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Talk in der Rosenau mit Angela Rosengart – Picassos Muse?

Moderator Stephan Schmutz und Überraschungsgast Professor Dr. Roland Doschka befragen die Stifterin der Sammlung Rosengart. - Picassos zweite Ehefrau Jacqueline Roque war nach Angela Rosengarts Einschätzung sehr bedeutsam für das Spätwerk des Künstlers.

Konstanz, 8. Dezember 2016. – Angela Rosengart im KWA Parkstift Rosenau. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht nur weil es wundervoll klingt, sondern, weil es wundervoll ist. Die Stifterin der Sammlung Rosengart, die dauerhaft im gleichnamigen Museum in Luzern ausgestellt ist, lernte schon als junge Frau die größten Künstler der Welt kennen. Pablo Picasso. Marc Chagall. Henri Matisse. Georges Braque. Und viele, viele andere. Der Vater von Angela Rosengart handelte Kunst und die Tochter dann auch. Wobei die Berufsbezeichnung Kunsthändlerin den Kern nicht trifft. Kunst ist die große Liebe von Angela Rosengart, insbesondere die der Klassischen Moderne.

Als Muse von Picasso ist sie angekündigt und darauf zielt dann auch gleich die erste Frage von Talk-Moderator Stephan Schmutz. „Was bedeutet Ihnen dieses Prädikat aus der Antike?“ Das Publikum hält den Atem an. Was sie dazu wohl sagen wird? Und dann kommt sie, die Antwort: „Ich glaube, Picasso hat mich gerngehabt. Ich hab' ihn vielleicht dazu inspiriert, Porträts von mir zu machen. Aber ich möchte nicht so hoch greifen, dass ich eine Muse Picassos war." – Wir müssen das so stehen lassen, wenngleich er sie fünf Mal porträtiert hat.

Wie gern er sie hatte, zeigt der Anhänger einer Halskette, die Angela Rosengart beim Talk trägt. Dazu erzählt sie: Was sie bei Picasso immer fasziniert habe, war seine Neugier, die er sich bis ins hohe Alter erhalten hat. Das habe ihn jung gehalten. Bei einem Besuch bei ihm trug Angela Rosengart einen Metallgürtel mit einem großen Anhänger. „Das hat er sofort gesehen und mich darauf angesprochen. Und ich war so neckisch und hab' gesagt: Das ist etwas, worauf man eine Gravur machen kann."

Sie hat ihm den Anhänger gegeben. Und eines Tages kam ein Anruf: „Ich hab' für Sie gearbeitet." Der Versuch mit der Metallplatte des Gürtels war misslungen, weil sie aus Messing war. Stattdessen bekam sie von Picasso einen Anhänger aus Kupfer: Auf diesem ist die Radierung gelungen. – Und auf der Rückseite steht: „Pour Angela" sowie die Signatur „Picasso“.

Pablo Picasso porträtierte laut Angela Rosengart mit „Röntgenaugen“

Welche Erinnerungen sie an die Sitzungen hat, in denen sie von Picasso porträtiert wurde? „Ich erinnere mich vor allem an seinen durchdringenden Blick", sagt sie. „Diese Röntgenaugen. – Wenn er mich porträtiert hat, durfte ich mich weder bewegen noch sprechen. Er hat auch nicht gesprochen, mich aber immer wieder angeschaut. Beim vierten Porträt, das 1964 entstand, hat das zweieinhalb Stunden gedauert. Ich habe mich hinterher wie ausgebrannt gefühlt."

Stephan Schmutz fragt nach ihrer ersten Begegnung mit Picasso. – Für die Antwort holt Angela Rosengart aus: Der Vater habe ihn bereits 1914 kennengelernt. Daraus sei eine Freundschaft erwachsen. Im Jahr 1949 hat der Vater sie dann zum ersten Mal zu Picasso mitgenommen und vorgestellt: in seinem Atelier in Paris. Da war sie 17 und Picasso 67. „Picasso war zu dieser Zeit schon eine Größe. Ich war eingeschüchtert, habe nur wenig gesprochen. Der Vater hat sich unterhalten. Und irgendwann hat Picasso plötzlich gesagt: Herr Rosengart, Sie haben aber eine hübsche Tochter."

