden wir Mitarbeiter, und zwar solche, die auch unsere Vorstellungen und Rahmenbedingungen mittragen?“ Das war die zentrale Frage, um die sich bei dem Pressegespräch im Rahmen der Buchpräsentation „Fachkräftemangel in der Pflege“ am 10. Februar im KWA Luise-Kiesselbach-Haus alles drehte. Autoren und Herausgeber des Werkes stellten Strategien, Konzepte und Lösungsansätze vor. Michael Pfitzer, Leiter der Einrichtung, schilderte aus der Praxis die derzeitige gerade in München oftmals prekäre Situation, die allein aufgrund der gesetzlich vorgeschriebenen Fachkraftquote von 50 Prozent entsteht. „Wir lagen in den letzten Monaten mit 0,9 Prozent darunter, was von der Heimaufsicht als Mangel bewertet wurde, so Pfitzer. „Da nützt es dann auch nichts, dass wir insgesamt mehr Mitarbeiter aufweisen, als laut dem Pflegeschlüssel vorgeschrieben sind“. Um die Fachkraftquote einhalten zu können, würden Heime in München immer wieder Betten leer stehen lassen. Der Leiter des KWA Luise-Kiesselbach-Haus lehnte aber in aller Deutlichkeit die von anderen Trägern mittlerweile geübte Praxis ab, mit sogenannten Kopfgeldern auf Mitarbeitersuche zu gehen. 

Maßnahmen für eine nachhaltige Lösung des Personalnotstands

Doch es fehlen nicht nur Fachkräfte. „Im gesamten Pflegebereich gibt es bereits seit Jahren ein erhebliches personelles Defizit, allein in Pflegeheimen fehlen insgesamt rund 90.000 Vollzeitkräfte, in ambulanten Diensten 74.000“, erklärte Prof. Dr. Ursula Engelen-Kefer, die seit einigen Jahren als Dozentin unter anderem an der Alice Salomon Hochschule in Berlin lehrt. Die ehemalige stellvertretende Vorsitzende des DGB erläuterte die aktuellen Prognosen, die einmal mehr zeigen, wie dringlich der Handlungsbedarf ist: Die Zahl der über 80-Jährigen wird sich demnach in den nächsten 40 Jahren auf etwa 10 Mio. Menschen verdoppeln, die der Pflegebedürftigen von 2,1 Mio. auf ca. 4,5 Mio. im Jahre 2050 ansteigen. Allein bis 2025 werden bis zu 193.000 Vollzeitpflegekräfte (Alten- und Krankenpflege insgesamt) fehlen. Für eine nachhaltige Lösung des Personalnotstands plädierte Engelen-Kefer dafür, die Arbeitsbedingungen der Pflegemitarbeiter zu verbessern und auch die Potentiale der älteren Beschäftigten mehr zu nutzen. Auch eine der Tätigkeit entsprechenden Entlohnung sei wichtig, um Personal zu gewinnen und zu binden. „Im Gesundheitsbereich werden so viele Mittel verschwendet, da sollte man nicht ausgerechnet bei Menschen sparen, die derartige Leistungen für die Gesellschaft erbringen“, wandte sich Engelen-Kefer an die Politik.

Neue Bildungskonzepte erforderlich

Das Vorgehen der Politik kritisierte auch die Mitherausgeberin des Buches, Mona Frommelt. Die Direktorin der Hans-Weinberger-Akademie (HWA) der AWO e.V. wies darauf hin, dass ein Personalbemessungsinstrument fehle, das einen viel effizienteren Einsatz der Pflegemitarbeiter ermögliche. „Doch das ist gar nicht erwünscht, denn es würde absolute Transparenz schaffen und „alte Zöpfe“ müssten angeschnitten werden“, so Frommelt. Neben der Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität müsse auch das Image des Altenpflegeberufs verbessert werden. Es könne nicht angehen, dass sich junge Menschen für ihre Berufswahl rechtfertigen müssen. Außerdem seien neue Bildungskonzepte erforderlich. 

Konzepte und Strategien eines gemeinnützigen Trägers

Das Umdenken findet bei dem gemeinnützigen Träger KWA Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) schon seit längerem statt, wie Vorstand Dr. Stefan Arend darlegte. Der Mitautor erläuterte das KWA Rahmenkonzept „Begleitung und Pflege“, im dem stärker unterschieden wird zwischen Funktionen, die eine Fachkraft erfordern, und solchen, die an Mitarbeiter anderer Qualifikationen delegiert werden können. Damit soll die begrenzte Ressource Fachkraft optimal eingesetzt werden. Um sich dem stärker werdenden Wettbewerb um Mitarbeiter zu stellen, seien aber auch intensivere Personalmarketingmaßnahmen notwendig. „Die jungen, potenziellen Mitarbeiter der sogenannten Generation Y erwarten eine andere Ansprache und haben auch völlig andere Vorstellungen von der Arbeitswelt“, so Arend. „Ebenso stellt sich die Branche schon jetzt mit großem Verve der Frage, welche Dienstleistungen durch technische Unterstützungssysteme übernommen werden können. Insbesondere aber auch die Unterstützung der Mitarbeiter, um das Miteinander von Beruf und Familie vereinbaren zu können, wird von einer derzeit freiwilligen zu einer Pflichtaufgabe der Träger avancieren“, erklärte Arend.  

Rechnung mit einigen „Unbekannten“

„Der Fachkräftemangel droht ein chronisches Problem zu werden“, konstatierte der Mitherausgeber des Werkes, Prof. Dr. Roland Schmidt. „Meistens wird dabei vorwiegend der quantitative Aspekt diskutiert, doch er muss auch unter qualitativen Vorzeichen gesehen werden“. Das vorliegende Fachbuch wolle mögliche Strategien und auch Best-Practice-Beispiele vorstellen, für die Entwicklung des Fachkräftemangels gebe es aber auch einige „Unbekannte“. So könnte man z. B. die heutige Prävalenz von Pflegebedürftigkeit nur mutmaßen, aber nicht genau vorhersehen, betonte der Gerontologe, der an der Fakultät für Sozialwesen der FH Erfurt lehrt. Aber es sei an der Zeit gewesen, einmal konkret die Ist-Situation zu beleuchten, Perspektiven aufzuzeigen und strategische Optionen darzulegen.

 

Bibliographische Angaben zum Buch: 

Bettig/Frommelt/Schmidt (Hrsg.): Fachkräftemangel in der Pflege – Konzepte, Strategien, Lösungen. medhochzwei Verlag, Heidelberg, 372 S., € 54,95, ISBN: 978-3-86216-078-5


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben