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Talk in der Rosenau mit der Gleichstellungsbeauftragten Christa Albrecht

Über Initiativen, Veranstaltungen und Angebote für in Konstanz zur Verbesserung der Chancengleichheit.

Konstanz, 13. September 2018. - Artikel 3 unseres Grundgesetzes besagt, dass alle Menschen gleich zu behandeln sind und niemand – aus welchem Grund auch immer – diskriminiert oder benachteiligt werden darf und der Staat hierüber zu wachen hat. So – vereinfacht – der Auftrag des Grundgesetzes. Konstanz nehme diesen Auftrag bereits seit über dreißig Jahren sehr ernst, so Talk-Gast Christa Albrecht, die das Amt der Chancengleichheitsbeauftragten in Konstanz seit nunmehr fast 32 Jahren ausfüllt. Sie sei Pionierin in diesem Amt gewesen, das Mitte der 1980er Jahre als Stabsstelle des Oberbürgermeisters eingerichtet wurde und das sie Ende Oktober 2018  an eine sehr qualifizierten Kollegin übergeben werde, wenn sie selbst in den Ruhestand geht.

Der Talk-Moderator Stephan Schmutz: „So wurden wir beide damals Kollegen, denn ich war Pressesprecher der Stadt in einer auch dem Konstanzer „OB“ zugeordneten Stabstelle, die später mein Sprungbrett in die Welt der Presse und des Rundfunks wurde." Schmutz fragt die ehemalige Kollegin, warum eine Stadt wie unser „beschauliches Konstanz an Deutschlands letztem Zipfele" überhaupt eine Gleichstellungsbeauftragte benötigt. – „Weil das Bewusstsein dafür, dass die Gleichstellung von Mann und Frau im Privaten wie im Beruf heute eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte, auch in Konstanz an vielen Stellen Nachhilfe brauchte", ist sich Christa Albrecht sicher. Auch heute, mehr als dreißig Jahre später - wo sich viel verändert  und manches auch zum Besseren gewendet hat - bleibe die Arbeit einer Gleichstellungsbeauftragten eine „never ending story".

Nur wenige Frauen erreichen leitende Positionen

Heute gebe es in Baden-Württemberg etwa fünfzig Gleichstellungsbeauftragte. Konstanz sei eine der sechs Vorreiter-Städte im Land gewesen. Die ersten Jahre seien Aufbaujahre gewesen. „Mit Block, Blei und einem Figus“ in einem kleinen Büro habe alles angefangen. Sehr nett sei sie damals aufgenommen worden, die junge Beamtin aus dem Sozial- und Jugendamt, die ein Studium der Erziehungswissenschaften als „Zugabe“ mit ins neue Amt einbrachte. Heute gehe die Wirkung ihres Referates weit über die städtische Verwaltung  hinaus: Zahlreiche Projekte für die Menschen in der Stadt wurden und werden hier initiiert und mit Partnern auch gemeinsam betreut. Und man kooperiere und tausche sich heute ganz selbstverständlich auch über Grenzen hinweg aus, mit Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz, in Österreich und Liechtenstein, soweit es die unterschiedlichen nationalen Gesetze zulassen. 

2016 hat der Stuttgarter Landtag sein Chancengleichheitsgesetz überarbeitet, um dem beruflichen Fortkommen von Frauen im öffentlichen Dienst „gezielt Schub“ zu geben. Dabei gehe es auch um die bessere Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, „weil Frauen und Männer endlich gleiche berufliche und gesellschaftliche Chancen bekommen sollen". Immer noch erreichen laut Christa Albrecht viel zu wenig Frauen – auch in Konstanz in der Verwaltung wie in den städtischen Unternehmen – leitende Positionen.

Teams aus Männern und Frauen erzielen bessere Arbeitsergebnisse

Es liege auf der Hand, dass Defizite in der Gleichbehandlung von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern in einem Betrieb oder ungleiche Bezahlung bei gleichen Tätigkeiten zu Konflikten mit den verantwortlichen Vorgesetzten führten; hier biete sie notfalls  - aber diskret! -, mit dem Chancengleichheitsgesetz und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz im Rücken, Vermittlung oder Hilfe bei der Suche nach Konfliktlösungen an. Rückblickend stellt sie fest: „In der städtischen Verwaltung wie auch den ausgegliederten Betrieben ist längst zum festen Erfahrungswissen geworden, dass gemischte Teams aus Männern und Frauen bessere Arbeitsergebnisse erzielen als „Monokulturen“ aus nur Männern oder Frauen." 

