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KWA Albstift Aalen
Leben - so wie ich es will im KWA Albstift Aalen

Neue Wege für Menschen mit Demenz

Liebevoll, menschlich und professionell zu begleiten, ist eine große Aufgabe für die Pflege.

Bereits 1998 haben wir im KWA Albstift Aalen einen speziellen Wohnbereich für Menschen mit Demenz geschaffen und unsere Konzepte den Bedürfnissen der Menschen angepasst: mit dem Eden-Konzept und dem Drei-Welten-Konzept.

Beim Eden-Konzept handelt es sich um eine weltweit anerkannte Philosophie. Sie wurde von Dr. William Thomas entwickelt. Er fand heraus, dass oftmals Einsamkeit, Langeweile und Hilflosigkeit für das Leiden älterer Menschen verantwortlich sind. Das Eden-Konzept stellt deshalb den Alltag in den Mittelpunkt. Das Drei-Welten-Konzept betrachtet die Lebenswelt von Menschen mit Demenz: die "Welt der Erfolglosigkeit", die "Welt der Ziellosigkeit" und die "Welt der Schutzlosigkeit". Die Antwort darauf ist, sich nicht auf die Defizite der Betroffenen zu konzentrieren, sondern auf die Ressourcen.

Auf Basis unserer bisherigen Erfahrungen wollten wir unser zuletzt 2008 überarbeitetes Konzept für Menschen mit Demenz weiter verbessern. Gemeinsam mit Prof. Dr. Jana Wolf, Hochschule Aalen, und fünf Studentinnen beschäftigten wir uns im Januar 2015 mit der Frage, wie ein Veränderungsprozess in der Pflege für Menschen mit Demenz organisiert werden kann. Nach zahlreichen Vorgesprächen wurden eine Vision, ein Leitsatz sowie Gesamt- und Nebenziele definiert. Unser Leitsatz lautet: "Wohnen im Wohnbereich, leben im ganzen Haus." Um diesem Ziel näherzukommen, haben wir uns auf vier zentrale Handlungsfelder geeinigt:

  • Nachhaltigkeit und Management von Veränderungsprozessen,
  • Trends in der Demenzpflege,
  • Aktuelle Kommunikationsansätze in der Mitarbeiterführung,
  • Evaluation der Mitarbeiterzufriedenheit.

Bei einem Workshop an der Hochschule Aalen auf Basis moderner Methoden der Innovations- und Change-Management-Forschung brachten 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Albstifts ihre Ideen und Erfahrungen ein. Zunächst wurden die Mitarbeiter aufgefordert, sich in die Welt von Menschen mit Demenz zu versetzen und ihre Gedanken und Emotionen auf Moderationskarten festzuhalten. Im zweiten Schritt erarbeiteten die Teilnehmer einen Weg vom Ist- zum Sollzustand. Konkrete Beispiele:

  • ein Rezeptbuch für Aktivitäten, um bestmögliche Spontanität zu gewährleisten
  • das Einführen von ressourcen- und geschlechtsspezifischen Aktivierungen,
  • Arbeiten in Kleingruppen und Fallbesprechungen.

Einige im Workshop viel diskutierte Aspekte wurden genauer analysiert, schließlich Lösungsvorschläge erarbeitet. Ein zentraler Aspekt der Überlegungen war, wie wir die Angebote im Haus vernetzen können. Dabei haben wir die drei zentralen Bereiche – Aktivitäten, Gruppenbetreuung und Einzelbetreuung – betrachtet und unter anderem festgelegt:

  • Aktivitäten werden in einem Wochenplan zusammengestellt und an festen Orten angeboten.
  • Gruppenbetreuung findet in allen Wohnbereichen in Kleingruppen bis zu 15 Personen statt. Insgesamt bieten wir fünf verschiedene Betreuungselemente am Vormittag an und vier am Nachmittag. Dazu gehören beispielsweise Vorlesen, gemeinsames Singen, gemeinsames Spielen, Traumreisen und Sitzgymnastik.
  • Einzelbetreuung wird Bewohnern angeboten, die nicht an der Gruppenbetreuung teilnehmen können. Speziell geschulte Mitarbeiter widmen sich jeweils 20 Minuten lang der jeweiligen Person.

Um den Bedürfnissen der Bewohner mit Demenz gerecht zu werden, haben wir besondere Räume und Bereiche eingerichtet: In der Ruheinsel finden Bewohner Entspannung. Palmen, Musik und angenehme Düfte sorgen für ein Wohlgefühl. Zudem geben Lichtspiele diesem Raum eine besondere Atmosphäre. Hier werden auch Handmassagen angeboten. Im Erinnerungszimmer "Omas Stüble"
holen wir mit Gegenständen und Bildern vergangene Zeiten in die Gegenwart. Denn: Nur wer sich erinnern kann, weiß, wer er ist. In den Küchen des jeweiligen Wohnbereichs decken die Bewohner gemeinsam den Tisch, ehe sie dort gemeinsam essen. Sowohl in den Wohnbereichen als auch in der Tagespflege gibt es Aufenthaltsbereiche, in denen ein Büfett angeboten wird. In einem Wohnbereich gibt es überdies eine Wäschestube mit Waschmaschine, Wäscheständer und Bügelbrett. So ist für Bewohnerinnen und Bewohner mit entsprechendem Interesse ein ganz normaler Alltag möglich. In einem Aktivitätsraum ist Platz für musikalische und kreative Betätigung.

Prävention ist uns wichtig. Auch Menschen mit Demenz sollen hiervon nicht ausgeschlossen werden. Mit Hand- und Fußtrainern, Therabändern und Sprossenwand halten wir deshalb auf einer Fitnessinsel unterschiedliche Angebote vor. Auch ein lichtdurchfluteter Innenhof, der zu gemütlichen Gesprächen oder zum Verweilen einlädt, befindet sich im Wohnbereich Pflege: das Café Albblick. Hier finden auch der Männerstammtisch und ein Café-Nachmittag statt.

Außer dem Raumkonzept wurde auch ein Lichtkonzept erarbeitet und umgesetzt. Denn: Menschen
mit Demenz empfinden ihre Umwelt zunehmend diffuser. Bestimmte Lichtstimmungen fördern tagsüber Aktivitäten und Bewegung, andere Lichtstimmungen wiederum unterstützen die Nachtruhe.

Doch wir ruhen uns nicht aus auf unserer Pflegekompetenz. Fortbildungen über Demenz sind jährlich
mehrfach im Angebot. Wir werden überdies eine weitere Pflegefachkraft zur gerontopsychiatrischen Fachkraft ausbilden lassen. Experten wie Wundmanager, Palliativfachkräfte und xPraxisanleiter ergänzen die Teams bereits heute.

Autor: Manfred Zwick | Erschienen in alternovum. Das KWA Journal 03/2015


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