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Talk in der Rosenau mit Autor Karl F. Fritz

Einblicke in die Schifffahrtsgeschichte auf dem Bodensee

Konstanz, 24. Mai 2018. - Die einen nennen ihn liebevoll ihren "Bodenseekarle", für andere ist er – bewundernd – ein "wandelndes Schifffahrtslexikon". Auch die Gäste an diesem Abend im KWA Parkstift Rosenau erleben Karl F. Fritz als ein wahres Füllhorn des Wissens über alles, was mit der Schifffahrt auf dem Bodensee zu tun hat. Ein Geständnis des Talkgasts: „Sie sind halt meine ganz große Leidenschaft, die großen Schiffe auf dem See!“

Schon als kleiner "Konschtanzer Bub" habe er sich gerne mit dem älteren Bruder im Hafen herumgetrieben und sei von den dicken Raddampfern mit ihren qualmenden Schornsteinen und den riesigen Schaufelrädern mächtig beeindruckt gewesen. Heute ist er 68 Jahre alt, aber die Liebe zu den Schiffen ist ihm bis heute geblieben. Einem Journalisten verriet er einmal, ja, auch sein Sternzeichen Fisch passe dazu. Und während der Seegfrörene im Jahre 1963 sei er mit seinen Schulkameraden sogar von der Insel Reichenau über das Eis des Sees bis hinüber ins Schweizerische Mannenbach gelaufen. Ganz schön mutig, der junge Bodenseekarle! Und seine brasilianische Frau hat er viele Jahre später auf einer Fahrt mit der Fähre von Staad nach Meersburg kennengelernt. Zwölf Minuten dauert so eine Fahrt. 

"Abenteuer Dampfschiffahrt auf dem Bodensee": das erste Buch von Karl F. Fritz

Leidenschaft ist das eine, Vernunft das andere. So war das schon in seiner Jugend. Die Eltern wollten, dass der Sohn "was G’scheites" lernt, so durchlief er eine kaufmännische Lehre, war dann lange bei der Post beschäftigt. Doch die Leidenschaft blieb. Aus Begeisterung für alles rund um die Schifffahrt auf dem See wurde schließlich handfestes Wissen. 1989 erschien sein erstes Buch: "Abenteuer Dampfschiffahrt auf dem Bodensee". Faszinierend neben seinem umfassenden Wissen auch seine "lockere Schreibe". Nicht nur dieses, auch weitere reich mit - zum Teil historischen - Bildern aufgelockerte Bücher und viele Vorträge haben ihn hier im Vierländer-Eck um den See prominent gemacht. Und dass er Daten, Fakten, Zahlen ständig aus der Erinnerung abrufen kann, davon hat er beredt und sehr lebendig Zeugnis abgelegt an diesem Abend im Gespräch mit Stephan Schmutz.

Der Talkmoderator setzt an zur ersten Frage: „Herr Fritz, jetzt sind Sie schon einige Jahre im Ruhestand, aber es ist ja wohl mehr ein Unruhestand geworden. Weil Sie neben dem Beruf immer sehr gute Kontakte zur BSB, den Bodenseeschiffsbetrieben, gehalten haben, sind Sie heute ihrer Welt der Schiffe wieder sehr viel näher: als Stationswart der Schiffslände in Dingelsdorf, dem ältesten Schiffsanleger am Bodensee. Das Häusle auf dem Anleger steht inzwischen unter Denkmalschutz und verkörpert wieder ein Stückle Seefahrtsgeschichte. Und das in Ihrer Obhut!“ – Vor kurzem hat man in Lindau einen etwa dreitausend Jahre alten Einbaum vom Seegrund geborgen. Menschen leben hier also schon sehr lange. „Wie lange befahren inzwischen größere Schiffe den See?“

Karl F. FritzDer See sei Europas drittgrößtes Binnengewässer und seine Geschichte als wichtiger Transportweg für größere Güter lang, erklärt der Talkgast. Wurde früher gerudert oder gesegelt, änderte sich das nur sehr zögerlich auf dem "Schwäbischen Meer". Johann Caspar Bodmer, ein Mechaniker aus Konstanz, sieht auf einer Geschäftsreise nach England in der Straße von Dover zum ersten Mal ein mit Dampf betriebenes Schiff, nimmt die Idee mit an den Bodensee, fackelt nicht lange, holt zwei englische Schiffbauer nach, findet in Hortense de Beauharnais vom Arenenberg (der Mutter von Kaiser Napoleon III) und Großherzog Karl Ludwig von Baden mutige Mitstreiter.

