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Lust auf Säntis? – Bruno Vattioni beim Talk in der Rosenau über den Tourismus am Berg

Stephan Schmutz im Gespräch mit dem Chef der Schweizer Luftseilbahn Schwägalp-Säntis

Konstanz, 22. Juni 2017. – Talkgast Bruno Vattioni und Moderator Stephan Schmutz kennen sich aus vielen Begegnungen – und irgendwann im Lauf des Abends bekennen sie vergnügt, sie seien beide begeisterte Segler und Motorrad-Fans. Da haben sich zwei auf der Bühne der Rosenau gefunden, die „echt miteinander könnet".

Stephan Schmutz: „Wir haben dich unseren Gästen zunächst als Chef der Luftseilbahn am Säntis vorgestellt. Tatsächlich bist du der Geschäftsführer der Säntis-Schwebebahn AG mit mehr als 150 Mitarbeitern. Neben der berühmten Seilbahn auf den Berg seid ihr auch die Gastronomen auf der Bergspitze, in deren moderner Gipfel-Bebauung mit der Besucherplattform ihr die beiden großzügig gestalteten Panorama-Restaurants führt, wo es diverse Shops und Räume für wechselnde Ausstellungen gibt, wo eine Wetterstation und der mit seinen 123 Metern noch einmal alles überragende Turm der Swisscom eure Nachbarn sind – der Turm, der von da oben große Teile der Schweiz mit Fernseh- und Rundfunk-Programmen versorgt.“ Auf halber Höhe in 1400 Metern betreibt das Unternehmen zudem „Säntis – das Hotel“ auf der Schwägalp - dort, wo sich die Talstation der Seilbahn befindet. 

Das Erfolgsgeheimnis: Für die Appenzeller gehört der Säntis zu ihrem Leben

„Stimmt es wirklich, dass man oben auf dem Gipfel des Säntis – in 2502 Metern Höhe – versteinerte Muscheln und Fossilien findet?“, möchte Stephan Schmutz wissen. „Das stimmt“, so der Gast. „Das Alpsteinmassiv, dessen höchster Gipfel der Berg Säntis ist, ist vor 150 Millionen Jahren vom Grund eines riesigen Meeres hochgeschoben worden.“ – Also sei der Säntis einer der ersten echten Appenzeller und schon sehr viel früher da gewesen als all‘ die Leut‘, die heute unten im Tal wohnen. „Und sie identifizieren sich sehr mit diesem Erbe, ihrem markanten Berg Säntis und seinem berühmten „Sieben-Länder-Blick“, so die Einschätzung von Bruno Vattioni. Und so gehöre es fast zum guten Ton, dass man eine oder mehrere Aktien der Säntis-Schwebebahn AG in Appenzeller Familien-Depots hält, „und wenn’s denn sein muss, auch mal eine Kapitalerhöhung mitträgt.“ 

Nicht zuletzt dieses Einvernehmen zwischen den Menschen in der Region und „ihrer Betreibergesellschaft“ von Seilbahn und Gastronomie habe den Aufbau einer leistungsfähigen Infrastruktur für die Logistik und Gastronomie am Berg erleichtert. So konnte für einen naturnahen Tourismus eine der schönsten Naturlandschaften Europas erschlossen werden, die heute zu erreichen ist mit einer der modernsten Seilschwebebahnen der Schweiz, „Spitzentechnik vom Feinsten!“ Und der eidgenössisch diplomierte Seilbahnfachmann Vattioni betont: „Seilbahnen zählen heute zu den sichersten Verkehrsmitteln der Welt!“ 

Die Erfolgsgarantie: Stille, Weite und Natur pur – trotz hoher Besucherzahlen

Stephan Schmutz greift einen neuen Aspekt auf: „Ein Internet-Steckbrief der Säntis AG verklärt die Region um das Alpsteinmassiv mit dem Säntis als höchstem Gipfel zu einer mystischen Bergwelt in einem der schönsten europäischen Naturgebiete. Da muss ja was Wahres dran sein, wenn sich jährlich 750.000 Wanderer, Tagestouristen, Sportler oder Hotelgäste auf den Weg zum Säntis machen oder als Gipfelstürmer mit der Seilbahn die letzten tausend Meter – in zehn Minuten –  nach oben „schweben“, um sich das Highlight eines einmaligen Sieben-Länder-Blicks über die Alpengipfel nicht entgehen zu lassen.“ –  Stille und Weite alpiner Natur am Berg und dann Massentourismus? Wie das zusammenpasst, möchte der Moderator wissen. 

Dass man den Säntis heute bei Tag und Nacht, bei Wind und Wetter und rund ums Jahr besuchen kann, ist für Bruno Vattioni kein Widerspruch zur Stille und Weite.

Die Mehrzahl der Besucher – etwa 400.000 – strebe mit der Seilbahn direkt zum Gipfel. Für Bergsteiger, Wanderer, Nordic Walking Sportler, Schneeschuh-Freaks, Ski-Langläufer oder Familien mit Kindern, für alle gibt es inzwischen ausgedehnte Pisten- und Rundwanderwege sowie Aufstiege verschiedener Schwierigkeitsgrade zum Gipfel. Für „Nachtschwärmer am Berg“ habe man –  und das alles um die Schwägalp herum – einen „Laternli-Rundwanderweg“ geschaffen, nachts beleuchtet mit Petroleum-Laternen. Für Familien mit Kindern und an der Natur oder alpiner Geologie Interessierte gibt es zudem zwei Erlebnisparks mit Themenpfaden, verbunden über ein Besucher-Leitsystem.

