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Talk in der Rosenau: Über die Großmutter von Björn Graf Bernadotte

Autorenlesung im KWA Parkstift Rosenau „Vom Zarenpalast zu Coco Chanel – Die Großfürstin Maria Pawlowna Romanowa“ von Gunna Wendt

Konstanz, 14. Januar 2014. Der Talk im KWA Parkstift Rosenau hat sich inzwischen zu einem echten Markenzeichen entwickelt. Diesmal hatten sich Marina Gernard und Monique Würtz etwas Neues einfallen lassen: keinen „Talk“, sondern eine Lesung mit  der Münchner Schriftstellerin, Journalistin und Kuratorin Gunna Wendt – als Biographin intime Kennerin der Familiengeschichte der Bernadottes. 

Wie ein Engel sieht sie aus mit ihren langen hellblonden Haaren, und sie lächelt, als sie auf der Bühne Platz nimmt, in ihrem Manuskript blättert. Eine kleine Leselampe sorgt für das notwendige Licht, daneben auf dem kleinen Tisch ein winziger Blumentopf mit einem orangefarbenen Primelchen, ein kleiner „Frühlingsgruß“ für den Gast? Der lächelnde Engel beginnt, mit ruhiger, klarer Stimme zu sprechen; doch es ist kein „er“ – Gunna Wendt liest vor. Im voll besetzten Saal wird es mucksmäuschenstill, auf den Tischen flackern Kerzen, draußen wird es bereits dunkel.

Oktoberrevolution, Weltkrieg und ein schwedischer Prinz brachten der Großfürstin kein Glück: Sie musste Sohn Lennart zurücklassen

Gunna erzählt die dramatische Geschichte einer jungen, unendlich starken Frau; hineingeboren als Großfürstin in die Welt der russischen Zarenfamilie Romanow wird sie früh zusammen mit dem geliebten Bruder Dmitri Halbwaise. Sie erlebt die Wirren der russischen Oktoberrevolution, den ersten Weltkrieg an der russischen Front als Krankenschwester, und mit siebzehn Jahren wird sie in eine unglückliche Ehe mit einem Prinzen des schwedischen Königshauses gedrängt, die bald scheitert. Ihren kleinen Sohn Lennart muss sie beim Vater in Schweden zurücklassen – Schuldgefühle werden sie ihr ganzes Leben begleiten. Mit ihrer Scheidung hat sie Skandale am russischen Zarenhof und in Schweden ausgelöst. Und sie bezahlt einen hohen Preis: Sie verliert die Liebe ihres verlassenen Kindes Lennart, des späteren Grafen Bernadotte. 

Sehr gebildet war Maria, die Großfürstin, mehrsprachig, kultiviert im Auftreten, attraktiv und willensstark. Und sie sah  früh voraus, dass die Zeit der autokratischen Herrschaftssysteme in Europa zu Ende gehen würde. Sie wollte heraus aus dieser erstarrten Welt. Jahre verbrachte sie in Frankreich, in England, bereiste den Fernen Osten, lebte in Argentinien und in Amerika. Als Textil-Designerin arbeitete sie zeitweise mit Coco Chanel in Frankreich zusammen, später war sie als Buchautorin, Fotografin und Journalistin in den USA und in Schweden erfolgreich. Aber ihre Erfolge waren nie von Dauer: Immer wieder stand sie vor dem Nichts, musste neu beginnen. Mehrere Ehen scheiterten. 

Nach einem Leben in aller Herren Länder nahm der Sohn die Mutter am Bodensee auf: Die Gebeine der Großfürstin liegen auf Mainau 

Es war ein ruheloses Leben voller Höhen und Tiefen, Abstürze und Rückschläge, aber auch voller Lust am Leben, Neugier, Kreativität, Energie, und Durchhaltewillen, ein Leben, das sie durch die halbe Welt führte. Und es war ein Leben voller Schuldgefühle. Ein zweites Kind verlor sie früh durch Krankheit. Sie gab sich die Schuld am Schicksal ihrer beiden Kinder. Sie wusste aber auch, dass ihr Lebenskampf immer auch ein Überlebenskampf gewesen war, der sie hart gemacht hatte gegen sich selbst und andere, mit zwei Ausnahmen: der heißgeliebte Bruder Dmitri und – Jahre später – auch Lennart, dem sie sich doch noch anvertrauen konnte. 

Der erwachsene und gereifte Lennart hatte die Größe, seine Mutter in ihrer Not zu verstehen und ihr zu vergeben. Maria – wie er sie nannte – starb am Bodensee. Sohn Lennart holte „Maria zu sich auf seine Insel und sorgte dafür, dass sie ihre letzte Ruhe an der Seite ihres geliebten Bruders, des Großfürsten Dmitri, in der Schlosskirche der Insel Mainau fand.“ So steckt in diesem Buch nicht nur ein spannendes Stück Zeitgeschichte, sondern auch eine „Geschichte hinter der Geschichte“: eine Geschichte von unendlicher Sehnsucht, von Liebe und Verzeihen. Danke Gunna Wendt für dieses einfühlsame Buch.

Gastbeitrag von Giselher Sommer


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