Stephan Schmutz ermuntert seine Gesprächspartnerin: „Was im Innenleben der städtischen Einrichtungen begann, hat längst auch nach draußen kräftige Wellen erzeugt. Erzähl‘ uns a bissele davon!“  

Zuerst möchte der Gast aber noch von einem Herzensanliegen berichten. Das sei der traurige Abschied von der Städtischen Mädchenschule Zoffingen. Konstanz habe die Schließung der Schule endgültig vollzogen, zum Bedauern vieler Menschen in der Stadt. Jetzt gehe es nur noch darum, der Leistung der Lehrerinnen und Lehrer und dem altehrwürdigen Schulhaus  der Dominikanerinnen, das die Stadt entkernen und einer neuen Bestimmung zuführen wird, wenigstens ein Denkmal  zu setzen, wenn leider auch nur in Form von Fotos, die dem Archiv der Stadt  übergeben werden. „In Karlsruhe sei man andere Wege gegangen. Hier blüht ein Dominikanerinnen-Gymnasium mit siebenhundert Schülerinnen weiter!“, sagt sie, mit vernehmbaren Bedauern. 

Frauentag, Girls' Day und Boys' Day sollen die Gleichstellung voranbringen

Dann gibt sie Beispiele von Großveranstaltungen, die in ihrer Verantwortung lagen: den Internationalen Frauentag, vor zwei Jahren im Konstanzer Inselhotel, den jährlichen Girls' Day und den noch jüngeren Boys' Day (Berufsorientierungstag), an dem Mädchen  bzw. Jungen Gelegenheit haben, in Berufe Einblick zu nehmen, die normalerweise noch vom jeweils anderen Geschlecht dominiert werden: Um bei Mädchen  beispielsweise Interesse für  technische Berufe zu wecken,bei Jungen für Sozial-, Pflege- und Erziehungsberufe, „um traditionellen Zementierungen zu Leibe zu rücken, mit zum Teil erheblichen Konsequenzen auch für  eine bessere Bezahlung“. Wo es nötig und möglich ist, werden auch Partner wie Schulen, Jugendverbände oder in Konstanz die Spitalstiftung und das Klinikum mit einbezogen.

Stephan Schmutz fragt nach dem sogenannten "Wohnungsverweisverfahren". - Das sei eine sehr ernste Angelegenheit. "Hier werden nicht nur Schlüssel entzogen. Es geht um häusliche Gewalt, sexuellen Missbrauch in Familien, Schläge, Misshandlungen und die schnelle Hilfe für betroffene Frauen und Kinder." Täter geraten heute rasch ins Visier von Staatsanwälten, weil häusliche Gewalt – die in allen gesellschaftlichen Schichten vorkommt – heute ein Offizialdelikt ist. Der Staatsanwalt muss dann tätig werden. Und ein modernes Polizeirecht ermöglicht heute auch der Polizei, schneller einzugreifen. Wichtig sei rasche Hilfe für die Opfer, unter anderem durch Frauenhäuser und Jugendämter. Aber auch die Täter brauchen  Hilfe. Deshalb arbeite man mit vielen Organisationen, staatlichen und städtischen Einrichtungen zusammen.  

Selbstbehauptung und Selbstverteidigung kann man lernen

Mit zum Wichtigsten, was man Kindern mit auf den Lebensweg geben könne, sei ein gesundes Selbstwertgefühl. Dazu gehören  Angebote wie  sog. „Selbstbehauptungskurse" für Jungen und Selbstverteidigungslehrgänge für Mädchen. „Mädchen sollen lernen, wie man sich wehren kann, sie sollen lernen, sich zu trauen! Und Jungen müssen lernen, nicht gleich zu prügeln. Lernen, dass man Konflikte auch ohne Fäuste  lösen kann.“ Auch hier arbeite man mit  anderen Institutionen zusammen. So sei das Büro der Gleichstellungsbeauftragten auch ein Initiator, der andere anregt, mitzumachen. 

Ein immer wichtiger werdendes Thema sei der Wiedereinstieg in den Beruf von Frauen nach der Kinderpause. In der Stadtverwaltung gebe es immer mehr Teilzeitkräfte, weil man man sehr flexibel geworden ist. In der Wirtschaft sei da noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Sehr erfreulich habe sich die Zusammenarbeit in der Vierländer-Region entwickelt, man sei zunehmend Partner auch bei größeren Projekten geworden, was auch Geldtöpfe der EU geöffnet hat.

„Was ich als Fazit aus meinen mehr als dreißig Jahren Erfahrung mitnehme? Natürlich trifft man in so einer Funktion immer wieder auf Vorbehalte, Ängste, andere Meinungen. Mit Augenmaß, Sich-seiner-Sache- sicher-sein, gutem miteinander Umgehen sowie gegenseitiger Wertschätzung kann man dennoch Berge versetzen!“

Giselher Sommer

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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