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Talk in der Rosenau: Monique Würtz im Gespräch mit Eric Thiel

Der Geschäftsführer der Stadtmarketing Konstanz GmbH gewährte im KWA Parkstift Rosenau Einblicke in sein Marketingkonzept - Unter den Zuhörern: KWA Vorstand Dr. Stefan Arend und PR-Verantwortliche von KWA aus ganz Deutschland

Konstanz, 15. März 2016. – Aufmerksame Besucher, die regelmäßig zum Talk kommen, kennen sie längst: die Fotowand vor dem Saal der Rosenau. Sie setzt sich wie ein Puzzle aus KWA Gesichtern zusammen und wird von einer ganz besonderen Blüte geziert: dem 50-Jahre-KWA-Logo. Das gemeinnützige Sozialunternehmen KWA, das seine Wurzeln in München hat, feiert dieses Jahr seinen goldenen Geburtstag. Das Geburtstags-Logo prangte dann auch vom Rednerpult, an dem Stiftsdirektor Herbert Schlecht die Talkbesucher, Moderatorin Monique Würtz und Talkgast Eric Thiel begrüßte: mit einem Gläschen Sekt zum Jubiläumsjahr. 

Monique Würtz wies darauf hin, dass in diesem Jahr nicht nur KWA seinen 50. Geburtstag feiert, sondern auch die Uni Konstanz. – Auch der 50. Talk in der Rosenau sei bereits "in Sichtweite": Im kommenden Frühsommer wird es so weit sein. Dann wird es gewiss wieder ein Gläschen Sekt geben.

Der 47-jährige Eric Thiel, seit neun Monaten Geschäftsführer der Stadtmarketing Konstanz GmbH, ist zwar gebürtiger Rheinländer, mit der Bodenseeregion jedoch seit Jahren vertraut. Vor seinem Antritt in Konstanz war er verantwortlich für das Landesmarketing im Fürstentum Liechtenstein. Einen guten Namen hat er sich vor allem durch die erfolgreiche Sanierung der Bregenz Tourismus & Stadtmarketing GmbH gemacht, er war dort von 2009 bis 2012 Geschäftsführer.

Marketing-Tipp von Eric Thiel: Man muss eine Nische suchen und überlegen: Wofür stehe ich? - Natur, Kultur sowie Wirtschaft und Wissenschaft als drei tragende Säulen von Konstanz

Einen guten Namen hat laut Thiel auch "seine" Stadt. Er sagt: "Das Image von Konstanz draußen ist ein sehr, sehr gutes." Diesen Eindruck hat er von der ITB aus Berlin mitgenommen, der führenden Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft, wo man sich trifft und austauscht und über Trends informiert. Deutschland liege im Trend. Für die Vier-Länder-Region am Bodensee interessieren sich sogar Inder und Chinesen. Wenn alle am See das Gleiche bieten würden, wäre das allerdings nicht erfolgsversprechend. Die Überzeugung des Marketingexperten: "Man muss eine Nische suchen und überlegen: Wofür stehe ich? Womit kann ich punkten? Und wofür stehe ich nicht?" Die Stadt Konstanz hat sich auf der Messe gemeinsam mit dem Landkreis präsentiert, auch die Mainau GmbH und die Konzilstadt Konstanz waren am gemeinsamen Konstanz-Stand vertreten. Da ziehe man an einem Strang. Die Mainau sei natürlich ein Juwel. 

