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Leben - so wie ich es will im KWA Luise-Kiesselbach-Haus

Luise Kiesselbach: „Stadtmutter von München“

Ein Leben für die Rechte der Frauen und die soziale Arbeit.

Vor 100 Jahren waren Bemühungen, Leben und Position der Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu verbessern, ein gesellschaftliches Novum. 1909 in Erlangen zur ersten Armenpflegerin Bayerns berufen, entwickelte Luise Kiesselbach rasch ein Gespür für die Notlage vieler Frauen und Familien. Mit organisatorischem Geschick und einem unerschütterlichen Gerechtigkeitsgefühl setzte sie notwendige Strukturen zur Verbesserung der Lage der Ärmsten in die Tat um. 1912 kam Luise Kiesselbach mit ihren beiden Kindern nach München und wurde kurze Zeit später zur 1. Vorsitzenden des Verbandes für Fraueninteressen gewählt. Für ihre sozialkaritative Frauenarbeit bekannt, wurde sie 1913 unter anderem auch Vorsitzende des Hauptverbandes Bayerischer Frauenvereine. 1919 wurde sie dann als erste Frau in den Münchner Stadtrat gewählt.

Sie hatte eine Begabung, Menschen für ihre Ziele zu gewinnen, Ziele, die stets das soziale Wohl von Frauen, Kindern und alten Menschen verbessern sollten. Sie setzte sich ein für das Recht der Frauen auf Bildung, für eine berufliche Ausbildung von Mädchen und für die Berufung von Frauen in öffentliche Ämter. Sie kämpfte gegen die moralische und gesetzliche Ungleichbehandlung und für eine bessere Bezahlung für die von Frauen geleistete Arbeit. Während und nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sie sich in vielen Gremien, so auch für das Krankenhauswesen und die Hinterbliebenenfürsorge. Sie organisierte Säuglingspatenschaften, rief Frauen- und Kindererholungsheime ins Leben, richtete Werkstätten und Nähstuben ein und ließ Kochkurse abhalten. 1922 gründete sie den Paritätischen Wohlfahrtsverband Bayern, wurde zur Armenrätin berufen und Vorsitzende des Münchner Wohlfahrtsausschusses. Dieses unglaubliche Arbeitspensum und ihre nie nachlassende Sorge um Einzelschicksale brachten Luise Kiesselbach den ehrenvollen Titel „Stadtmutter von München“ ein.

Mit dem Bau eines Altenheimes versuchte sie frühzeitig, der wachsenden Wohnungsnot in München entgegenzuwirken. Mit Hilfe ihrer vielfältigen Verbindungen und ihres unermüdlichen Engagements gelang es ihr, die finanziellen Voraussetzungen für das nach ihr benannte Luise-Kiesselbach-
Haus in Haidhausen zu schaffen.  Selbstbestimmte Lebensführung, Einzelzimmer mit Wasseranschluss, individuelle Wohnraumgestaltung, hauseigenes Wannenbad und freundliche
Gemeinschaftsräume sind nur einige der Annehmlichkeiten, die Luise Kiesselbach damals als Standards festlegte. 2016 blickt das Haus auf eine 90-jährige Tradition in der sozialen Seniorenarbeit zurück. Mit dem Umzug 2006 in das in Riem neu erbaute Luise-Kiesselbach-Haus hat sich die Einrichtung ganz der zeitgemäßen Sorge um pflegebedürftige Senioren verschrieben. Die
herausragenden Leistungen von Luise Kiesselbach vor dem sozialen und gesellschaftspolitischen Hintergrund des ausgehenden 19. und des eingehenden 20. Jahrhunderts sind beispielhaft.
Bewohner und Mitarbeiter sind deshalb stolz auf den Hausnamen – eine Büste im Foyer erinnert
an die Namensgeberin.

Erschienen in alternovum. Das KWA Journal | 2/2016
Autorin: Ursula Sohmen

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