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25. Talk im KWA Parkstift Rosenau in Konstanz

Monique Würtz im Gespräch mit Konrad Frommer

Konstanz, 28. 1. 2015. – Wenn schon Anglizismen, dann aber – bitte - konsequent! So wird der 25. Rosenau-Talk auch  sprachlich zu einem richtigen „mile stone“ in seiner noch jungen Geschichte! Monique Würtz und Marina Gernard haben sich für diesen Abend, mit dem sie ihre Veranstaltungsreihe ins Jahr 2015 starten, wieder einen „attraktiven Gast ausgeguckt“: Konrad Frommer, der mit  seiner Frau gekommen ist.

Wer lange in Konstanz gelebt hat, kennt ihn vielleicht persönlich, wer den Konstanzer Südkurier liest, kennt sein Gesicht, die silbernen Haare, das Lächeln; es  gibt kaum ein Zeitungsbild ohne dieses Lächeln – seine Markenzeichen? Passt zu dem populären Gast vielleicht  „Cleverle“ oder „Konstanzer Urgestein“? – Schon mit ihrem ersten „statement“ stellt Monique klar, dass man dieser Persönlichkeit mit so simplen Etiketten nicht gerecht wird.

„Herr Frommer, wir beide kennen uns schon lange; aber zur Vorbereitung unseres Gespräches habe ich ein bisschen recherchiert. 2012 sind Sie nach fünfzig Berufsjahren in Konstanz in den Ruhestand gegangen! Und Sie sind – ohne Brüche! – diese fünfzig Jahre auf der städtischen Karriereleiter immer nach oben geklettert, so, dass es einem fast den Atem raubt. 1962 hat alles angefangen mit vierzehn Jahren als Verwaltungslehrling bei der Stadt Konstanz. Verraten Sie es uns, war das wirklich Ihr Traumberuf?“

Ein lächelnder Blick ins Publikum, dann die Antwort des Gastes: „Die Anmeldung zur Lehre in der städtischen Verwaltung geht auf meinen Vater zurück. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie, wir waren fünf Geschwister. Wir wohnten in der Konstanzer Niederburg. Mein Vater – in allerbester Absicht – wollte, dass es uns Kindern einmal besser gehen solle als ihm. Sicherheit war in unserer kleinen Welt ein erstrebenswertes Gut. Und ich war ein braver Bub. Natürlich träumte auch ich wie andere junge Menschen von einem aufregenden Leben, einem interessanten Beruf. – Sie, liebe Frau Würtz,  haben recherchiert und wissen: Was bei mir vielleicht ein wenig unaufgeregt angefangen hat, ist dann aber doch noch sehr spannend geworden. Und ich habe nichts bereut, bin auch meinen Eltern keine Minute gram gewesen.“

Vom Verwaltungsfachmann zum Manager

Monique Würtz: "Ich bin immer noch beim „Atemlos“; vom vierzehnjährigen Konrad aus der Konstanzer Niederburg wird der einflussreiche Konstanzer Stadtdirektor, der Verwaltungsfachmann Frommer mutiert zum gestandenen Manager eines städtischen Konzerns mit Personal-Verantwortung für fast achthundert Mitarbeiter. Sie waren in der Konstanzer Stadtverwaltung auch die treibende Kraft und der Impulsgeber, der sie durch zwei große Umbrüche geführt und neu formiert hat. Sie waren wieder „der Täter“, der in den Siebziger Jahren die neue Datenverarbeitung und die Verwaltung miteinander versöhnt hat. Dann in den Neunzigern als Stadtdirektor haben Sie sich an ganz neue Herausforderungen – Stichworte Effizienz und Kundenorientierung – herangewagt, mehrere städtische Dienstleistungseinheiten in sogenannte „Eigenbetriebe“ und in rechtlich selbständige GmbHs überführt und fast achthundert Mitarbeiter „mitgenommen“ in den neuen „Stadtwerke-Konzern“, so Ihr eigener Name für das Baby. Erzählen sie uns davon!“

Ihm sei auf seinem Berufsweg nichts in den Schoss gefallen. Mit Fleiß und Zielstrebigkeit habe er sich alles erarbeiten müssen. Für eine Karriere, so fügt er nachdenklich hinzu, müssen glückliche Umstände dazukommen und es hat unterwegs immer wieder Menschen geben, „die offensichtlich an mich geglaubt haben“. Mit 26 Jahren sei er vom damaligen Oberbürgermeister zum jüngsten Amtsleiter ernannt worden, „was damals fast einer Palastrevolution gleich  gekommen“ sei.