Stephan Schmutz hat eine Überraschung für Angela Rosengart: Er bittet – den bis dahin versteckt sitzenden – Professor Roland Doschka auf die Bühne. Angela Rosengart strahlt, als er kommt, die beiden umarmen sich. Sie sind einander seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. Doschka nimmt auf dem dritten Sessel Platz. Der gebürtige Tübinger ist Herausgeber und Verfasser von Büchern, Kurator von Kunstausstellungen sowie Gartengestalter. Ab 1981 organisierte er in Balingen Kunstausstellungen zur Klassischen Moderne, seit 2011 in Lindau – mit außerordentlich großem Erfolg. Für seine großen Verdienste um die Kultur wurde ihm dieses Jahr der Goldene Bürgerring der Stadt Lindau verliehen, den Ehrenring der Stadt Balingen trägt er schon seit 15 Jahren. Roland Doschka hat für den Talk mit Angela Rosengart eine Reihe möglicher Fragen übermittelt. Stephan Schmutz bittet ihn, einige der Fragen nun selbst zu stellen.

"Jede von Picassos Frauen war zur jeweiligen Zeit für ihn wichtig und inspirierend"

Der Kunstexperte geht dann auch gleich in medias res: „Es ist bekannt, dass Picassos Werk hauptsächlich von einer Reihe außergewöhnlicher Frauen beeinflusst wurde. Welche der Frauen hat sein Werk wohl am nachhaltigsten inspiriert?“ Angela Rosengart nennt Jacqueline Roque, Picassos zweite Ehefrau, die etwa von 1954 bis zu seinem Tod im Jahr 1973 an seiner Seite war. Von ihr gibt es auch die meisten Porträts. Doch: „Marie-Thérèse Walter war auch sehr wichtig. Und Dora Maar war sehr wichtig. – Jede seiner Frauen war zur jeweiligen Zeit für ihn wichtig und inspirierend", so Angela Rosengart.

Roland Doschka geht auf Jacqueline ein: „Ihr Einfluss wurde lange unterschätzt. In der Literatur wurde sie beiseite geschoben.“ Dabei habe Jacqueline Picasso abgeschirmt und ihm dadurch den nötigen künstlerischen Freiraum geschaffen. Doch das wurde nicht anerkannt. „Sie wurde deswegen sogar angefeindet", berichtet Angela Rosengart. „Aber mir hat sie erzählt, dass sie nur das gemacht hat, was er ihr gesagt hat.“ Jacqueline habe nur die weggeschickt, die er an diesem Tag nicht sehen wollte. – „Sie war nicht diese dumme kleine Frau, als die sie heute oft dargestellt wird, sondern hochgebildet. Sie hat selbst Gedichte geschrieben und war befreundet mit großen französischen Dichtern. Und sie hatte einen ganz zauberhaften Humor. Eine fantastische Frau." – Angela Rosengart war mit ihr gut befreundet.

Picassos Spätwerk war zunächst ein Flop, heute ist es on top

Dem Spätwerk Picassos wurde zunächst wenig Bedeutung beigemessen. Roland Doschka zu Angela Rosengart: „Du hast früh erkannt, wie bedeutend sein Spätwerk ist. – Wie kam es dazu?“ Nicht nur sie allein, sondern auch ihr Vater habe die Bedeutung erkannt. „Wir waren ja immer wieder bei Picasso. Und er hat uns immer wieder in sein Atelier geführt. So konnten wir die Entwicklung verfolgen. – Für alle, die erst die Ergebnisse gesehen haben, war das ein Schock.“ Die Ausstellung „Picasso heute“ im Jahr 1969 sei beim Publikum ein Fehlschlag gewesen. „Mein Vater und ich waren begeistert von den kraftvollen Werken und der Erneuerung von Picasso. Doch die Menschen waren damals verständnislos.“

Für viele Künstler waren Rosengarts nicht nur Freunde, sondern auch Geschäftspartner. Sie hatten in vielen Ateliers die „first choice“, bekamen die Bilder, die sie wollten. Es gab immer wieder Werke, von denen sie sich dann nicht trennen wollten. So kam es im Lauf der Jahre zu einer stattlichen Sammlung, die heute in Luzern zu sehen ist. „Ich hatte das Gefühl, ich muss die Werke nach dem Tod meines Vaters zusammenhalten“, offenbart Angela Rosengart. Um dies zu erreichen, hat sie eine Stiftung ins Leben gerufen. Dass heute Tausende von Menschen die Bilder der Sammlung Rosengart sehen möchten, mache sie glücklich.  

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Impressionen vom Talk mit Angela Rosengart (Fotos: Oliver Hanser):

Stiftsdirektor Herbert SchlechtTalk in der Rosenau mit Angela RosengartTalk in der Rosenau mit Angela Rosengart
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Talk in der Rosenau mit Angela RosengartRoland Doschka im KWA Parkstift Rosenau in Konstanz auf der Talk-BühneAngela Rosengart und Stiftsdirektor Herbert Schlecht

 

 

 


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