Wie sich das für wackere alemannische Tüftler gehört, lässt er sich weder von finanziellen Engpässen noch vom Widerstand der um ihre Existenzen bangenden Schifferzünfte mit ihren traditionellen Lastenseglern entmutigen. Der Start seiner „Stephanie" 1818 sei noch kein Startschuss aber ein "Schüssle" auf dem Weg in die motorisierte Schifffahrt auf dem See gewesen, mit einem Notmotor von 2 PS für ihn aber ein totales finanzielles Fiasko geworden, erzählt der Talkgast, „und er wurde auch noch heftig verspottet!“

Den wirklichen Sprung der Dampfmaschine in die Schiffsrümpfe auf dem See - ins Zeitalter der „Funkenpruster“, wie manche Zeitgenossen spöttisch meinen - gelingt ab 1824. Unter der schützenden Hand des fortschrittlich denkenden Königs Wilhelm I. von Württemberg formiert sich ein „couragiertes und einflussreiches dreiblättriges Kleeblatt": aus dem Stuttgarter Verlagsbuchhändler Johann Friedrich Cotta, dem Amerikaner Edward Church - amerikanischer Konsul im französischen Bordeaux - und dem prominenten Konstanzer Unternehmer David Macaire d’Hogguer. Ihre "Babys", die beiden Dampfschiffe "Wilhelm" und "Max Joseph" werden die „Hingucker" auf dem 540 Quadratkilometer großen See und eröffnen das Zeitalter der Dampfschiffe auf dem Bodensee.

Die "Kaiser Wilhelm": der erste Salondampfer auf dem Bodensee

1831 kommen "Leopold" und die badische "Helvetia"‘ dazu. Dann folgen – laut Karl Fritz Schlag auf Schlag - weitere Schiffe. Die Zeit dieser ersten Dampfschiff-Generation dauert bis 1860; es sind Schiffe, die in erster Linie zum Transport von Gütern bestimmt sind, nur - vereinzelt - auch Passagiere mitnehmen. „Und dann beginnt  die große Zeit der Salondampfer, die die Fahrten auf dem See zum Freizeiterlebnis machen und schnell gesellschaftsfähig werden", berichtet der Experte. – Erster Salondampfer sei die "Kaiser Wilhelm" gewesen, die im Jahre 1871 im Beisein des Namensgebers in Dienst gestellt wurde. Ein „Repräsentationschiff“ mit sehr viel Plüsch und noch mehr „besser Verdienenden“ der sogenannten Gründerjahre. Eine Art Flaggschiff der Gründerzeit, dem viele weitere Salon- und Halbsalon-Schiffe mit den typischen dicken Schaufelradkästen folgten.

Der erste Weltkrieg wird zum dramatischen Einschnitt auf und um den See. Der Tourismus kommt zum Erliegen. Auch der zweite Weltkrieg schlägt Wunden. Dann übernehmen Straße und Schiene zunehmend den Güterverkehr um den See. Neue, wirtschaftlichere Motorschiffe ersetzen die gemütlichen Raddampfer.

Die Motorschiffe der BSB: heute die größte Flotte auf einem europäischen Binnenmeer

Die Schiffe werden schlanker, sind heute „ganz in Weiß“, auch die qualmenden Schornsteine werden kleiner. Der Massentourismus erobert den See, die Schiffe passen sich an. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge begleitet Karl F. Fritz diese Entwicklung. Seine Leidenschaft sind „halt“ die. gemütlichen großen schnaufenden Qualmer, deren letzte Vertreter 1967 die "Seebühne"räumen. Heute bilden die weißen Motorschiffe aus Deutschland, der Schweiz und Österreich die größte Flotte auf einem europäischen Binnenmeer. Die deutschen Schiffe gehören heute der BSB, den Bodensee-Schiffsbetrieben unter den Fittichen der Stadtwerke in Konstanz. 

Längst hat Karl F. Fritz mit den eleganten weißen Schiffen von heute seinen Frieden gemacht und auch ihnen inzwischen schriftstellerisch Denkmale gesetzt. Und einer wie er mag auch "die Leut", wenn sie an seinem Dingelsdorfer Anleger "für ein Schwätzle" vorbeischauen oder Fahrkarten für eine Schiffsfahrt möchten. Und er „isch au‘ ein recht‘s alemannisches Cleverle“: 25 Jahre lang soll er „der Bord-Nikolaus“ der BSB-Flotte gewesen sein. –  Heute nennen ihn die Leute in Dingelsdorf auch nicht mehr "Bodenseekarle", sondern längst respektvoll „Herr Fritz.“  

„Und dann gibt es ja noch ein Troschtpfläschterle", so Stephan Schmutz zu seinem Gast. „Für alle Nostalgiker hier in Deutschlands südlichstem Zipfel: "Wieder auferstanden aus Ruinen ist die toll restaurierte Hohentwiel, die wie früher gemütlich - angetrieben von ihren beiden dampfbeheizten Schaufelrädern - über unseren Bodensee pflügt und, wenn sie pfeift, eine riesige weiße Dampffahne hinter sich herzieht!“ 

Giselher Sommer

 
Bücher von Karl F. Fritz - für alle, die sich für die Bodenseeschifffahrt interessieren ein "Must have".

ISBN-13: 978-3927484009
ISBN-13: 978-3954001705ISBN-13: 978-3954004454

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