Das Erfolgsrezept: Entzerrung der Besucherströme und Renaturierung

„Menschen aller Altersgruppen sind heute viel mobiler und unsere alpine Welt bleibt ein verletzliches Erbe. Wer bei uns wandert, wird schnell entdecken, dass er an den Hängen des Säntis in wenigen Minuten in unberührter Natur sein kann. Große Flächen sind – von Beton oder Teer befreit – der Natur inzwischen zurückgegeben worden“. Die Zauberworte seien: Entzerrung der Besucherströme und Renaturierung.

Der Moderator hakt nach: „Die Menschen sind nicht nur mobiler, sie suchen  am Berg auch den einen oder anderen Kick!“ – „Wir nennen das Emotionalisieren unserer Gäste“, erklärt Vattioni. „So haben wir in den Panorama-Restaurants auf dem Gipfel und im Säntis-Hotel neue Zielgruppen wie etwa Seminarteilnehmer, die sich abends beim Blick über das Alpenpanorama entspannen, andere die gemütliche Gesprächen am Kaminfeuer schätzen, um nur zwei Beispiele zu nennen.“ 

Daneben gebe es zunehmend event-orientierte Gäste, die in aller Herrgottsfrühe für Sonnenaufgangsfahrten zum Gipfel oder für romantische Abendfahrten die Seilbahn nutzen, andere, die sich zu Konzerten mit Jazz oder Klassik auf den Berg oder zum Weihnachtkonzert auf den Gipfel „entführen“ lassen.

Stephan Schmutz, in leicht vorwurfsvollem Ton: „Du hascht aber noch nix zur Mystik am Säntis g’sagt!“ – Der Appenzeller Gast empfiehlt ihm: „Dann komm doch selber mal im Spätherbst vorbei und schau dich um, wenn die Alpengipfel aus dem weißen Nebelmeer auftauchen. – Dann siehst du, was wir meinen!“

Das Einzigartige: Der Säntis bietet Sicht auf sieben Länder

Der Moderator wendet sich den Gästen im Saal zu: „Unser Schweizer Gast hat wahrscheinlich uns allen jetzt so richtig „Luscht auf Säntis“ gemacht!“ An Bruno Vattioni gewandt: „Was bedeutet aber Sieben-Länder-Blick vom Gipfel?“

Der Gast aus der Schweiz zählt auf: „Wer erst einmal oben auf dem Gipfel steht, kann – rundum über die Alpen – die Schweiz sehen, Baden-Württemberg mit dem Schwarzwald und dem Bodensee, dann natürlich auch Bayern, außerdem Vorarlberg und Liechtenstein, bei klarer Sicht im Winter auch die französischen Vogesen und manchmal sogar Italien!“

Der Weg des Säntis zum „Besuchermagneten par excellence“ war lang und voller Dramatik, eine unvorstellbare Pionierleistung. Weil Bilder manchmal mehr als Worte sagen – Licht aus Spot on! Auf der Leinwand neben der Bühne flimmern Bilder aus 80 Jahren zur Geschichte der Erschließung eines großen Berges (Eroberung wäre sehr unfair!). 

Es fallen die Namen mutiger Männer, die sich an das Wagnis-Bündel aus Visionen, Technik, Geld und unvorhersehbaren Risiken für die sich am Bau der geplanten Seilbahn abrackernden Menschen wagten. Da werden Menschen am Berg bei Wind und Wetter gezeigt, die über Kilometer tonnenschwere Kabel auf den Berg schleppen, Masten aufrichten und leider auch Opfer beklagen müssen. Weil eine ganze Region von der exponierten Lage dieses „Charakterberges“ vielfältig profitieren sollte: Eine Geschichte aus 80 Jahren in zwölf Film-Minuten voller Spannung, Dramatik und Tragik, die ganz viel vom Pioniergeist erzählt. Unvergesslich das Filmende, wo ein Hubschrauberpilot es schafft, die Röhren für den Bau des neuen Fernsehturms über der Baustelle in 2502 Metern Höhe passgenau abzusetzen. Eine Spitzenleistung mit Technik vom Allerfeinsten. 

Das Ungeheuerliche: Sogar eine Oper gibt es zum Säntis – über einen Doppelmord!

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten! – „Was“, so Stephan Schmutz, „kannst du uns vielleicht über die tragische Geschichte eines Doppelmordes am Berg erzählen, die bis heute im Appenzeller Gedächtnis präsent ist und später sogar den Stoff für eine Oper lieferte, die im Frühsommer 2011 auf dem Säntisgipfel uraufgeführt wurde?“ 

Dazu der Talkgast: Das sei im Jahr 1922 geschehen. Der Appenzeller Wetterwart Heinrich Haas war einer jener mutigen Männer, die sich damals den Herausforderungen dieser einsamen, entbehrungsreichen und psychisch extrem belastenden Aufgabe da oben am Berg stellten; Haas war nur in Begleitung seiner Frau Maria Magdalena in der Station. Sie wurden beide ermordet. Die Tat blieb längere Zeit unentdeckt. Und die Hintergründe konnten nie restlos aufgeklärt werden.“   

Giselher Sommer 

Infos zum Seilbahnbetrieb und zum Hotel: Website der Säntis-Schwebebahn AG
Was man über den Doppelmord weiß: Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 27.7.2001

Impressionen vom Talk – mit Bildern von Hanna Binder – klick on!

Von links: Stiftsdirektor Herbert Schlecht, Talkgast Bruno Vattioni, Kundenbetreuerin Marina Gernard, Talkmoderator Stephan Schmutz

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