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Schwester Josefa Harter vom Orden der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz

Talk in der Rosenau in Konstanz, moderiert von Stephan Schmutz

Konstanz, 12. Januar 2017. – Geht es Ihnen auch so? Wenn über klösterliches Leben oder die dort lebenden Schwestern und Mönche gesprochen wird, ist man „irgendwie“ befangen. Man weiß so wenig über klösterliches Leben; und dann bewundert man sie auch heimlich, scheinen sie doch Gott so viel näher zu sein als wir in unserer „lauten Welt“. Beneiden wir sie nicht manchmal sogar um ihr Leben in einer großen Gemeinschaft, wo alles so wohlgeordnet erscheint, jeder für den anderen einsteht? 

Wir in Konstanz haben so einen „Ort“ in unserer unmittelbaren Nachbarschaft: Kloster Hegne, Stammsitz der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz hier bei uns im Ländle, nur wenige Autominuten von Konstanz entfernt, direkt an der B 33 gelegen. Eine dicke graue Mauer trennt die weitläufige, sich sanft in das zum Seeufer abfallende Vorgebirge des Bodanrücks einfügende Klosteranlage von der viel befahrenen Bundestraße. Doch ist sie wirklich eine Grenze, die klösterliche Stille abschirmt? 

Die Bedürfnisse der Zeit zu erkennen sei der Wille Gottes - sagt Schwester Josepha

Was für eine Gelegenheit, mit einer Kreuz-Schwester direkt ins Gespräch zu kommen. – Stephan Schmutz hat seinen Gast, Schwester Josefa Harter, die neben anderen Aufgaben auch Pressesprecherin des Klosters ist, inzwischen die Treppe zur Bühne hinauf begleitet. Nach der Begrüßung durch Stiftsdirektor Herbert Schlecht kommt auch der Moderator auf die alte Klostermauer zu sprechen: „Gell, Schwester Josefa, die Schwestern und ich, mir kennet und schätzed uns seit langem." Als Kind sei er schon im Kindergarten von Schwestern aus dem Kloster betreut worden und später als Journalist habe er – auch für Filmaufnahmen – immer wieder gern im  Kloster vorbeigeschaut. Dann wendet er sich den Gästen im Saal zu: „Und wenn Sie demnächst mal wieder mal mit dem Auto an der Kloschter-Mauer vorbeifahren, folgen Sie einfach der Beschilderung und biegen’s gleich noch vor der Mauer nach rechts ab. Sie werden staunen, wie viele offene Türen auf der anderen Seite der Mauer auf sie warten.“ – Schwester Josefa nimmt ihr Mikrophon: „Und Sie werden schnell feststellen, dass Ihre Welt da draußen auch unsere ist.“

Die Bedürfnisse der Zeit erkennen, das sei der Wille Gottes – das sei Wegweisung und Auftrag des Schweizer Paters Theodosius Florentini gewesen, die ihr dieser mit auf ihren Weg gegeben habe. Er hat 1856 in der Schweiz die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz gegründet. „Konsequent handeln und leben wir auch heute danach!“ In dieser Einsicht stecke nach mehr als 160 Jahren immer noch eine Menge „Power“ für die internationale Kreuzschwestern-Gemeinschaft mit ihren mehr als dreitausend Schwestern, die heute Projekte über vier Kontinente hinweg in zwanzig Ländern betreuen und "managen“.

Der franziskanische Geist stellt sicher, dass die Ordensschwestern niemals den Menschen aus den Augen verlieren

Schwester Josefa berichtet: „Aber wir wissen uns fest verwurzelt im franziskanischen Geist und leben aus dem Geheimnis von Kreuz und Auferstehung, was uns niemals den Menschen aus den Augen verlieren lässt; darum sind wir eher das Gegenteil eines Rückzugsortes." In Hegne seien sie heute eine Gemeinschaft von etwa zweihundert Schwestern. "Wir sind moderne Arbeitgeber für noch einmal dreihundert weltliche Mitarbeiter, die als Verwaltungsfachleute, Hotelangestellte, Pflegekräfte, Lehrer und mit anderen Berufen in unseren verschiedenen technischen Bereichen wie Werkstätten, Wäscherei und Klosterküche und Ländereien mit uns zusammenarbeiten." Über Jahrzehnte sei viel in die verschiedenen Immobilien und die „Regie-Betriebe“ für Hauswirtschaft, Reinigung, Technik, Logistik und Verwaltung rund um den Klosterkern investiert worden. „So sind wir heute praktisch ein mittelständisches Unternehmen, das nach Effizienzkriterien geführt wird, wo Kosten im Auge behalten werden müssen." Darum leiste man sich unter der Leitung eines Verwaltungsdirektors auch ein modernes Controlling. Das sei doch alles eher das Gegenteil der so oft vermuteten klösterlichen Stille.