Um Thiels Verständnis von Marketing auf die Spur zu kommen, bat Monique Würtz ihr Gegenüber um eine Definition. Und diese lautete: "Für mich ist Marketing eine Philosophie. Bildlich gesprochen: Der Wurm muss nicht dem Angler schmecken, sondern dem Fisch." Eric Thiel hat sich gleich nach der Übernahme der Geschäftsführung von Stadtmarketing Konstanz ganz genau angeschaut, was dem Fisch präsentiert wird. Eine erste Analyse ergab, dass bisher mit 16 verschiedenen Begriffen für Konstanz geworben wurde, unter anderem mit: Universitätsstadt, Wissenschaftsstadt, Einkaufsstadt, Kulturstadt, Zukunftsstadt, Sportstadt, Handwerkerstadt und Grenzstadt. Damit soll nun Schluss sein. Thiel möchte "die Nummer-eins-Themen" nach vorne bringen, auf drei Säulen reduzieren. Die Stärken-Schwächen-Analyse und Workshops haben gezeigt, wo die Stärken liegen. Demnach sind Natur, Kultur sowie Wirtschaft und Wissenschaft die stärksten Säulen. Auf der Basis dieses Ergebnisses wird Konstanz sich künftig positionieren. - Marketing heißt für Thiel auch "eindampfen". 

Ob es nicht schwierig gewesen sei, die neue Positionierung zu bestimmen, fragte Monique Würtz. Dazu der Talkgast: "Ich stelle das Miteinander in den Vordergrund. Wir haben in den Workshops gemeinsam diese Positionierung erarbeitet." Wer sich als Marketing-Guru hinstelle, werde auf Widerstand stoßen. Nur wenn auch andere das Konzept mittragen - so zum Beispiel auch die Blumeninsel Mainau, die Gastronomen, die Hoteliers, die Einzelhändler und andere - kann Standortpositionierung laut Eric Thiel gelingen.

Auch grenzüberschreitende Projekte müssen sich rechnen – Positive Beispiele: "Literatur in den Häusern", der 24-Stunden-Flohmarkt und das Kinderfest

Wer Monique Würtz kennt, weiß, dass es nicht ausschließlich angenehme Themen gibt. Und so wollte sie von Talkgast Thiel wissen, warum Konstanz sich nicht mehr an der grenzübergreifenden Gewerbemesse GEWA beteiligen möchte. Die Messe sei doch früher gut gelaufen. Laut Thiel waren unter den Teilnehmern auf deutscher Seite zuletzt nur noch 20 Prozent Kontanzer Gewerbetreibende. Aus verschiedenen Gründen. Mit maximal 40.000 Gästen dürfe man in den dreieinhalb Messetagen rechnen. In der Konstanzer Innenstadt habe man - ohne Messe - pro Tag durchschnittlich etwa 50.000 Besucher und damit rund 150.000 Gäste in diesem Zeitraum. Der Aufwand für die Messe sei groß, man müsse viel Geld in die Hand nehmen. Die Konstanzer Gewerbebetreibenden seien schon längere Zeit nicht mehr begeistert davon. Wenn es weder aus kaufmännischer noch aus Marketingsicht Sinn macht, müsse man entsprechende Entscheidungen treffen. Auch, wenn dies schwer gefallen sei.

Ein "wunderbares kleines Projekt" nannte Thiel "Literatur in den Häusern". Monique Würtz beschrieb es: Privatpersonen stellen ihre Wohnung zur Verfügung, bieten Getränke und Knabbereien an, Schauspieler des Stadttheaters lesen vor. Danach geht man noch zur sogenannten Salon-Nacht. "Da treffen sich Literaturinteressierte, die sich vorher nicht kannten." Das gebe es jetzt auch in Kreuzlingen, jedoch nicht als Konkurrenzveranstaltung, sondern an einem anderen Tag. So können Schweizer Literaturinteressierte zu deutschen Gastgebern kommen, und deutsche Literaturinteressierte zu schweizerischen Gastgebern. 

Sehr angetan zeigte sich Thiel vom großen grenzüberschreitenden Flohmarkt Kreuzlingen-Konstanz: "Ganz viele Fans nehmen extra dafür Urlaub. Das Flair am Wasser ist ein ganz besonderes." Tatsächlich kommen Gäste aus ganz Europa nach Kreuzlingen und Konstanz, um die besondere Atmosphäre beim 24-Stunden-Flohmarkt zu erleben. Rund 80.000 bis 90.000 Menschen werden dazu erwartet. Über 1.000 Aussteller werden am ersten Juniwochenende Waren feilbieten. Ein Spektakel der besonderen Art. Für dieses Jahr habe man neue Erweiterungsflächen direkt am Wasser bekommen.

