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KWA Stift Brunneck
Leben - so wie ich es will im KWA Stift Brunneck

"Die Malerei war meine Rettung"

Als Helga Soltau im April 2018 beim Spielen mit ihrem Lieblingshund stürzte, begann für sie eine schwere Zeit. Doch die 90-Jährige, die seit 2008 im KWA Stift Brunneck in Ottobrunn lebt, fasste unverhofft neuen Mut.

Ottobrunn, im Herbst 2018. - Eine Mitbewohnerin schenkte ihr das Erwachsenen-Malbuch "Mein fantastischer Ozean" aus der Feder der schottischen Bestseller-Illustratorin Johanna Basford. Ein Wendepunkt für die Seniorin. "Die Malerei war meine Rettung. Denn von diesem Moment an habe ich nur noch gemalt – und meine Schmerzen dabei vollends vergessen", berichtet Soltau. "Wenn ich male, bin ich in einer anderen Welt. Einer Welt, in die ich mich zurückziehen und in der ich entspannen kann. Das Kolorieren dieser wunderbaren Vorlagen macht mich einfach glücklich."

Bei einem Buch ist es dann auch nicht geblieben. Seit April 2018 hat Helga Soltau nicht weniger als fünf Basford-Malbücher nach ihrem eigenen Gusto fertiggestellt. Insgesamt fast 500 Zeichnungen. Momentan sitzt sie am sechsten Buch – "Mein Zauberwald". Basfords Werke fesseln übrigens selbst stressgeplagte Topmanager, die zum Relaxen malen. Über die Altersempfehlung "von 8 bis 22" kann Helga Soltau nur schmunzeln, denn trotz ihres hohen Alters bereiten ihr weder das Sehen noch das anspruchsvolle Ausmalen der subtilen Ornamente Probleme. "Mir geht das leicht von der Hand. Ich sitze gleich nach dem Frühstück für mindestens zwei Stunden an meinen Motiven." Und auch am Abend locken sie die Farbstifte. Bis zu zwei Seiten pro Tag koloriert Helga Soltau. 

Woher kommt diese Leidenschaft für Farben und Formen? Gab es schon in ihrer Jugend eine Verbindung zur Malerei? Helga Soltau erzählt, dass sie Ende der 1950er Jahre die Bauernmalerei für sich entdeckte. Bei einem Kirchenmaler in München ging sie in die Lehre und bemalte Einrichtungsgegenstände. Stolz präsentiert sie eine von ihr gestaltete Standuhr und einen Schemel mit floralen Mustern, die beide ihr Appartement schmücken. "Fantasie hatte ich schon immer", sagt sie. Und so ist auch ihre Farbwahl beim Kolorieren sehr spontan, eine Lieblingsfarbe hat die Hobbymalerin ohnehin nicht.

Wer so viel malt wie Helga Soltau, braucht nicht nur eine große Portion Geduld, sondern auch immer wieder Nachschub an qualitativ hochwertigen Buntstiften. "Die besorgen mir meine Kinder und Enkel", berichtet die Seniorin.

Die kreative Arbeit in den Ausmalbüchern ist für Helga Soltau kein Selbstzweck. Jedes Werk versieht sie mit einer persönlichen Widmung und übergibt es im Anschluss einem ihrer Kinder oder Enkelkinder als Geschenk. So liegen ihre Bücher bereits in Irland und in den USA. "Augenscheinlich konnte ich meine Freude am Malen auch weitergegeben", verrät die Seniorin. "Meine heute in Texas lebende Tochter hat vor kurzem ein Kinderbuch illustriert". 

Autor: Jörg Peter Urbach
Erschienen in: Alternovum 3/2018

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