Und sie führt aus: „Wir stehen alle am Beginn eines neuen technischen Zeitalters, das Menschen zu Gewinnern und Verlierern machen kann. So geht es bei allem, was wir tun, darum, den einzelnen Menschen nicht aus den Augen zu verlieren, ihm offen zu begegnen und – wo er Hilfe braucht - ihn aufzufangen."

Um den Kernbereich des Klosters mit dem alten Schloss Hegne und daneben dem Provinzhaus, in dem die Schwestern wohnen, mit der angeschlossenen Klosterkirche, gruppieren sich die verschiedenen Gebäude: Da gibt es das Altenpflegeheim Maria Hilf, in dem 114 pflegebedürftige Bewohner von Schwestern und einem großen Team weltlicher Pflegemitarbeiter sowie von freiwilligen Helfern betreut werden. Inzwischen sei das Haus um einen besonderen Pflegebereich für an Demenz erkrankte Patienten erweitert worden. Im alten Schloss Hegne, nach der Mitbegründerin des Ordens Haus Maria Theresia benannt, verbringen junge Frauen im Postulat und im Noviziat die Zeit der Ordensausbildung. – "Wie sieht es denn mit dem Nachwuchs für Ihren Orden aus?“, möchte der Moderator wissen. Das sei eines der ganz großen Probleme des Ordens. Das Durchschnittsalter der Kreuzschwestern in Hegne liege inzwischen bei 78 Jahren.

Auch ein Tagestreff für Bedürftige sowie Schulen und ein Urlaubs- und Tagungshotel gehören zum Kloster Hegne

Im Haus Franziskus werden jungen Gästen Besinnungstage, Exerzitien, Musik- und Malprojekte sowie „Zeiten im Kloster“ angeboten. Die Theodosius-Stube ist der Tagestreff, in dem bedürftige Menschen Aufnahme, Gemeinschaft und ganz konkrete Hilfe finden.

Das Marianum, eines der größten Gebäude in Hegne, ist das Zentrum für Bildung und Erziehung; fast siebenhundert Schüler besuchen hier Klassen verschiedener Schultypen, mit der Möglichkeit staatlich anerkannter Schulabschlüsse. Das frühere Gästehaus St. Elisabeth hat sich inzwischen zu einem modernen Urlaubs- und Tagungshotel für ein breites Gästespektrum entwickelt, mit Panoramablick über den nahen See mit der Insel Reichenau und bei klarem Wetter bis hinüber in die Schweiz.

Das Haus Ulrika – benannt nach der von Papst Johannes Paul II. 1987 seliggesprochenen Schwester Ulrika Nisch – steht Menschen offen, die Rat und Hilfe suchen in vertrauensvollem Gespräch mit den Schwestern. Hier werden tausende Briefe gelesen und beantwortet; auch am Telefon wird Hilfe gegeben. Hegne ist zudem schon lange ein regionales Pilgerzentrum: Menschen kommen in die Klosterkirche, um die Krypta zu besuchen, in der Ulrika ihre letzte Ruhe fand  – im Jahr 1913, nach einem schlichten, kurzen und von schwerer Krankheit gezeichneten Leben, war sie im Alter von 30 Jahren verstorben. Ein stiller Ort, an dem Menschen beten oder Ulrikas Fürbitte suchen können.   

Stephan Schmutz hat eine letzte Frage: „Sie haben so begeistert und fröhlich von Ihrem Kloster, Ihrem Leben dort und seinen Bewohnern erzählt. Was und wer hat Sie ins klösterliche Leben geführt?“ - Auch sie sei mit 17 und 18 Jahren „jung und verliebt“ gewesen, habe einen medizinischen Beruf erlernt. Irgendwann habe sie sich jedoch die Frage gestellt: „Und wenn Gott etwas anderes mit dir vorhat?“ Drei Jahre habe sie diese Frage nicht mehr losgelassen. Als sie zwanzig wurde, habe sie sich entschieden: Ja, sie wolle diesen Weg gehen! „Und jetzt bin ich 72 und seit 52 Jahren in meinem Orden.“. Nicht alle, die mit ihr die ersten Schritte ins klösterliche Leben begonnen hatten, seien geblieben. Doch sie selbst stehe auch im Blick zurück zu ihrem Weg.

Giselher Sommer



Impressionen vom Talk mit Schwester Josefa Harter
 (Fotos: Beate Steg-Bayer)

Alle Fotos lassen sich mit einem Klick vergrößern.

Beim 45. Talk in der Rosenau: v. l. Marina Gernard, Stephan Schmutz, Schwester Josepha, Herbert Schlecht

 

 


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