Monique Würtz verwies darauf, dass auch Oldtimertreffen sehr beliebt sind - und warf damit einen kleinen Speer Richtung Eric Thiel. Dieser gestand: "Ja, da haben wir ein wenig reduziert." Doch der Geschäftsführer von Stadtmarketing Konstanz nannte dann auch die Gründe, warum er die Veranstaltungsreihe "eindämmt": verstopfte Straßen, belastete Parkplätze und verschmutzte Luft. Als Projekt mit einer positiven Entwicklung beschrieben Würtz und Thiel das grenzüberschreitende Kinderfest, das von inzwischen 70 Institutionen organisiert und sehr gut von Familien angenommen wird.

Events in Konstanz sollen künftig besser abgestimmt werden - Eric Thiel wünscht sich "Marketing aus einem Guss" - Von der Verschmelzung von Tourismus und Stadtmarketing sowie der gemeinsamen Kommunikation für die städtische Wirtschaftsförderung erhofft sich der Marketingexperte Synergien

Laut Monique Würtz gibt es kritische Stimmen, die sagen, dass in Konstanz für ein Oberzentrum zu wenig Kultur geboten werde. Dabei bekannte die Moderatorin: "Ich persönlich denke, es sind fast zu viele, teils konkurrierende Veranstaltungen. Wie gehen Sie damit um?"

Kultur ist neben Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten heutzutage ein wichtiger Standortfaktor bei der Gewinnung von Arbeitskräften und Unternehmen. Deshalb wird auch viel angeboten. Laut Thiel wird im Kulturbereich in Konstanz allerdings vieles dezentral organisiert. Es gebe eine Reihe von Personen, die für einzelne Bereiche sprechen. Oft wisse der eine nicht, was der andere wann anbietet. Dieses Informationsdefizit möchte der Stadtmarketingchef aufarbeiten. Wie hilfreich Informationen sind, zeigt der erstmals als Poster zur Verfügung gestellte Eventkalender: Die erste Charge war rasch vergriffen. Sogar die Polizei nutzt diese Übersicht - für die Einsatzplanung. Thiel wünscht sich für "Marketing aus einem Guss" alle an einem Tisch, sodass die vielfältigen Kulturangebote und die Vermarktung aufeinander abgestimmt werden können. Er setzt dabei auf "eine Allianz der Willigen".

Mit Blick auf die geplante Verschmelzung von Tourismus und Stadtmarketing wollte die Moderatorin wissen, ob dadurch Personal eingespart werden soll. Dies verneinte der Talkgast. Es gehe um Synergien und Bündelung. In Zukunft soll alles durch die drei genannten Säulen abgebildet werden: Kultur als eine Säule, Natur als weitere Säule, Wirtschaft und Wissenschaft als dritte. Für den Tourismus soll es keine eigene Säule mehr geben, da es sich dabei um eine Querschnittsaufgabe handelt, die das Beste aus den drei Säulen vermarktet.

Ob es schwierig gewesen sei, sich darauf einzustellen, "wie der Konstanzer tickt", fragte Würtz zum Abschluss. Dazu der Talkgast: "Meine Akklimatisierungsphase hatte ich bereits in Bregenz und Liechtenstein. Ich kannte Konstanz, dachte damals schon: Für diese Stadt hätte ich die eine oder andere Idee." An Konstanz und seinen Bürgern möge er die Herzlichkeit und die Bodenständigkeit – und, dass es auch ein wenig langsamer zugehen dürfe als andernorts. "Das genieße ich, das hat Lebensqualität."

Sieglinde Hankele

 

PRISMA ZUM 37. TALK IN DER ROSENAU, MIT ERIC THIEL – Fotos: Beate Steg-Bayer

 

 


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