Dann habe er alle ihm gebotenen Chancen der Weiterbildung genutzt – heute würde man vom zweiten Bildungsweg sprechen. Oberbürgermeister Dr. Helmle sei sein großer Förderer gewesen, dem er noch heute dankbar sei, weil er ihm auch den Weg zum Diplom-Verwaltungsfachwirt (FH) in Freiburg ermöglichte.

Mit Mut und Augenmaß zum Meisterstück

1991 ist er zum Hauptamtsleiter in Konstanzer Rathaus ernannt worden,  was den Aufstieg in den höheren Beamtendienst und die Beförderung zum Verwaltungsdirektor ermöglichte. In den folgenden zehn Jahren habe er dann „sein Meisterstück“ abliefern müssen. So sei auch im Verwaltungsbereich immer mehr das marktwirtschaftliche Denken entdeckt und gefordert worden. Bürger- und Kundenorientierung haben die Zauberworte geheißen. Dann sei es Schlag auf Schlag gegangen.

Die Technischen Betriebe und die Entsorgungsbetriebe wurden in sogenannte „Eigenbetriebe“ ausgegliedert. Dann entstanden die ersten rechtlich selbständigen städtischen GmbHs, die Tourist-Information und die Stadtmarketing Konstanz GmbH. Auch die Stadtwerke Konstanz GmbH wurde aus der Taufe gehoben, mit den Dienstleistungsbereichen Energie, Wasser, Strom, Wärme und Versorgungsnetze, Bus- und Fährebetrieb Konstanz – Meersburg. Das Energie-Informationszentrum im städtebaulich spektakulären „Energiewürfel“  wurde später gebaut, die Stadtbusflotte erweitert und modernisiert, ebenso die Fähren nach Meersburg.

Nach zähen Verhandlungen mit der Bahn habe man die  Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft (BSB)  übernommen, die auch gemeinsam mit der Schweizer Schifffahrtsgesellschaft den Fährbetrieb Friedrichshafen – Romanshorn betreibt, die Häfen auf der deutschen Seeseite wurden gekauft und in einer eigenen Hafen-Gesellschaft zusammengefasst. Sieben neue Schiffe wurden inzwischen in Dienst gestellt, die neue Konstanzer Therme und die Freibäder der Stadt werden in einer weiteren Konzerntochter, der Bädergesellschaft Konstanz mbH, eingegliedert. Die Katamarane Konstanz - Friedrichshafen betreibe man gemeinsam mit den Stadtwerken Friedrichshafen.

So sei bis 2003 aus einem lokalen Dienstleister ein regionaler  Dienstleistungsverbund – ein städtischer Konzern – entstanden, der sich anschicke, mit seinen mehr als achthundert Mitarbeitern allmählich die Umsatzmarke von fast 200 Millionen „zu knacken“. Bis zu seinem Ausscheiden im Herbst 2012 hat Konrad Frommer die Stadtwerke Konstanz GmbH mit allen Tochtergesellschaften im Konzern gemeinsam mit dem Geschäftsführerkollegen Kuno Werner geleitet.

„Und jetzt hat Sie die Stadt Konstanz noch einmal für eine Übergangszeit in die Pflicht als Geschäftsführer der Konstanzer Stadtmarketing Gesellschaft genommen, auch eines Ihrer früheren Babies“, so Monique, „da zurzeit eine Neustrukturierung erfolgt und ein neuer Geschäftsführer gesucht wird. „Haben sich in der Zeit der Gründung und heute die Anforderungen an ein modernes Stadtmarketing geändert? Wo liegen jetzt die Schwerpunkte? Was raten Sie aus Ihrer Erfahrung?“ möchte Monique noch von ihrem Gast wissen.

Konstanz habe viele Pfunde, mit denen die geschichtsträchtige Konzils- und Grenz-Stadt am See wuchern könne. Auf keinen Fall dürfe das Stadtmarketing  vordergründig als  „Eventbüro“ wirken. Die Rolle eines kooperativen Netzwerkers in viele Richtungen, darin sehe er ein Potential für die Stadt, ihre Menschen und ihre Wirtschaft.

Giselher Sommer


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