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Jutta Albert: Pionierin beim Rundfunk

Von der Schülerin mit der leisen Stimme zur ersten Radioansagerin beim Südwestfunk.

Baden-Baden, im März 2018. - „Jutta ist fleißig und brav, sie müsste aber lauter sprechen.“ Mit großem Vergnügen erinnert sich Jutta Albert an diesen Satz aus ihrem ersten Zeugnis. Ein Satz, der in der Rückschau auf ihr Leben eine wirklich gute Pointe ist. Denn ausgerechnet die Stimme sollte ihr größtes Kapital werden. „Als junges Mädchen habe ich den Mund kaum aufbekommen“, sagt die heute 94-Jährige und schüttelt lächelnd den Kopf. Es ist, als könne sie selbst kaum glauben, was aus dem zurückhaltenden Mädchen mit der leisen Stimme geworden ist: eine Radio-Pionierin. 

Angefangen hat alles, als sie 1943, mit 20 Jahren, zum Kriegsdienst verpflichtet wurde. „Man hat mich zum Rundfunk geschickt, weil ich gut Englisch sprach“, sagt sie. Der Grund: Lange bevor es Austauschprogramme und Au-Pair-Stellen gab, war sie bereits als Schülerin längere Zeit in England. Sie erklärt: „Ich hatte einen Onkel in London, der war Abenteurer und Journalist. Und den habe ich als 12-Jährige für mehrere Monate besucht.“ Im Kriegsdienst beim Rundfunk profitiert sie von dieser Erfahrung, hat keine Berührungsängste, kann sich verständigen und wird zu Radiostationen nach Wien und Prag geschickt. 

Gegen Ende des Krieges gerät Jutta Albert in amerikanische Gefangenschaft, kann flüchten und landet Ende 1945 in Baden-Baden. Sie braucht Arbeit, spricht für eine Stelle als Praxishilfe bei einem Arzt vor. „Aber irgendwas in mir sträubte sich dagegen“, sagt sie heute. Als sie nur einen Tag später eine Annonce entdeckt, in der ein Radiosender nach Sprechern sucht, sieht sie das als Zeichen.

Beim Vorsprechen dann der Schreck: Es gibt sehr viele Bewerber, darunter auch bekannte UFA-Schauspieler. „Gegen die habe ich doch keine Chance“, dachte sie – und sie sollte sich irren. „Die waren zu bemüht, betonten die Worte so intensiv wie im Theater. Gesucht wurde aber eine ruhige und zurückgenommene Sprechweise“, erklärt sie. Nach drei Runden Vorsprechen stand fest: Jutta Albert hat den Job.

Sie schrieb Radio-Geschichte, weil sie die erste offizielle Rundfunksprecherin des Südwestfunks (SWF), war. Die von ihr gesprochene, allererste Ansage des Senders rauschte am 31. März 1946 über den Äther. Insgesamt dreizehn Jahre – mit Unterbrechung wegen einer Kinderpause – arbeitete sie beim Sender. 

Und heute, was ist ihre Lieblingssendung? „Das Radio hat bei mir meistens Sendepause“, sagt sie und fügt hinzu: „Zu meiner Zeit gab es das übrigens noch wirklich, eine Sendepause. Da lief nicht rund um die Uhr Programm.“ So kommt es, dass aus ihren Boxen meistens klassische Musik ertönt. Die hat sie übrigens auch beim Radio am liebsten angesagt: „E-Musik hieß das damals, also ernste Musik.“ Beim Zuhören blickt sie auf einen nadelbaumgesäumten Bergkamm, der den KWA Parkstift Hahnhof säumt. „Diese tolle Aussicht hatte ich früher auch, mein altes Haus steht nicht weit von hier“, sagt Jutta Albert, die seit Ende 2017 im Hahnhof wohnt. Die schöne Aussicht und die lebendige Erinnerung an eine einmalige Radio-Karriere sind ihr geblieben. Die Schüchternheit hat sie längst abgelegt. 

Autorin: Lea Albring
Erschienen in: Alternovum 1/2018



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