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Sandra Buisson: Mannequin aus Leidenschaft

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein kleines Mädchen weiß, was es einmal werden möchte? Wohl eher gering. Bei Sandra Buisson war das anders, sie kannte bereits als Siebenjährige ihren Berufswunsch und das kam so:

Nach den düsteren Zeiten des Krieges ist der Besuch einer Modeschau für die Mutter der kleinen Sandra und viele andere Frauen eine erfreuliche Abwechslung. Bei einem dieser Besuche darf das Mädchen die Mutter begleiten. Das geschieht zunächst mit wenig Begeisterung. Doch kaum hat die Show begonnen, ist Sandra fasziniert von der Schönheit der Mannequins auf dem Laufsteg und besonders von ihrer Art sich zu bewegen. Für das Mädchen steht ab sofort fest: „Ich werde Mannequin.“ Die Eltern halten dies für eine Flause ihrer Tochter. Weit gefehlt, das Mädchen besucht nun so oft wie möglich heimlich Modeschauen. Die Eltern teilen den Berufswunsch ihrer Tochter ganz und gar nicht. Sandra solle etwas mit Zukunftsperspektive lernen. So absolviert Sandra Buisson
zunächst eine kaufmännische Lehre. Kaum ist diese mit Erfolg beendet, bewirbt sich Sandra beim bekannten Studio Boloni in Düsseldorf. Der Chef sucht seine Schülerinnen persönlich aus, nimmt Sandra. Die Ausbildung zum Model ist umfangreich und streng, Bewegungsabläufe und Haltung müssen sitzen, das Lächeln darf niemals fehlen. „Ganz besonders wichtig waren Disziplin, Ausstrahlung und Eleganz des Models.“ Kleidergröße 38 war für den Beruf damals kein Hindernis, die Damen durften fraulich wirken.

Nach Abschluss der Ausbildung will Sandra Buisson ihren Lebensunterhalt sichern und nimmt eine Stelle in einem Verlag an. „Dort waren wir ein tolles Team“, sagt Sandra Buisson. Doch nach nur sechs Wochen kommt ein Angebot über eine mehrwöchige Modeschau-Tournee durch ganz
Deutschland, begleitet von einer Band mit einem jungen blonden Mann, später „Heino“ genannt.
Die berufliche Laufbahn im Verlag ist damit beendet, die Karriere als Mannequin beginnt und soll sieben intensive Jahre dauern. Dazu gehören neben vielen Tourneen und Einzelschauen die großen Modemessen in Berlin, Düsseldorf und München sowie Fototermine. Sandra Buisson präsentiert unter anderem Kleidung von Heinz Oestergaard, dem einflussreichsten deutschen Modedesigner der Nachkriegszeit. „Der Laufsteg war meine Leidenschaft“, sagt sie im Rückblick.

Mit 25 Jahren heiratet Sandra Buisson den Besitzer eines Werbeunternehmens. Um ihren Mann in allen Belangen zu unterstützen, gibt sie ihren Traumberuf auf. Die kaufmännische Lehre erweist sich nun als segensreich. Fast 30 Jahre betreibt das Ehepaar sehr erfolgreich das Unternehmen. Als nach langer Krankheit der Ehemann verstirbt, muss sie sich neu orientieren. Freunde raten ihr:
„Geh doch wieder auf den Laufsteg.“

So beginnt die zweite Karriere von Sandra Buisson, nun als Lady-Model. Es hat sich viel verändert, die Branche ist härter geworden. Freude machte ihr das Modeln jedoch nach wie vor, bis zum letzten Auftritt. Und sie sagt: „Ich hätte mir kein schöneres Berufsleben wünschen können, auch als
Geschäftsfrau.“ Heute lebt die elegante 75-Jährige im Rupertihof, und dies sehr gerne, wie sie betont. Sie genieße das Leben und den Kontakt zu interessanten Menschen.

Ein Online-Bilderalbum zu Alice Kühnert-Hüsing finden Sie auf alternovum.de in der Rubrik OnlinePlus

Autorin: Lisa Brandl-Thür | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 01/2016


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