Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
KWA Stift am Parksee
Leben - so wie ich es will im KWA Stift am Parksee

„Himmel, Herrgott, Sakrament"

Nein, das ist in diesem Fall kein bayerischer Fluch, sondern ein Buchtitel. Autor Rainer Maria Schießler, ein katholischer Priester, der als Seelsorger die Münchner Pfarreien Sankt Maximilian und Heilig Geist betreut, hat das Buch im KWA Stift am Parksee vorgestellt. Die Gemeindebücherei Unterhaching hatte die Lesung organisiert, die Eintrittskarten waren in Windeseile vergriffen.

Unterhaching, 7. Juni 2016. – Pfarrer Schießler zu Gast im KWA Stift am Parksee: eigentlich zu einer Lesung, er hat nämlich ein Buch geschrieben. Dass es dann jedoch ein Abend wird, an dem er allenfalls eine Viertelstunde aus „Himmel, Herrgott, Sakrament“ vorliest, jedoch beinah zwei Stunden mit flammendem Herzen und beredter Zunge seine Überzeugungen und  Erlebnisse beschreibt, ohne auch nur ein einziges Mal ins Buch oder auf ein Kärtchen zu blicken – und zwar so, dass es oft etwas zu lachen, aber auch einiges zum Nachdenken gibt – das haben die 150 Zuhörer vermutlich nicht erwartet, wenngleich er  in München und dem Umland bekannt ist für seine unorthodoxe, pardon: unkonventionelle Art. .

Warum Pfarrer Schießler in Zeiten von Kirchenflucht Kirchen füllt und Menschen fischt, deutet sich an. – Sicher nicht nur, weil er sich unters Volk mischt, Motorrad fährt, Alfons Schuhbeck zu seinen Spezln zählt und am Oktoberfest im Schottenhamel für einen guten Zweck Maßkrüge schleppt. Es ist zu spüren, dass er meint, was er sagt.

Pfarrer Rainer Schießler sagt über seine Kirche: "Wir haben einen riesigen Handlungsbedarf."

Was er sagt? Dass man an ihn herangetreten ist, ein Buch zu schreiben, er dem Kösel-Verlag jedoch erst nach drei Jahren zugesagt hat – und zwar dann, als ihm klar wurde, dass er auf keine andere Weise so viele Menschen erreichen kann wie mit einem Buch. Und er will Menschen erreichen. So berichtet er von einer katholischen Religionslehrerin, die nicht mehr als solche arbeiten darf, weil sie sich als „Lesbe“ geoutet und ihre zunächst heimliche Liebesbeziehung zu einer Frau durch eine eingetragene Partnerschaft publik gemacht hat. Für Schießler ist es nicht in Ordnung, „dass wir dem Menschen nicht seine sexuelle Ausrichtung lassen, wir uns darüber erheben, als ob es krank wäre", und, dass seine Kirche ein „Winkeladvokatentum" pflege: Solange jemand so eine Beziehung verdecke, gebe es keine Probleme. Schießlers Fazit: „Das sind wir als Kirche. – Wir haben einen riesigen Handlungsbedarf.“ – Es bringe nichts, nur Strukturen und Gesetze vor Augen zu haben, und nicht den Menschen.

Er sei in einer nachkonziliaren Pfarrei groß geworden und durch und durch erschüttert, dass sich der Geist der Kirche so rapide gewandelt hat und man heute beispielsweise Wert legt auf kostbare klerikale Kleidung. Dass Papst Franziskus hingegen die einfachsten Messgewänder trägt, sei eine andere Sprache.

Wovon er sonst noch redet? Dass der Zölibat kein Sakrament ist, sondern eine Lebensweise – die für ihn die richtige sei. Dennoch sei er nicht mehr wert als Menschen, die nicht im Zölibat leben. Schießler hat auch eine Idee, wie seine Kirche dem Priestermangel begegnen könnte, sagt: „Warum haben wir nicht den Mut, dass wir all das, was Kirche ist und mit Kirche zu tun hat, Laien überlassen – und wir sie als Kirche begleiten.“ Er beschreibt das Beispiel eines französischen Bischofs, der aus Priester- und Geldmangel seine Gemeinden von Laien führen lässt. Diese werden alle zwei, drei Jahre aus der Mitte der Gemeinde berufen. Für Schießler ist nebenamtlicher Priesterdienst denkbar. „Deshalb ist die von Papst Franziskus angestoßene Diskussion so wichtig.“

Auftreten statt austreten: Das ist für den Münchner Pfarrer Programm

„Auftreten statt austreten“ ist der Untertitel des Buches. Bei seinen Ausführungen im Parkstift wird wird klar, was er damit meint. Und: Schießler spricht mit Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind oder es vorhaben, sagt ihnen: „Du gehst aus dem Raum raus, machst die Tür zu, und hast keine Möglichkeit mehr, Einfluss zu nehmen." – Rainer Schießler will „seine" Kirche ändern. Denn: „Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen." Deshalb ruft er auch Menschen an, die aus der Kirche austreten wollen. Schießler sagt über sich: „Ich laufe ihnen hinterher.“

Der Tatsache, dass das Johannes-Evangelium mit der Hochzeit zu Kana beginnt, misst der Pfarrer eine große Bedeutung bei. Wir seien dazu bestimmt, das Leben zu feiern. Das sei eine Ansage, ein Wegweiser. Das Leben als ein Fest. „Wir haben das aber noch nie umgesetzt“, ergänzt Schießler, „die Menschheit ist immer gespalten." Es gehe immer darum, sich gegenseitig das Wasser abzugraben, statt sich den Kelch zu reichen.

Weshalb Schießler Pfarrer geworden ist, wollte ein alter Pfarrer einst von ihm wissen – da hat er gesagt: „Ich glaub, weil ich die Leut‘ mag.“ – Ob die Kirchenoberen wissen, was sie an ihrem Münchner Pfarrer haben?

Sieglinde Hankele


Der Bestseller ist auch bei Ihrem Buchhändler erhältlich. Hier die Daten:

Rainer M. Schießler
Himmel, Herrgott, Sakrament
Auftreten statt Austreten

Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: Kösel-Verlag; Auflage: 7 (14. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3466371473
ISBN-13: 978-3466371471
Größe: 14,4 x 2,7 x 22,1 cm

Buchvorstellung im KWA Stift am Parksee – mit einem Klick lassen sich die Bilder vergrößern:

Pfarrer Schießler im KWA Stift am Parksee in Unterhaching

 

 


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben