Zur Haupt-Navigation springen | Zum Inhalt springen

50 Jahre KWA Kuratorium Wohnen im Alter
Menue
KWA Veranstaltungen

40. Talk in Der Rosenau: mit Ekkehard Falk

Stephan Schmutz befragt den Polizeipräsidenten von Konstanz zu seinem Werdegang, zum Nutzen des Führungs- und Lagezentrums in Konstanz sowie zum Thema Sicherheit.

Konstanz, den 22. September 2016. – Die Tür geht auf. Fröhlich plaudernd betritt Moderator Stephan Schmutz mit seinem Gast in Uniform den Saal; es ist nicht zu übersehen, die beiden kennen sich, der Rundfunk-Mann und der Konstanzer Polizeichef, Ekkehard Falk. Er ist übrigens der erste Talk-Gast in Uniform und – mit seinen 197 Zentimetern – auch der längste Gast, der bisher auf dieser Bühne „Rede und Antwort“ gestanden hat. Zwei Sterne auf jeder Schulter, mit Eichenlaub, und das in Gold, sind die Rangabzeichen, an denen man einen richtigen Polizei-Präsidenten erkennen kann.

Stiftsdirektor Herbert Schlecht begleitet Gast und Moderator auf die Bühne: „Seit 2014 leiten Sie das neue Polizeipräsidium in unserer Stadt. Nicht nur in Europa, auch in Konstanz sind die Menschen aufgeschreckt. Zwei Kriege toben an Europas Rändern. Flüchtlings-Ströme, Terror-Meldungen auch aus unserem eigenen Land verunsichern die Menschen, stellen Politik und Sicherheitsorgane landauf, landab vor völlig neue Herausforderungen. Müssen wir uns Sorgen um unsere Zukunft machen?“ 

Der Rosenau-Hausleiter scheint einen Nerv getroffen zu haben. Sogar das Mikrophon verweigert mit einem lauten Brummen erst einmal seinen Dienst; jemand stürmt in den Technikraum. Der Moderator nimmt’s mit Humor – und schießt die erste Frage ohne Mikro ab. „Seit zwei Jahren ist Konstanz Sitz des neu geschaffenen Polizeipräsidiums für die vier Landkreise Ravensburg, Sigmaringen, den Bodenseekreis mit Friedrichshafen und Konstanz und Sie sind dessen Erster Polizist.“ – Dazu Falk: „An den Polizeirevieren und –posten hat sich dadurch nichts geändert. Was sich geändert hat: Wer jetzt irgendwo in den vier Landkreisen über den Polizeiruf 110 Schutz und Hilfe sucht, landet direkt bei uns im neuen Konstanzer Führungs- und Lagezentrum, das mit neuester Technik versehen und rund um die Uhr mit acht Mitarbeitern besetzt ist. Ob Einbruch, Unfall oder Beschwerde, alle Einsätze werden von dieser Zentrale koordiniert und gesteuert.“ 

Das Konstanzer Führungs- und Lagezentrum steuert die Einsätze in vier Landkreisen und ist bei Großeinsätzen gut vernetzt 

Der Moderator hakt nach: „Ist Effizienz das Zauberwort?“ Es gehe um Effizienz und Redundanz, um in jeder Situation technisch und personell einsatzfähig zu sein und sich gegebenenfalls – etwa bei Großeinsätzen – in Zusammenarbeit mit anderen Präsidien und dem Stuttgarter LKA schnell um zusätzliche Kräfte zu verstärken, eventuell  SEK und MEK (mobiles Einsatzkommando) hinzuzuziehen. Die Effizienz der gegenwärtigen Zuschnitte der Polizeipräsidien werde gerade – auch in Konstanz – in einem Evaluations-Verfahren überprüft. Danach sei die Politik wieder gefordert. Die tägliche Arbeit zwischen allen Beteiligten läuft nach Falks Einschätzung gut.

Nach der Ausbildung – so der Moderator – sei Ekkehard Falk als Polizeihauptwachtmeister von der Stuttgarter Polizei übernommen  worden. Es folgte der Aufstieg in den gehobenen Dienst, das Studium an der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen und weiter ging es auf der Karriereleiter durch das Studium an der Polizei-Führungs-Akademie in Münster-Hiltrup in NRW, heute die Hochschule für Polizei; dann folgten Jahre in Stuttgart „und jetzt sind Sie der Erste Polizist in Konstanz; und ich frage den Experten: Ist Sicherheit eine Frage des Gefühls?“ – Man müsse gefühlte – subjektive – Sicherheits- oder Gefahrenwahrnehmung von objektiver – tatsächlicher – unterscheiden. Jeder könne auch selbst einiges dazu beitragen, sein Sicherheitsgefühl zu steigern. So gebe beispielsweise ein Einbrecher seinen Einstiegsversuch schnell auf, wenn es ihm nicht schnell gelinge, eine gesicherte Tür oder ein Fenster aufzuhebeln.

„Wir leben im südlichsten Zipfel Deutschlands, gibt es in unserer Region typische Ängste?“, möchte Stephan Schmutz wissen. – Nein, das sei nicht zu belegen. Aber ein typischer Angstverstärker sei, dass Informationen über Kriege, Katastrophen, Flüchtlingselend uns heute binnen Minuten über unsere Medien erreichen, die früher Tage brauchten und die wir so als sehr viel näher und bedrohlicher wahrnehmen. 

Ein Polizei-Vertrag mit der Schweiz ermöglicht eine pragmatische Zusammenarbeit an der EU-Außengrenze am Bodensee

„Ich war dabei, als Frau Matthes an den Bodensee kam und mit ihr der Bodenseekrimi in der Tatort-Reihe populär wurde. Gibt es ein typisches Verbrechen bei uns am See?“, eine weitere Frage des Moderators. „Das ist reine Fiktion. Und es gibt auch nicht "die Flüchtlinge" als Straftäter bei uns, das BKA hat sogar eine fallende Tendenz bei Straftaten durch Flüchtlinge festgestellt.“ Ja, Konstanz sei eine Stadt an einer EU-Außengrenze, aber es gebe zwischen Deutschland und der Schweiz einen Polizei-Vertrag, der ein pragmatisches Zusammenarbeiten zwischen den Grenzbehörden sicherstelle. Das habe auch die deutsch-schweizerische „Tuning-Szene“ bei ihren nächtlichen Rennen am Singener Obi-Kreisel und auf der Singener Autobahn schmerzhaft zu spüren bekommen.

Was ihn, ein Flüchtlingskind, damals vor 40 Jahren motiviert habe, eine Polizeilaufbahn anzustreben, möchte Schmutz noch wissen, und, ob und wie es um die Motivation heute beim Polizei-Nachwuchs stehe. –  „Bub, du musst schaffe gange!“, hätten ihm die Eltern unter dem Eindruck ihrer Flucht geraten. Stephan Schmutz: „Und die Polizei hat mit Hubschraubern, Porsche und Schnellbooten auf dem See gelockt? – Vielleicht zur Wasserschutzpolizei auf den See?“ – Dazu Falk: „Nee, schon wegen dem weißen Hai“. Nachwuchssorgen gebe es nicht, noch in diesem Jahr werden 1.100 neue Stellen besetzt und für das nächste Jahr seinen weitere 1.400 Einstellungen geplant.

„Sie haben auch sehr harte, anstrengende Zeiten im Polizeidienst erlebt.“ – „Ja“, so er Gast, „damals nach dem Mord an Generalbundesanwalt Buback und in der Zeit des RAF-Terrorismus. Objektschutz bei Wind und Wetter, auch Nachtdienste. Dennoch hat für mich meine Entscheidung immer ihren Sinn behalten: Das Eintreten für Gerechtigkeit, die Erfahrung der Kameradschaft bei meinen Kollegen und die Fürsorge für unsere Familien.“  Stephan Schmutz bedankt sich für das „tolle und informative“ Gespräch und wendet sich an die Gäste im Saal: „Ja, so könnet Polizei und Polizischte bei uns sein.“

PS: 197 cm groß? Der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. hätte Ekkehard Falk „mit Kusshand“ in die Leibgarde seiner „langen Kerls“ aufgenommen. 

Autor: Giselher Sommer 


« zurück
nach oben

© KWA

nach oben